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Grabbeigaben keltischer Aristokratinnen

Selbstbewusste Auftraggeberinnen

Wir wissen wenig über die Stellung der Frau bei den Kelten. Archäologische Untersuchungen von Prunkgräbern belegen jedoch, dass es innerhalb des keltischen Adels auch Frauen möglich war, Macht und Reichtum zu erlangen. Als Auftraggeberinnen verfügten sie über die Mittel, Kunsterzeugnisse zu erwerben oder bei einheimischen Handwerkern herstellen zu lassen.

Der römische Feldherr Julius Caesar schreibt in seinem Bericht „De bello gallico“, dass die Kelten ihre Begräbnisse entsprechend ihrer Lebensweise großartig und aufwendig gestalteten. Archäologisch konnten überall im keltischen Gebiet unzählige Gräber untersucht werden. Eine besondere Stellung nehmen dar-unter sogenannte Prunk- oder Fürstengräber ein. Diese sind immer nach dem gleichen Muster angelegt. Sie befinden sich an gut sichtbarer Stel-le und in unmittelbarer Nähe der jeweiligen Machtzentren. Der oder die Tote wurde in einer Kammer im Zentrum eines gewaltigen, künstlich aufgeschütteten Hügels bestattet. Als Jenseitsbeigaben wurde alles mitgegeben, was auch im Leben teuer und wertvoll war. Von intensiven Kontakten in den Mittelmeerraum zeugen importierte Luxusgüter. Aber die in diesen Gräbern fassbare Elite beschäftigte auch hochqualifizierte einheimische Kunsthandwerker.

Nördlich von Châtillon-sur-Seine (nahe Vix in Burgund) erhebt sich an strategisch hervorragender Lage der Mont Lassois, ein Berg mit einer weiten Gipfelebene. An dieser idealen Siedlungsstelle entstand seit der frühen Eisenzeit ein bedeutendes Machtzentrum. Am Fuß des Berges befand sich der Friedhof. Dort wurde im Winter 1953 eines der reichsten Gräber der keltischen Archäologie entdeckt; es datiert in die Zeit um 480 v. Chr. In einer Kammer unter einem Hügel war eine Frau mittleren Alters begraben. Sie lag geschmückt auf einem vierrädrigen Wagen, dessen abmontierte Räder an der Kammerwand lehnten.

Unter den Schmuckstücken der vornehmen Keltin sticht der goldene, voluminös gestaltete Halsschmuck hervor. Auf dem 480 Gramm schweren Reifen sitzen an den Enden zwei geflügelte Pferdchen – ein deutlicher Hinweis auf Einflüsse aus der griechischen Goldschmiedekunst. Man nimmt jedoch an, dass es sich um die Auftragsarbeit eines einheimischen Goldschmieds handelte. Als weitere Beigaben erhielt sie ein Trinkservice aus Bronze, Silber und feinster Keramik. Die Gefäße waren Importe aus dem mediterranen Raum, darunter ein etruskischer Weinkrug und Trinkschalen aus Attika.

Was die Archäologenwelt in hellen Aufruhr versetzte, war aber ein riesiger griechischer Volutenkrater (Gefäß mit zwei den Gefäßrand überragenden eingerollten Henkeln) aus Bronze. Das prachtvoll gestaltete Weinmischgefäß belegte fast ein Viertel der Grabkammer! Mit einer Höhe von 1,64 Metern und einem Volumen von 1100 Litern ist es das größte erhaltene Metallgefäß der Antike. Als Deckel diente ein Sieb, in dessen Mitte eine Frauenfigur stand, vermutlich eine Priesterin, die ein Trankopfer zelebriert. Es ist gut möglich, dass die hier bestattete Keltin im Leben eine solche Priesterinnenfunktion ausübte. Sicher ist jedenfalls, dass sie einen hohen Rang innehatte. Ihre finanziellen Verhältnisse erlaubten ihr nicht nur, kostbares Geschirr zu erwerben, sondern auch, eine große Zahl an Gästen zu bewirten…

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Sabine Bolliger Schreyer

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