Freimaurerisches Selbstverständnis heute Mut zur Zukunft? - wissenschaft.de
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Freimaurerisches Selbstverständnis heute

Mut zur Zukunft?

Die Freimaurer von heute teilen ein Problem der ganzen Gesellschaft: Ihre Logen sind zum Teil überaltert, und die Bereitschaft, sich lebenslang zu binden, hat in der jüngeren Generation deutlich abgenommen. Doch es gibt auch gegenläufige Tendenzen.

In der gesellschaftlichen Realität von heute sind sich die deutschen Logen und Großlogen bewusst, dass die Freimaurerei ein neues, „offenes“ Verhältnis zur Öffentlichkeit herzustellen hat. Die Fragen, was Freimaurerei in der modernen Gesellschaft ist und sein will und was das „freimaurerische Geheimnis“ heute bedeutet, müssen auf eine klare Weise beantwortet werden.

Eine präzise Antwort auf diese Fragen ist jedoch schwierig. Gewiss herrscht Übereinstimmung unter den deutschen Freimaurern in Bezug auf historische Entwicklungslinien und strukturelle Grundelemente, doch die Perspektiven, Formen und Farben dieses Freimaurerbilds variieren beträchtlich. Dennoch gibt es Übereinstimmungen, die in Satzungen, Stellungnahmen der Großlogenleitungen, Positionspapieren, Logen- und Großlogendiskussionen und neuerdings den freimaurerischen Internetseiten ihren Ausdruck finden. Der Konsens innerhalb des größten, in der „Großloge der Alten, Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland“ verbundenen „humanitären“ Teils innerhalb der deutschen Bruderschaft lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: 

Freimaurerei will ein Freundschaftsbund sein, der über alle weltanschaulichen, politischen, nationalen und sozialen Grenzen hinweg Menschen verbindet. Die Freimaurer folgen damit ihrer Tradition, Trennendes zu überwinden, Gegensätze abzubauen, Verständigung und Verständnis zu fördern sowie Menschen zu verbinden, die sich nach Herkunft und Interessenlage sonst nicht begegnen würden. Von besonderer Bedeutung ist, dass die deutsche Freimaurerei in den letzten Jahrzehnten durch die Entstehung und erfolgreiche Entwicklung von Frauenlogen eine wesentliche Bereicherung erfahren hat.

Freimaurerei will ein Freundschaftsbund sein, der über alle weltanschaulichen, politischen, nationalen und sozialen Grenzen hinweg Menschen verbindet. Die Freimaurer folgen damit ihrer Tradition, Trennendes zu überwinden, Gegensätze abzubauen, Verständigung und Verständnis zu fördern sowie Menschen zu verbinden, die sich nach Herkunft und Interessenlage sonst nicht begegnen würden. Von besonderer Bedeutung ist, dass die deutsche Freimaurerei in den letzten Jahrzehnten durch die Entstehung und erfolgreiche Entwicklung von Frauenlogen eine wesentliche Bereicherung erfahren hat.

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Die Freimaurerei versteht sich als ethisch orientierter Bund, der zwar kein eigenes ethisches System entwickelt und schon gar nicht versucht, ethische Überzeugungen in politische Programme zu übertragen, doch mit seinen traditionellen Wertpositionen Humanität, Brüderlichkeit, Freiheit, Gerechtigkeit, Friedensliebe und Toleranz Orientierungen und Maßstäbe für das Denken und Handeln seiner Mitglieder vorgeben will. Ethisch orientierte Diskurse spielen hierbei eine große Rolle. Nichts geht über das „laut denken“ mit einem Freund – auf diese Formel hat der Freimaurer Gotthold Ephraim Lessing eine der zentralen Grundüberzeugungen gebracht.

Schließlich ist die Freimaurerei Initiationsgemeinschaft und symbolischer Werkbund. Zur Festigung der zwischenmenschlichen Beziehungen, zur gefühlsmäßigen Vertiefung und Verankerung ihrer ethischen Überzeugungen und als Anleitung zur Selbsterkenntnis bedienen sich die Logen alter, vor allem aus der Tradition der europäischen Dombauhütten stammender Symbole und symbolhafter Handlungen (Rituale), in deren Mittelpunkt die feierliche Aufnahme (Initiation) des neuen Mitglieds in die brüderliche Gemeinschaft steht. Freimaurerei versucht, die gesellige, die intellektuelle und die emotionale Seite des Menschen gleichermaßen anzusprechen. Verstand und Gefühl werden nicht getrennt, und insbesondere die in den Logen geübte Ritualpraxis soll dazu beitragen, Einsichten in Lebenswirklichkeiten gleichzeitig denkend und fühlend zu gewinnen…

Prof. Dr. Hans-Hermann Höhmann

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