Hauptpersonen und Handlung des Nibelungenlieds Roman einer großen Liebe - wissenschaft.de
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Hauptpersonen und Handlung des Nibelungenlieds

Roman einer großen Liebe

Der Dichter des Nibelungenlieds goss nicht einfach den tradierten Sagenstoff in ein neues Gefäß, sondern interpretierte ihn auf seine Weise. Und so rückte as Verhältnis zwischen den Geschlechtern, die Liebe zwischen Siegfried und Kriemhild, in das Zentrum des Geschehens.

Das Nibelungenlied besteht ausd zwei Teilen, die in etwa den gleichen Umfang haben. Der erste Teil erzählt von Kriemhild und Siegfried. Siegfried, der Sohn des Königs von Niederland, liebt Kriemhild, die Königstochter von Burgund, die unter der Vormundschaft ihrer Brüder, der Könige Gunther, Gernot und Giselher, steht. Nur nebenbei erfahren wir, dass Siegfried in seiner Jugend einen Drachen getötet und den unermesslichen Schatz des Königs Nibelung erworben hat. Zu dem Schatz gehört auch eine „Tarnkappe“ (ein Mantel, keine Kopfbedeckung!), der seinen Träger unsichtbar macht und ihm die zusätzliche Kraft von zwölf Männern verleiht. Gunther verspricht Siegfried, der längere Zeit am burgundischen Hof in Worms lebt, die Hand seiner Schwester, wenn er ihm hilft, seinerseits die schöne Brünhild zur Frau zu gewinnen.

Brünhild herrscht als jungfräuliche Königin in Island. Sie besitzt übermenschliche Kräfte. Wer um sie wirbt, muss sie in drei Wettkämpfen besiegen: Er muss einen Speer und einen gewaltigen Stein weiter werfen und weiter springen als sie. Unterliegt er, hat er sein Leben verwirkt. Gunther, Siegfried, Gunthers wichtigster Vasall Hagen und dessen Bruder Dankwart fahren nach Island. Bei der Ankunft vereinbaren sie, dass sich Siegfried als Gunthers Vasall ausgeben wird. Durch einen Betrug gelingt es, Brünhild zu besiegen: Unter der Tarnkappe verborgen, wirft und springt der starke Siegfried, während Gunther nur pantomimisch die entsprechenden Gebärden ausführt. Brünhild folgt den Werbern nach Worms, wo sogleich die Doppelhochzeit gefeiert wird.

Brünhild ist bestürzt, dass Gunther seine Schwester einem Mann gibt, der ihm, wie sie glauben muss, untergeordnet ist. Gunther verweigert eine Erklärung. Ehe sie diese nicht bekommt, will Brünhild die Ehe nicht vollziehen. An Kraft weit überlegen, verweigert sie sich Gunther im Bett. Noch einmal hilft Siegfried. Wiederum unter der Tarnkappe verborgen, ringt er Brünhild nieder, so dass Gunther mit ihr schlafen kann. Mit der Jungfernschaft verliert sie auch ihre übermenschliche Kraft. Siegfried zieht mit Kriemhild in seine Heimat nach Xanten, wo ihm sein Vater die Königsgewalt überträgt.

In Worms ist Brünhild zunehmend beunruhigt, dass Siegfried, der vermeintliche Vasall oder – wie sie es sich zurechtlegt – Leibeigene, Gunther Jahr um Jahr keine Dienste leistet. Sie kann Gunther dazu bewegen, Siegfried und Kriemhild zu einem Fest einzuladen. Auf dem Höhepunkt des Festes kommt es zum Eklat. Die Königinnen streiten zuerst unter vier Augen, dann öffentlich über den Rang ihrer Männer: Brünhild besteht auf der Unterordnung Siegfrieds unter Gunther, Kriemhild erklärt ihn für ebenbürtig, ja für überlegen. Kriemhild triumphiert, indem sie Brünhild vor der Hofgesellschaft vorhält, nicht Gunther, sondern Siegfried habe als Erster mit ihr geschlafen (was nicht zutrifft!). Zum Beweis zeigt sie Brünhilds Ring und Gürtel, die Siegfried in jener Nacht mitgenommen und später Kriemhild geschenkt hatte.

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Brünhild ist tief gekränkt, das Ansehen des Wormser Hofs schwer beschädigt. Hagen überzeugt Gunther davon, dass die Schmach nur durch Siegfrieds Tod getilgt werden kann. Listig entlockt er Kriemhild Siegfrieds Geheimnis: Als Siegfried im Blut des von ihm getöteten Drachen gebadet hatte, war seine Haut mit Horn überzogen und dadurch unverwundbar geworden. Verletzlich blieb nur eine Stelle zwischen den Schulterblättern, auf die ein Lindenblatt gefallen war. Diese Stelle verrät Kriemhild Hagen, der vorgibt, Siegfried beschützen zu wollen. Auf einer tückisch inszenierten Jagd schleudert er Siegfried, der über eine Quelle gebeugt ist, den Speer durch den Rücken.

Obwohl Kriemhild den Mörder kennt, bleibt sie in Worms. Hagen wünscht, dass der Nibelungenschatz, den Siegfried Kriemhild als Morgengabe geschenkt hatte, nach Worms kommt. Er veranlasst Gunther, Frieden mit Kriemhild zu suchen. Sie versöhnt sich mit ihm und lässt sich auch bewegen, den Schatz bringen zu lassen. Er gibt ihr die Möglichkeit, mit großzügigen Geschenken fremde Krieger an sich zu binden. Hagen befürchtet, dass sie einen Racheplan schmiedet, nimmt ihr den Schatz und versenkt ihn im Rhein. Damit endet der erste Teil. Der zweite erzählt vom Untergang der Burgunden.

13 Jahre nach dem Mord ist Helche, die Gemahlin des mächtigen Hunnenkönigs Etzel, gestorben. Etzel wirbt um Kriemhild. Sie erkennt, dass sie als Hunnenkönigin in der Lage sein wird, die Ermordung Siegfrieds zu rächen, und wird Etzels Frau. Nach sieben Jahren, als sie sich ihrer Stellung am Hunnenhof sicher ist, veranlasst sie Etzel, ihre Verwandten zu einem Fest einzuladen. Die Einladung wird angenommen, und die Burgunden ziehen mit einem Heer nach Ungarn an den Hunnenhof. Sie werden fortan auch Nibelungen genannt (vielleicht in ihrer Eigenschaft als Besitzer des Nibelungenschatzes).

Es gelingt Kriemhild, einen blutigen Kampf zwischen den Nibelungen und den Leuten Etzels anzuzetteln. Am Ende sind von den Nibelungen nur noch Gunther und Hagen am Leben. Dietrich von Bern, der größte aller Helden, der im Exil am Hunnenhof lebt, besiegt sie und liefert sie Kriemhild aus. Dass Hagen die Her-ausgabe des Schatzes verweigert, kostet am Ende Gunther und ihn selbst das Leben: Kriemhild lässt Gunther den Kopf abschlagen, Hagen tötet sie mit eigener Hand. Entsetzt über die schmähliche Tötung Hagens, haut Hildebrand, der Waffenmeister Dietrichs von Bern, die Mörderin in Stücke. Mit ihrem gellenden Schrei endet die Erzählung…

Wormser Nibelungenmuseum Das im Jahr 2001 eröffnete Nibelungenmuseum in Worms ist als „begehbares Hörbuch“ gestaltet. Der anonyme Dichter des Nibelungenlieds hat in zwei malerischen Türmen der stauferzeitlichen Stadtmauer seine neue-alte Heimat gefunden und erzählt den Besuchern dort mit der Stimme des Schauspielers Mario Adorf seine Geschichte. Im „Sehturm“ erläutert der Dichter Motive und Figuren aus den Hauptkapiteln seines literarischen Werks. Aber auch die zahlreichen späteren Interpretationen und Vereinnahmungen des Nibelungen-Stoffs werden hier vorgestellt. Optisch untermalt werden die gesprochenen Texte im „Sehturm“ von kurzen Ausschnitten aus dem Spielfilm „Die Nibelungen“ von Fritz Lang. Der zweite Turm, der „Hörturm“, ist die Schreibstube des Dichters. Hier werden Passagen des Nibelungenlieds im Original vorgetragen und simultan übersetzt. Über einen „blauen Gang“ erreicht der Besucher das Mythenlabor, in dem er das Gesehene und Gehörte in bequemer Kinoatmosphäre und mit Hilfe moderner Technik noch einmal Revue passieren lassen oder sich auf eine Entdeckungsreise durch die „Sagen und Mythen der Welt“ begeben kann.

http://www.nibelungenmuseum.de

Prof. Dr. Joachim Heinzle

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