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Hermann Josef Abs 1901–1994 (Teil 1)

Politischer Bankier zwischen den Zeiten

Das lange Leben des Hermann Josef Abs, der zum einflußreichsten Bankier Deutschlands aufsteigen sollte, umspannte fast das ge-samte 20. Jahrhundert. Er war ein charakteristischer Repräsentant deutscher Geschichte zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik.

Das Jahr 1945 markiert bekanntlich einen tiefen Bruch und einen entschiedenen Neuanfang in der deutschen Geschichte, sachlich wie personell. Manche sprachen damals gar von einer „Stunde Null“. Es war die Stunde nur ganz weniger unbelasteter Älterer und der ganz Jungen, jedenfalls was die Politik und die politiknahen Bereiche angeht. Nur sehr wenige, die auf der Höhe ihres Lebens und ihrer beruflichen Laufbahn standen, überlebten diesen Einbruch, dieses Abreißen aller Kontinuität sozusagen auf dem gleichen Niveau, auf der gleichen Ebene des sozialen und beruflichen Erfolgs. Zu ihnen zählte in vorderster Linie Hermann Josef Abs. Freilich: In der allgemeinen Öffentlichkeit, insbesondere auch in seiner engeren Umgebung, hat man diesen – was seine Person angeht – praktisch bruchlosen Übergang eher zu verschleiern versucht. Man sprach von seiner Nähe zum Widerstand – die er selbst, trotz entsprechender tatsächlich vorhandener Kontakte, eher relativierte –, von einer Art Nischenexistenz, von dem unpolitischen Charakter seines Wirkens, ja des ganzen Mannes in den Jahren des Nationalsozialismus.

Das hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Die Rolle von Abs als einem führenden und von der Politik mehrfach herangezogenen Vertreter des Bankwesens schon in der Zeit des Dritten Reiches geriet mehr und mehr in den Blick, ja vielfach ins Zentrum der Betrachtung und mit ihr auch die Frage nach der Kontinuität – in formaler und zunehmend auch in inhaltlicher Hinsicht. Diese Frage ist nicht nur legitim, sondern sie öffnet zugleich den Blick auf die historische Dimension dieses Lebens, in dessen enge Eingebundenheit in den Gang und auch in die tiefen Brüche der deutschen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts.

Mit 17 Jahren erlebte Hermann Josef Abs den Untergang der Welt des Kaiserreichs in Krieg und Revolution. Er hatte ihr zwar von der familiären Herkunft her, als Sohn eines liberal gesinnten Wirtschaftsanwalts und als katholischer Rheinländer, in vieler Hinsicht kritisch gegenübergestanden, vor allem dem preußischen ostelbischen Junkertum mit seiner Vorrangstellung in Heer und Beamtenschaft und seinen antikatholischen, kulturkämpferischen Neigungen – hierin vergleichbar mit dem eine Generation älteren langjährigen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer. Aber wie dieser war er doch in seinen Anschauungen, in seinen Grundvorstellungen durch diese Welt auch geprägt worden.

Abs nannte es das „Modell von 1910“. Vor allem beeinflußten ihn die damals entstandenen Strukturen und Erscheinungsformen des modernen Wirtschafts- und Bankwesens. In dieser Welt sah er, auch in Opposition gegen die von Akademikern und Beamten dominierte Welt seiner Jugend, schon früh seine Zukunft, seinen künftigen Beruf. In seinem Abiturzeugnis eines humanistischen Bonner Gymnasiums gab er zum Entsetzen seiner Lehrer, die auf ein Studium und eine Laufbahn im öffentlichen Dienst hin orientiert waren, als Berufswunsch „Kaufmann“ an.

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Man schrieb damals das Jahr 1920. Die Lebensentscheidung fiel also in eine Zeit des tiefgreifenden Umbruchs aller staatlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Sie war zugleich Ausdruck des Aufbruchs in eine neue Zeit, in eine Zeit des bewußten Abschieds von Karrieremustern der Vergangenheit. Sein in diesem Sinn zunächst provokativ-allgemein formulierter Berufswunsch präzisierte sich dann sehr rasch zu „Bankkaufmann“ mit dem Fernziel, die Position eines selbständigen, eines eigenverantwortlichen Bankiers zu erlangen…

Literatur Lothar Gall, Der Bankier. Hermann Josef Abs. Eine Biographie. Verlag C. H. Beck, München 2004.

Prof. Dr. Lothar Gall

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In|den  〈n.; –s; unz.; Chem.〉 aromatischer Kohlenwasserstoff, der in geringen Mengen in Steinkohlenteer vorkommt [Kunstw.]

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