Albrecht von Brandenburg - vom Hochmeister zum Herzog Politisches Kalkül als Richtschnur - wissenschaft.de
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Albrecht von Brandenburg - vom Hochmeister zum Herzog

Politisches Kalkül als Richtschnur

Mit der Umwandlung des preußischen Deutschordensstaates in ein weltliches Herzogtum brach Albrecht von Brandenburg 1525 zwar mit einer über 300jährigen Tradition, doch schuf er damit die Grundlage für die Gründung des Königreichs Preußen und setzte Maßstäbe für die Entwicklung des modernen Staates.

Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach trat erst in den Deutschen Orden ein, als er 1511 zum Hochmeister gewählt werden sollte. Die Wahl fiel auf den 21jährigen aus politischem Kalkül. Seit dem zweiten Thorner Frieden von 1466, in dem der Orden seine westlichen Landesteile (Königlich-Polnisches Preußen) und das Bistum Ermland an den polnischen König als Oberherrn verloren hatte, herrschte ein dauerhaft gespanntes Verhältnis zwischen dem preußischen Ordenszweig und dem Königreich Polen. Das erklärte Ziel des Ordens in Preußen war eine Revision dieses Friedensvertrags. Hier schien die Wahl eines mit dem polnischen König verwandten Reichsfürsten zum Hochmeister die Chance zu bieten, einerseits politische Unterstützung aus dem Reich zu erhalten und andererseits den polnischen König leichter zur Vertragsrevision zu bewegen.

So kam es 1498 mit Friedrich von Sachsen und 1511 mit Albrecht von Brandenburg-Ansbach zur Wahl eines erst mit Blick auf das höchste Ordensamt in den Orden eintretenden Fürsten: Friedrichs Bruder hatte die Schwester des polnischen Königs Johann Albrecht zur Frau, Albrechts Mutter Sophie war Schwester des polnischen Königs Sigismund I. Das Urteil Marian Tumlers, von 1948 bis 1970 selbst Hochmeister des Deutschen Ordens und einer der bedeutendsten modernen Historiographen seiner Gemeinschaft, verdeutlicht den Traditionsbruch, der in den Wahlvorgängen von 1498 und 1511 lag: „Es war ein schwerer Verstoß gegen die altehrwürdige Regel, den Würdigsten zu wählen.“

Unter Hochmeister Friedrich erfolgte eine systematische Verfürstlichung des Hochmeisteramtes und des Territoriums. Albrecht von Brandenburg-Ansbach setzte diese Politik fort. Im Hinblick auf eine Zentralisierung der Verwaltung wurden Kommenden wie Ragnit oder Ämter wie Tilsit und Labiau nicht mehr mit Ordensrittern besetzt und deren Einkünfte der hochmeisterlichen Kasse zugeführt. Auch entledigte sich Albrecht nach und nach der in den Ordensstatuten vorgesehenen Großgebietiger, die in Preußen gemeinsam mit dem Hochmeister den engsten Herrschaftszirkel gebildet hatten.

Damit regierte Albrecht ohne den innersten Rat des Ordens, nur mit weltlichen Räten. Die im 15. Jahrhundert bereits angelegte Tendenz zur Ablösung der korporativen Landesherrschaft des Ordens durch eine personale Herrschaft des Hochmeisters fand so ihren Höhepunkt.

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Allerdings bedeutete das noch keine Territorialherrschaft in Form eines frühneuzeitlichen Flächenstaats, existierten doch auch in dem dem Orden seit 1466 verbliebenen Teil Preußens noch zwei weitere Territorialherrschaften, die Bistümer Samland und Pomesanien, wenngleich ohne eigene Territorialpolitik im Sinn einer außenpolitischen Betätigung. Das Bistum Samland verwaltete seit 1519 Georg von Polentz, ein Kriegskamerad Albrechts. Als Albrecht Hochmeister wurde, trat Polentz in den Orden ein und entwickelte sich zu einem seiner engsten Vertrauten. Als der Bischof von Pomesanien 1521 starb, bewog Albrecht Dr. Erhard Queis, den Kanzler seines Schwagers Friedrich Herzog von Liegnitz, zum Eintritt in den Orden und ließ ihn 1523 vom Domkapitel zum Bischof wählen. Auf beiden Bischofsstühlen saßen also Ordensbrüder und Vertraute des Hochmeisters, die ihre Karriere durch ihn gemacht hatten. Die Frage der Territorialherrschaft des verbliebenen Ordensgebietes hatte eine recht eindeutige Klärung erfahren.

Die Ausbildung eines modernen Flächenstaats war also weitestgehend vorbereitet: die Verwaltung innerhalb des preußischen Ordensbesitzes zentralisiert und auf den Hochmeister fokussiert; die Zahl der Komture als Amtsträger reduziert; der Gebietigerrat nicht mehr existent; die geistlichen Territorien ohne Eigenständigkeit. Große Stadtterritorien gab es nicht, ebenso keine anderen grundbesitzenden Orden, der erst spät entwickelte preußische Adel spielte keine entscheidende Rolle.

Diese innerpreußischen Entwicklungen liefen parallel zu der Ausein‧andersetzung mit Polen. Der Versuch, mit militärischen Mitteln im sogenannten Reiterkrieg zwischen 1519 und 1521 zu einer Revision des Thorner Friedens zu kommen, war gescheitert. Als Ergebnis gab es ein Atem‧holen vor der endgültigen Entscheidung: einen vierjährigen Waffenstillstand bis 1525. Albrecht bemühte sich um militärische und finanzielle Hilfe im Reich wie auch bei den anderen beiden Ordenszweigen in Deutschland und Livland, gleichermaßen vergeblich.

Bei diesem Aufenthalt im Reich kam er mit reformerischem Gedankengut im Sinne Luthers in Berührung. Er wußte genau, in welcher geistig-geistlichen Kampfzone er sich bewegte, der Reichstag zu Worms 1521 und der Bann über Luther hatten die Fronten deutlich gemacht. Trotzdem schien Luther im Sinne eines Landesherrn noch immer der modernste Reformer unter den Theologen zu sein, keineswegs ein Revolutionär wie Andreas Karlstadt oder gar Thomas Müntzer, denn Luther hielt an der bestehenden Herrschaftsordnung fest. An diesem Punkt trafen sich Albrecht und der Reformer. In einer Druckschrift forderte Luther die Ordensritter dazu auf, „falsche Keuschheit zu meiden“ und statt dessen zur „rechten ehelichen Keuschheit zu greifen“. Diese Aufforderung zur Säkularisation Preußens unter Aufhebung des Ordens und der Umwandlung seiner Mitglieder in adlige Familiengründer konnte Albrecht wegen der Veröffentlichung im Druck zu diesem Zeitpunkt keineswegs recht sein. Immerhin bot sich ihm dadurch aber eine Möglichkeit, in Übereinstimmung zwar nicht mit der Amtskirche, jedoch mit einem berühmten Theologen und somit in wahrscheinlicher Übereinstimmung mit seinem Gott den Weg weiterzugehen, den er seit seinem Amtsantritt in Fortsetzung der Politik des Vorgängers bereits beschritten hatte…

Auf den Spuren des Deutschen Ordens Das ehemalige Deutschordensschloß von Mergentheim (Baden-Württemberg) war von 1525 bis 1809 Residenz der Hoch- und Deutschmeister des Deutschen Ordens. Seit 1996 befindet sich hier das Deutschordensmuseum mit rund 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Dokumente, Waffen, Modelle, Skulpturen und Gemälde zeugen von der 800jährigen Geschichte des Ordens. In der Neuen Fürstenwohnung sind die prachtvoll ausgestatteten Räume der Hochmeister zu sehen. Besonders beeindruckend ist der klassizistische Kapitelsaal. Am Bau der Schloßkirche waren unter anderem Balthasar Neumann und François de Cuvilliés beteiligt. http://www.deutschordensmuseum.de

Die Schatzkammer des Deutschen Ordens in Wien (Singerstraße 7) bewahrt zahlreiche Kostbarkeiten, die von Vertretern des Ordens in Auftrag gegeben worden sind oder diesen geschenkt wurden. Sie zeugen vom fürstlichen Repräsentationsbedürfnis und vom Kunstsinn der Hochmeister und Komture. Zu sehen sind sakrale und profane Kunstgegenstände; Insignien, Münzen und Medaillen des Ordens, kostbares Tafelgeschirr, Uhren und Glasgefäße; sakrale Gemälde und Gemälde zahlreicher Hochmeister sowie Teile der Kunstkammer des Hoch- und Deutschmeisters Erzherzog Maximilian III. Im Zentralarchiv des Deutschen Ordens (ebenfalls Singerstraße 7) werden insgesamt 12000 Urkunden zur Geschichte des Ordens aufbewahrt. http://www.deutscher-orden.at

Die Marienburg in Preußen, ein herausragendes Beispiel norddeutscher Backsteingotik, war von 1309 bis 1457 Sitz des Hochmeisters. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die an der Nogat gelegene Burganlage mit dem weit aufragenden Hochschloß und dem Palast des Hochmeisters bei Kämpfen zwischen Wehrmacht und Roter Armee schwer beschädigt. Polnische Restauratoren begannen 1961 mit dem Wiederaufbau. Die Marienburg (polnisch Malbork) gehört zum Welterbe der UNESCO. http://www.zamek.malbork.pl

Prof. Dr. Udo Arnold

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