Anzeige
Anzeige

Die Schlacht von Cannae

Sieg der Professionalität

In Cannae erlitten die Römer im Jahr 216 v. Chr. die vernichtendste Niederlage ihrer Geschichte. Schlachtentscheidend waren die größere Professionalität der karthagischen Führung und die Kriegserprobtheit der karthagischen Soldaten. In Rom suchte man nach der Katastrophe zuerst nach Ausflüchten – und begann dann doch mit der Ursachenforschung.

Im Morgengrauen des 2. August 216 v. Chr. standen sich in der Ebene des Flüßchens Aufidus, des heutigen Ofanto, unweit des apulischen Ortes Cannae, fast 140000 Soldaten kampfbereit gegenüber. Rom hatte ein riesiges Heer geschickt, um die karthagischen Invasoren unter Hannibal zu schlagen. Am Abend lagen 70000 römische Fußsoldaten und 5630 römische Reiter tot auf dem Schlachtfeld, 10000 römische Soldaten waren gefangen. Nur rund 370 Reitern und 3000 Fußsoldaten gelang die Flucht. Hannibals Verluste waren gering: 200 Reiter und 5500 Fußsoldaten. Der griechische Historiker Polybios (um 200–120 v. Chr.) berichtet, daß auf römischer Seite rund 80000 Soldaten, je zur Hälfte römische Bürger und italische Bundesgenossen, sowie mindestens 6000 Reiter kämpften, wovon ein Drittel Bürger und zwei Drittel Bundesgenossen waren. Hannibals siegreiches Heer da?gegen, das aus Libyern, Numidern, Puniern, Iberern, Balearen, Kelten, Ligurern, Italikern und Griechen bestand, umfaßte lediglich rund 40000 Fußsoldaten und 10000 Reiter. Angesichts dieses ungleichen Kräfteverhältnisses ist der Ausgang der Schlacht erstaunlich. Wie kam es zu der Katastrophe?

Schon seit zwei Generationen rangen Karthago und Rom erbittert um die Vorherrschaft im westlichen Mittelmeerraum. Als die Spannungen zwischen Rom und Karthago wegen eines Territorialstreits an der iberischen Mittelmeerküste erneut wuchsen, sah Hannibal den Zeitpunkt gekommen, Rom einen vernichtenden Schlag zu versetzen. Der beschwer?liche Übergang mit seinen Truppen und seinen Kriegselefanten über die Paßstraße des Col de Mont Genèvre im Herbst des Jahres 218 v. Chr. war eine strategische Meisterleistung. Die unerwartete Alpenüberquerung des Karthagers stellte die römische Kriegsplanung völlig auf den Kopf. Mit einer Invasion Italiens hatte man in Rom nicht gerechnet. Teile der nach Spanien oder Sizilien entsandten Legionen, die den Krieg auf karthagischen Boden tragen sollten, mußten kehrtmachen, wurden den Invasoren entgegengeworfen und erlitten dabei auf italischem Boden drei schwere Niederlagen: 218 v. Chr. am Ticinus und an der Trebia, im Jahr darauf am Trasimenischen See.

Doch vor Cannae sollte alles anders werden. Rom war fest entschlossen, den Eindringling unter Aufbietung aller Kräfte aus dem Land zu werfen. Die seit der letzten Niederlage verfolgte, behutsame Kriegführung wurde aufgegeben. Denn Hannibal war bereits ungehindert in die fruchtbare apulische Ebene eingebrochen, wo sich sein Heer plündernd selbst versorgte. Hannibals Kriegsplan gründete auf der Erkenntnis, daß Rom als Gegner im Kampf um die Vorherrschaft im westlichen Mittelmeerraum nur mit Hilfe seiner eigenen Verbündeten dauerhaft auszuschalten war. Der karthagische Feldherr hatte deshalb sogleich freundschaftlichen Kontakt mit den italischen Verbündeten Roms gesucht und nach jeder Schlacht die gefangenen römischen Bundesgenossen wieder freigelassen. Je länger Hannibal erfolgreich oder doch wenigstens ungestört in Italien umherzog, desto größer wurde die Gefahr, daß seine Rechnung aufgehen und Roms Bündnissystem zerbrechen würde.

Der Senat billigte deshalb im Frühjahr 216 v. Chr. den neuen Feldzugsplan, der eine Entscheidungsschlacht vorsah. Es waren zwei neue Konsuln gewählt worden, von denen gemeinsames und einmütiges Handeln erwartet werden konnte. Das römische Heer in Italien war durch neue Aushebungen auf das Doppelte seiner gewöhnlichen Stärke vermehrt worden. Es war das größte Heer, das Rom bis dahin je ins Feld geführt hatte, und es sollte dieses Mal als Ganzes eingesetzt werden, um den Gegner hinwegzufegen. Man glaubte, durch die bisherigen Niederlagen den Feind und seine Operationsweise genau zu kennen. Mehr noch, die römischen Truppen waren ausgeruht und hatten wenige Tage vor der Schlacht sogar einen kleinen Erfolg gegen Hannibals Soldaten erringen können. Roms Feldherren und Soldaten waren deshalb zuversichtlich, daß sie einen Sieg über die karthagischen Invasoren davontragen würden.

Anzeige

Prof. Dr. Michael Alexander Speidel

Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Der Podcast zur Geschichte.

Geschichten von Alexander dem Großen bis ins 21. Jahrhundert. 2x im Monat reden zwei Historiker über ein Thema aus der Geschichte. In Kooperation mit DAMALS – Das Magazin für Geschichte.

Hören Sie hier die aktuelle Episode:

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Ko|er|zi|tiv|kraft  〈f. 7u; Phys.〉 magnet. Feldstärke, bei der die Induktion od. die Magnetisierung eines Stoffes nach vorangegangener Anregung bis zur Sättigung verschwindet; Sy Koerzitivfeldstärke ... mehr

Gat|ter  〈n. 13〉 1 Gitter (Eisen~, Holz~) 2 Zaun ... mehr

Gam|be  〈f. 19; Mus.; 16.–18. Jh.〉 Kniegeige, Vorläufer des Cellos [<ital. viola da gamba ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige