Zwischen alter Religion und Christentum Mehr als ein Glaubenswechsel - wissenschaft.de
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Zwischen alter Religion und Christentum

Mehr als ein Glaubenswechsel

Erst durch die Christianisierung wurde die skandinavische Welt zu einem Teil Europas. Doch das war weniger in der neuen Religion als solcher begründet: Das Christentum bot die Grundlage für die Etablierung einer zentralen Königsherrschaft, und es brachte dem Norden Europas die lateinische Schrift mit ihren weitreichenden Möglichkeiten.

Es waren kriegerische Götter, die Walhalla, den Olymp der Wikinger, bewohnten. Überlieferte Mythen erzählen von Thor, dem Gott des Donners, aber auch der Fruchtbarkeit, von Tyr, dem Gott des Krieges, und von Loki, dem Gott des Feuers. Walküren führten die gefallenen Krieger zu den Göttern. Über allen stand Odin, er war der Herrscher von Walhalla.

Eine solche Rekonstruktion „germanischer“ Religion ist jedoch nicht einfach. Schon die Anwendung des eurozentrisch gewachsenen Religionsbegriffs auf altskandinavische Kultformen ist problematisch, aber nahezu alle Berichte, aus denen wir über die Glaubensvorstellungen der Wikinger heute Kenntnis erhalten, sind bereits im Mittelalter in sehr enger Wechselwirkung mit der lateinisch-christlichen Tradition Europas entstanden.

Einerseits waren es christliche Autoren, die über den heidnischen Glauben der nördlichen Nachbarn berichteten und die dort überlieferten Vorstellungen vor dem Hintergrund dessen deuteten, was ihnen an religiösen Konzeptionen vertraut war. Der Geschichtsschreiber Adam von Bremen setzte die nordischen Gottheiten etwa mit den ihm bekannten heidnischen Göttern der Antike in Bezug. So heißt es bei ihm: „Wodan stellen sie bewaffnet dar, so wie wir den Mars.“ Ein direkter Vergleich mit der christlichen Religion konnte für ihn gar nicht in Frage kommen. Auch der arabische Chronist Ahmed ibn Fadlan, der im 10. Jahrhundert über Gebräuche und Sitten der Kiewer Rus, Wikingergruppen an der Wolga, berichtete, konnte sich bei seiner Beschreibung nicht von den Vorstellungen eines geschlossenen Religionssystems lösen.

Andererseits waren es die Skandinavier selbst, die den Glauben der Wikinger auf Pergament verewigten. Hier ergibt sich aber das Problem, dass solche Berichte erst Jahrhunderte nach der Christianisierung entstanden. Man hat es also ebenfalls mit Konstruktionen eines geschlossenen Religionssystems zu tun. Diese entstanden in Auseinandersetzung mit christlichen Dogmensystemen, sollten aber gleichsam auch zur Abgrenzung von lateinisch-christlichen Traditionen dienen. Hierdurch konnte man im Hochmittelalter eine kulturelle Eigenständigkeit des Nordens entwerfen. Die herausragenden Vertreter dieser Denkrichtung sind der Däne Saxo Grammaticus und der Isländer Snorri Sturluson.

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Saxo verfasste um 1200 eine umfassende lateinische Geschichte der Dänen, die er in den Gesamtkontext der europäischen Geschichte einordnete. Dagegen kümmerte sich Snorri 30 Jahre später wenig um den Rest Europas und schrieb seine Geschichte der norwegischen Könige wie auch seine Darstellung der nordischen Göttergeschichten in altisländischer Sprache. Beide verfolgten aber die Grundidee einer eigenständigen kulturellen Identität des Nordens. Diese spiegelt sich gerade in ihren ausführlichen Bearbeitungen nordischer Mythen wider. Die Darstellungsabsicht sämtlicher Texte beeinflusste oft die Objektivität ihrer Berichterstattung. Wie also kann man verlässliche Informationen über den Glauben der Wikinger erhalten? …

Dr. Thomas Foerster

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