Die Residenz der Könige von Qatna Monumentalität und Innovation - wissenschaft.de
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Die Residenz der Könige von Qatna

Monumentalität und Innovation

Das Maß aller Dinge im Palastbau in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. war der Palast der Könige von Mari. Ihm eiferte man nach – oder wollte ihn, so in Qatna, durch noch gewaltigere Raumdimensionen sogar ausstechen.

Der Palast in Mari war weit über die Grenzen des mächtigen gleichnamigen Königreichs am mittleren Euphrat bekannt. Davon zeugt ein Brief aus dem 18. Jahrhundert v. Chr., in dem der König von Ugarit, einer Handelsmetropole an der syrischen Mittelmeerküste, den König von Mari bat, seinen berühmten Palast besichtigen zu dürfen. Man wird nicht fehlgehen in der Vermutung, der König von Ugarit habe Anregungen zur Ausgestaltung seines eigenen Palasts erhalten wollen.

Ein Wettstreit der Paläste charakterisiert die altsyrische Periode (1900 –1550 v. Chr.), die Blütezeit der syrischen Königtümer, deren bedeutendste Mari, Aleppo und Qatna waren. Vermutlich eiferten auch die Könige von Qatna Mari nach. Wir haben zwar keinen Nachweis, dass sie Mari besuchten, doch lässt der Umstand, dass eine Königstochter aus Qatna dort verheiratet war und man regelmäßig Boten austauschte (siehe Seite 36), darauf schließen, dass man den Palast von Mari genau kannte. Der Grundriss des um 1750 v. Chr. erbauten Palasts von Qatna verrät unzweifelhaft, dass der Palast von Mari bei der Erbauung Pate stand.

Am deutlichsten kommt dies im zentralen Repräsentationsteil zum Ausdruck. Der Thronsaal (Halle B) und der dahinter liegende Festsaal (Halle A) sind Mari genau nachempfunden: in den Raumproportionen, der Lage der Türen und sogar der Podeste auf dem Fußboden. Es ging allerdings nicht um einen Nachbau, sondern man versuchte, den berühmten Palast noch zu übertreffen. Dies zeigen die Raumdimensionen: Thron- und Festsaal nehmen die dreifache Raumfläche der entsprechenden Räume in Mari ein und erreichen eine im Palastbau bis dahin nicht gekannte Monumentalität. Der Festsaal ist 40 Meter lang und 20 Meter breit. Seine Überdachung stellte eine große Herausforderung dar. Durch die vielen Innovationen bei der Konstruktion der Anlage wurde zudem ein neuer Standard im Palastbau geschaffen. Damit wollte man sicherlich nicht nur die eigenen Untertanen beeindrucken, sondern auch den Wettstreit um den eindrucksvollsten Palast für Qatna entscheiden.

Die Aspekte Monumentalität und Innovation lassen sich am besten bei einem gedanklichen Rundgang durch den Palast begreifen. Dies ist möglich, weil sein Grundriss in zehn Ausgrabungskampagnen zwischen 1999 bis 2008 weitestgehend rekonstruiert werden konnte. Drei archäologische Teams haben sich des Großunternehmens angenommen: eine syrische Grabungsexpedition der Antiken‧direktion Damaskus (Leitung Michel al-Maqdissi), eine italienisch-syrische Expedition unter Beteiligung der Universität Udine (Leitung: Daniele Morandi Bonacossi) und eine deutsch-syrische Expedition, die an der Universität Tübingen (unter Verantwortung des Autors) sowie an der Antikendirektion Damaskus angesiedelt ist. So gelang es, eine der größten Palastanlagen des Alten Orients freizulegen. Sie umfasst eine Fläche von 18 000 Quadratmetern und nimmt den zentralen Bereich der von hohen, insgesamt vier Kilometer langen Festungswällen umgebenen Stadtanlage von Qatna ein…

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Prof. Dr. Peter Pfälzner

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