Forschung Rasanter Aufstieg, jäher Fall - wissenschaft.de
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Forschung

Rasanter Aufstieg, jäher Fall

Eine neue Publikation widmet sich dem Gründer der ersten Berliner Porzellan-Manufaktur.

Jeder, der sich für Porzellan interessiert, kennt Johann Friedrich Böttger. Ob aber jeder an der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) Inter‧essierte den Namen Johann Ernst Gotzkowsky (1710–1775) einordnen kann? Der Vorläufer der bis heute in Berlin ansässigen Manufaktur wurde von diesem Mann aus bescheidenen Verhältnissen gegründet. Gotzkowsky entfaltete neben dem Porzellangeschäft auch im Gemäldehandel, insbesondere mit Russland, große Wirkung. Mit dieser interessanten Persönlichkeit beschäftigt sich Nina S. Schepkowski in einer Monographie.

Gotzkowsky wurde 1710 in Konitz/Westpreußen geboren. Früh ein Waisenkind geworden, wurde er von Verwandten in Dresden erzogen. Mit 14 Jahren zog er nach Berlin, erlernte den Materialwarenhandel und stieg 1730 in das Geschäft seines älteren Bruders Chris‧tian Ludwig ein. Seit 1727 betrieb dieser in der Königstraße am Berliner Stadtschloss ein auf Luxuswaren spezialisiertes Geschäft, in dem Meißener Porzellan und die begehrten Tabatieren zum Verkauf standen. Sowohl Königin Sophie Dorothea als auch ihr Sohn, Kronprinz Friedrich, waren Tabatierensammler und bezogen mehr als 100 Exemplare bei den Gotzkowskys. Über die Lieferung von kostbaren Materialien für Schloss Rheinsberg seit 1737 entstand zwischen Johann Ernst und dem Kronprinzen ein enger Kontakt.

Meißener Porzellan faszinierte Friedrich schon früh. Schepkowski kann glaubhaft erklären, warum die Gotzkowsky-Brüder 1741, kurz nachdem Friedrich König in Preußen geworden war, in Meißen ein umfangreiches Tafelservice in Auftrag gaben: Sie traten stellvertretend für den König auf, der als Gegner Sachsens im ersten Schlesischen Krieg als Käufer an‧onym bleiben wollte. Noch heute ist das nach den stellvertretenden Auftraggebern benannte Modell „Gotzkowsky erhabene Blumen“ ein Geschirrmuster in Meißen.

Die Meißener Manufaktur, die Friedrich „Peking de Saxe“ nannte, hatte für ihn Vorbildcharakter. Die kleine, eher derbe Produktion, die der Fabrikant Wilhelm Caspar Wegely von 1751/1755 an in Berlin betrieb, genügte seinen Ansprüchen nicht. 1760, während des Siebenjährigen Krieges, hielt sich Gotzkowsky im besetzten Meißen auf. Dort fand ein Treffen mit Friedrich II. statt, der ihm die Gründung einer Manufaktur in Berlin antrug. Die Kriegsumstände und hohe Gehaltszusagen begünstigten die Abwerbung von Fachkräften aus Meißen; aber auch Glück bei der Erlangung des Arkanums (des Rezepts zur Porzellanherstellung), der Rückgriff auf Wegely-Mitar-beiter und die volle Unterstützung des Königs halfen Gotzkowsky, 1761 die „Aechte Porcelaine Fabrique“ in Berlin erfolgreich aufzubauen (Konzession Dezember 1762).

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Der schwerreiche Gotzkowsky hatte 1760 während der russischen Besetzung Berlins im Siebenjährigen Krieg noch allein die Kriegssteuer aufge-bracht. Später blieb er jedoch glücklos in Spekulationsge-schäften; dies führte zum Verlust seiner Kreditwürdigkeit. Friedrich II. zog Konse‧quenzen: Sein Kauf der Manufaktur für 25 000 Taler im Jahr 1763 kam einer Zwangsverstaatlichung gleich. Mit der Kabinettsordre vom 16. Oktober 1763 bekam die nun „Königlich-Preußische Porcellain-Fabrique zu Berlin“ auch ihr Si‧gnet („Scepter“), das eine stilistische Nähe zu den Meißener gekreuzten Schwertern aufweist. Friedrich II. unterstützte seinen in Finanzschwierigkeiten geratenen „Geschäftspartner“ nicht; er sicherte jedoch die Arbeitsplätze von 146 Angestellten, die Kontinuität der hochwertigen Produktion und wurde sein bester Kunde: In der Folge bestellte er 20 Tafelservice für 200000 Taler. Zugleich verdrängte der populäre König den finanziell gescheiterten Manufakturgründer aus dem Bewusstsein der Nachgeborenen.

Literatur: Nina S. Schepkowski, Johann Ernst Gotzkowsky. Kunstagent und Gemäldesammler im friderizianischen Berlin. Berlin 2009.

Susanne Knackmuß

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