Kardinal Albrecht von Brandenburg Machtpolitiker und Humanist - wissenschaft.de
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Kardinal Albrecht von Brandenburg

Machtpolitiker und Humanist

Kardinal Albrecht von Brandenburg war einer der mächtigsten Kirchenfürsten des 16. Jahrhunderts – und Adressat der 95 Thesen Martin Luthers. Zugleich war er ein leidenschaftlicher Förderer der Künste. Sein mit prächtigen Buchmalereien geschmücktes Gebetbuch ist jetzt als Faksimile erschienen.

Schon die Liste der Ämter und Würden, die Albrecht von Brandenburg (1490–1545) innehatte, zeugt von dem Machtbewusstsein, das den Hohenzollern ausgezeichnet hat: Erzbischof von Magdeburg, Erzbischof von Mainz, Administrator des Bistums Halberstadt, Kardinal, Kurfürst, Primas von Deutschland, Erzkanzler des Heiligen Römischen Reichs. Umsonst waren diese Titel nicht gewesen. Erst reichlich fließende Spendengelder nach Rom hatten die Ämterhäufung ermöglicht. Albrecht seinerseits refinanzierte diese Ausgaben teilweise, indem er sich – wie andere Kurfürsten auch – die Wahl Karls V. zum Kaiser teuer bezahlen ließ. Kurioserweise steckten hinter beiden Finanzgeschäften die Fugger: Sie finanzierten Albrechts kometenhaften Aufstieg zum mächtigen Kirchenfürsten ebenso wie die Wahl des Habsburgers. Die größte Einnahmequelle für Albrecht aber war der von ihm in ausufernden Dimensionen betriebene Ablasshandel. An dieser Praxis stieß sich kein Geringerer als Martin Luther, und so wurden der Kardinal und sein berüchtigter Ablass‧prediger Johannes Tetzel 1517 zum Auslöser der berühmten 95 Thesen des Reformators, die er einem Brief an Albrecht beifügte.

Theologisch hat sich Albrecht nicht mit Luther und seinen Thesen auseinandergesetzt. Womöglich unterschätzte er daher lange Zeit die mit ihnen verbundene politische Sprengkraft und begegnete Vertretern reformatorischer Bestrebungen auch in seinen eigenen Landen zurückhaltend. Selbst im protestantischen Lager galt er daher als möglicher Vermittler, zumal er vor einer kriegerischen Lösung der Religionsstreitigkeiten zurückscheute und seine Hoffnungen auf ein einigendes Konzil setzte. Bestärkt wurde er in dieser Haltung durch den Humanisten Erasmus von Rotterdam, dem Albrecht freundschaftlich verbunden war. Vor diesem Hintergrund ist auch die Gründung einer Universität in Halle im Jahr 1531 zu sehen. Ebenso war der „Hallesche Bund“, ein Zusammenschluss katholischer Fürsten, zunächst defensiv ausgerichtet.

Lieblingsresidenz Albrechts von Brandenburg war Halle an der Saale, das damals zum Erzbistum Magdeburg gehörte. Zunächst residierte er auf der unter seinem Vorgänger erbauten Moritzburg, später ließ er sich eine neue Residenz errichten, einen der ersten reinen Renaissancebauten in Deutschland. Da Halle kein Bischofssitz war, gab es zunächst auch keinen Dom. Albrecht ließ daher die nahe der Residenz gelegene Dominikanerkirche zur Stiftskirche umbauen und prächtig ausstatten. Im Zentrum stand dabei das „Hallesche Heiltum“, die riesige Reliquiensammlung des Kardinals mit über 8 000 Partikeln. Zusammengenommen ergaben diese heiligen Schätze für ihren Besitzer einen Nachlass der Sühnezeit im Fegefeuer von über 40 Millionen Jahren.

Umso bitterer war es für den Kardinal, dass sowohl in seiner brandenburgischen Heimat als auch in Halle reformatorische Ideen immer fester Fuß fassten. 1539 führte Kurfürst Joachim II. in Brandenburg die Reformation ein, 1541 berief der Rat der Stadt Halle erstmals einen protestantischen Prediger. Albrecht zog sich daraufhin nach Mainz zurück. Erst jetzt, unter dem Eindruck der Verdrängung aus Halle, gab der Kardinal jede Hoffnung auf einen Ausgleich mit den Protestanten auf und wurde zum Verfechter einer aktiven Gegenreformation. Am 24. September 1545 ist Albrecht von Brandenburg im Alter von 55 Jahren hochverschuldet in Mainz gestorben. Eigentlich hatte Albrecht in Halle beigesetzt werden wollen. Bereits 1523 hatte er die berühmte Vischer-Werkstatt in Nürnberg mit der Fertigung eines Grabmonuments beauftragt. Nur Teile davon haben sich in der Stiftsbasilika St. Peter und Paul in Aschaffenburg erhalten, darunter ein 1525 gegossenes lebensgroßes Relief des Kardinals.

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In Halle wurde „Der Kardinal“ im Jahr 2006 mit einer Ausstellung als „einer der großen deutschen Renaissancefürsten“ gewürdigt. Dabei kamen erstmals wieder einige der großartigen Kunstschätze, die im Auftrag Albrechts entstanden sind, zurück in die Stadt an der Saale: Teile des „Halleschen Heiltums“, prachtvolle Messgewänder und liturgische Geräte, Gemälde von Albrecht Dürer, Lukas Cranach, Matthias Grünewald oder Hans Baldung Grien und illuminierte Handschriften von hoher Qualität – liturgische Bücher, aber auch Bücher zum persönlichen Gebrauch. Dazu gehört ein 1536/37 entstandenes Gebetbuch, das im Verlag Bibliotheca Rara jetzt als Faksimile erschienen ist. Das Original befindet sich in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien; einer der Nachfolger Albrechts als Erzbischof von Mainz schenkte es 1623 Kaiser Ferdinand I.

Die Buchmalereien stammen von Gabriel Glockendon, der Randdekor und die 62 prachtvollen Initialen von Georg Stierlein, der von 1529 an als Schreiber des Kardinals für alle neuentstandenen Handschriften zuständig war. Gabriel Glockendon entstammte einer Nürnberger Künstlerfamilie; schon sein Vater Nikolaus hatte 1531 ein Beicht- und Messgebetbuch für Albrecht von Brandenburg illuminiert. Charakteristisch für die Miniaturen ist ein ausgeprägter Hang zum Detail. Die biblischen Szenen hat Glockendon in Phantasielandschaften und -architektur gesetzt. Randszenen versetzen den Betrachter in die Entstehungszeit der Handschrift. Insge‧samt enthält das Gebetbuch 42 ganzseitige Miniaturen auf rund 200 Seiten. Albrecht von Brandenburg besaß mehrere illuminierte Gebetbücher, die ihm nicht nur als kostbarer Schmuck dienten, sondern auch benutzt wurden, wie verschiedene Gebrauchsspuren nahelegen.

Literatur: Das Gebetbuch von Gabriel Glockendon für Kardinal Albrecht von Brandenburg ist in einer limitierten Ausgabe von 998 Exemplaren als originalgetreues Faksimile bei Bibliotheca Rara, Rosenstraße 12 –13, 48143 Münster (http://www.br-faksimile.de), erschienen.

Andreas Tacke (Hrsg.), Der Kardinal. Albrecht von Brandenburg. Renais- sancefürst und Mäzen. 2 Bände. Regensburg 2006.

Uwe A. Oster

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