60 Jahre Wohlfahrtsmarken Porto mit Herz - wissenschaft.de
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60 Jahre Wohlfahrtsmarken

Porto mit Herz

Mit einem kleinen Zuschlag zum Porto Gutes tun – mit dieser Idee begann 1948/49 die Tradition von Postwertzeichen, von deren Erlös ein Teil an wohltätige Institutionen weitergeleitet wurde und wird.

Die Zeiten waren miserabel. Krieg und Flucht hatten viel Leid gebracht, und die Not der unmittelbaren Nachkriegsjahre war groß. So war es für Monsignore Kuno Joerger, der nicht nur Generalsekretär des Deutschen Caritasverbands, sondern auch Briefmarkensammler war, naheliegend, eine bis 1919 zurückgehende Idee aufzugreifen: mit Briefmarken zu helfen. „5 Pf für Kriegsbeschädigte“ waren nach dem Ersten Weltkrieg erbeten worden, vielen hatte man durch den Erlös der sogenannten „Germania“-Marken (deren Bild sie trugen) helfen können. In den 20er und 30er Jahren folgten ihnen „Nothilfemarken“ sowie bis 1940 die „Winterhilfsbriefmarken“.

Zunächst, 1948/49, konnte Joerger seine Idee nur in der französischen Besatzungszone umsetzen. Am 14. Dezember 1949 war es aber so weit: Ein gutes halbes Jahr nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland bot die Post unter dem Motto „Helft und schenkt Freude“ die ersten Wohlfahrtsmarken an. Politisch neutrale „Helfer der Menschheit“ zierten die ersten Marken: die in der Krankenpflege engagierte Elisabeth von Thüringen, die heilige Landgräfin (1207–1231), der in Einsiedeln (Schweiz) geborene Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493/94–1541), der Reformpädagoge Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782 –1852) sowie der Theologe, Pädagoge und Begründer der Inneren Mission der Evangelischen Kirche Johann Hinrich Wichern (1808 –1881), der in Berlin-Moabit ein Mustergefängnis geleitet hatte.

Die Initiative von 1949 kam Kindern zugute, für die man Erholungsreisen organisierte. Der Verkauf der Marken kam allerdings nur schleppend in Gang. Daher folgte die zweite Serie erst im Oktober 1951, wiederum mit Porträts sozial engagierter Menschen, bevor die Sujets breiter wurden und auch den Bergbau, die Märchen der Gebrüder Grimm, Blumen und Schmetterlinge, Trachten und Bauernhäuser, Autos und Züge umfassten. Seit 1964 erschienen die Wohlfahrtsbriefmarken leicht verändert auch in Berlin, das aufgrund seines Vier-Mächte-Sonderstatus eigene Briefmarken herausgab.

Nach dem zähen Start war der Erfolg der Marken vermutlich auch dem ungewöhnlichen Vertriebsweg zu verdanken, der dann entwickelt wurde: Wohlfahrtsmarken konnte man nicht nur am Postschalter erwerben, sondern auch über die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege; unzählige Ehrenamtliche haben seither zum Verkaufserfolg beigetragen. Seit Theodor Heuss 1956 bereit war, die Schirmherrschaft zu übernehmen, wird das Amt von Bundespräsident zu Bundespräsident weitergereicht.

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Prominente aus ganz unterschiedlichen Bereichen wie die Sopranistin Anneliese Rothenberger, die Fußballspieler Gerd Müller und Franz Beckenbauer oder der Journalist Ulrich Wickert unterstützten die Initiative. Mit der Sendung „Vergißmeinnicht“ warb der Conférencier Peter Frankenfeld in den 60er Jahren samstagabends nicht nur für die neueingeführten Postleitzahlen, sondern auch dafür, Briefe mit Wohlfahrtsmarken zu frankieren. Heute betreuen Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland insgesamt fast vier Millionen Menschen – von der Jugend- bis zur Altenhilfe und der Hilfe für Arbeitslose, Flüchtlinge, Suchtkranke … Seit 1949 erbrachten die fast vier Milliarden verkauften Wohlfahrts- und Weihnachtsmarken (Letztere gibt es seit 1969) mehr als 590 Millionen Euro.

Dr. Marlene P. Hiller

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