Besatzungskinder in Deutschland nach 1945 Leben ohne Vater - wissenschaft.de
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Besatzungskinder in Deutschland nach 1945

Leben ohne Vater

Hunderttausende von Besatzungskindern, entstanden aus Liebesbeziehungen zwischen fremden Soldaten und deutschen Frauen oder durch Vergewaltigungen am Ende des Krieges, wuchsen nach 1945 in Deutschland auf. Die Gesellschaft tat sich schwer mit diesem oft „Bastarde“ genannten Nachwuchs.

bauunternehmen „Wismut“, das auf dem Gebiet der So‧wjetischen Besatzungszone Uran abbaute – dort zahlte man damals gut. Es dauerte Jahre, bis sie ihren Jungen zurückholen konnte. Mittlerweile gab es auch einen Stief‧vater namens Kurt. Michael konnte sich mit diesem fremden „Papa“ nicht anfreunden: Eines Abends stellte er die Mutter zornig zur Rede, er drängte sie, ihm den Namen seines richtigen Vaters zu sagen. Helene ging zur Küchenschublade, zog ein vergilbtes Foto heraus und gestand dem Sohn, dass sein Erzeuger ein Rotarmist gewesen sei. Fortan suchte Michael seinen Vater Mojssej. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis er ihn in Leningrad wiederfand. Für die meisten Menschen in ihrem Umfeld galten Kinder wie die von Helene und Mojssej zu dieser Zeit als ungeliebte „Bankerte“ und „Bastarde“. Frauen wie Helene, die sich mit fremden Soldaten einließen, wurden zumeist als „Huren“ und „Verräterinnen“ angesehen.

Behörden fragen sich: Wohin mit dem unerwünschten Nachwuchs? Ähnlich war die Lage im Westen Deutschlands. Zu Jahresbeginn 1946 kam der Wohlfahrtsausschuss der von den Amerikanern besetzten Stadt Mannheim zusammen, um über ein drängendes Problem zu beraten: die Besatzungskinder. Die Experten von der Fürsorge waren sich einig: Diese Neugeborenen dürften unter keinen Umständen zusammen mit „deutschem“ Nachwuchs aufwachsen. Solcherart Kinder seien allenfalls vorübergehend zu betreuen, ihr Aufenthalt in Deutschland könne nur eine Zwischenstation in ihrem Leben darstellen. So argumentierten die meisten Kommunal- und Landesbehörden im Westen. Aus ihrer Sicht eröffneten sich für die „fremdstämmigen“ Neugeborenen drei Wege: die „Privatisierung“, also der Verbleib bei den Müttern respektive den Großeltern; die „Hospitalisierung“, also die Aufnahme in ein möglichst abgeschiedenes Waisenheim; oder die Überführung dieser Kinder in die Herkunftsländer der Väter…

Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 3/2016.

Prof. Dr. Silke Satjukow

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