Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg Textilgeschichte erleben - wissenschaft.de
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Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg

Textilgeschichte erleben

Das Staatliche Textil- und Industriemuseum in Augsburg vermittelt Eindrücke des sich wandelnden Arbeitsalltags im Zeichen der Fabrikproduktion. In der Halle der ehemaligen Augsburger Kammgarnspinnerei rattern historische Webstühle neben modernen Hightechmaschinen.

Textilmuseen können sehr unterschiedlich sein. Die meisten sind in extra für diesen Zweck renovierten Werkshallen untergebracht und bieten dementsprechend vorwiegend Technik und Maschinen. Bei vielen Museen dieser Art war die Schließung der Fabriken in den 1980er Jahren erster Anlass, über eine Museumsgründung in den leerstehenden Gebäuden nachzudenken. Andere Textilmuseen befinden sich in für die Produktion im 19. Jahrhundert umgenutzten Gebäuden wie Spitälern oder Konventen. Dort hat man als Besucher manchmal den Eindruck, sich zwischen Maschinen durchkämpfen zu müssen, neben die man hier und da auch einige weitere Ausstellungsstücke plaziert hat.

So fällt in dem 2009 eröffneten Augsburger Museum als Erstes der großzügig gestaltete Eingangsbereich mit einer guten Cafeteria und einem Shop auf. Von hier gelangt man in eine lichte Halle, die von der früheren Kammgarnspinnerei übernommen wurde. Sie bietet einen Durchgang durch die Textilherstellung vom Ausgangsmaterial bis zum Endprodukt sowie einen Abriss der lokalen Textilgeschichte in mehreren Kabinetten, die jeweils die Konzentration auf das Ausgestellte sehr befördern.

Am Anfang des als roter Faden auf dem Boden eingezeichneten Rundgangs kann man Schafwolle, Seide, Baumwolle und Flachsleinen nicht nur hinter Vitrinen ansehen, sondern anfassen und Qualitäten vergleichen. Außerdem kann man ihre Struktur auch mit Hilfe von Lupen bzw. Mikroskopen untersuchen. Damit zeigt sich eine Stärke der Museographie dieses neugestalteten Hauses: Immer wieder erlauben einzelne Stationen den Besuchern, selbst etwas auszu‧probieren – etwa die schwierige Strumpfwirkerei.

Nach Informationen darüber, wie Stoffe von Schädlingen befallen werden können, und zur Garnherstellung öffnet sich ein erstes historisches Kabinett zu den Anfängen der Textilstadt Augsburg zu Zeiten der Fugger. Ein Bild des noch heute in der Innenstadt erkennbaren großen Gebäudes der Weberzunft ist die eindrückliche Erinnerung an die frühere Bedeutung dieses Handwerks. Die erfolgreiche Industrialisierung begann auch hier mit Spionage und Kopiertätigkeiten. Die Gebrüder Neuhofer sahen sich Ende des 17. Jahrhunderts in den damals führenden Industrieregionen Englands und Hollands die Technik des Textildrucks an, brachten die entsprechenden Kenntnisse nach Schwaben und gründeten erste Kattundruckereien (Druckerei auf Baumwollgeweben).

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Die örtliche Kupferstechertradition kam der technischen Weiterentwicklung zugute. Im dritten Ausstellungskubus kann man die industrielle Umsetzung dieser Techniken in der 1770 erbauten Kattundruckerei des J. H. Schüle verfolgen. Die Fabrikproduktion führte zu einem massiven sozialen Konflikt, denn der später geadelte Schüle verwendete vorzugsweise ostasiatische Importgewebe – womit den einheimischen Webern die Arbeit auszugehen drohte. Die wehrten sich erfolgreich, so dass man schließlich eine Zweidrittelquote für einheimische Produkte vereinbarte. Die weitere Industrialisierung kam nach 1830 mit mechanischen Spinnereien und Webereien voran: Wasserkraft, Kapital und Knowhow sowie viele Arbeitssuchende trugen je ihren Teil zum Aufstieg der Textilstadt bei. Im fünften Kabinett wird die regionale Entwicklung in Schwaben und in Oberfranken verfolgt, bei der nun Dampfmaschinen zum Einsatz kamen, die nach dem Ausbau des Eisenbahnnetzes mit Kohle versorgt werden konnten…

Prof. Dr. Martin Dinges

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