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Trinity-Apokalypse

Und sie stiegen auf in den Himmel

Im Trinity College in Cambridge wird die prachtvollste Bilderhandschrift der Johannes-Apokalypse aufbewahrt, die die gotische Kunst hervorgebracht hat. Ihre üppige Aus?stattung mit farbenfrohen Miniaturen und fein ziseliertem Gold ist beispiellos. Der Faksimile Verlag in Luzern hat dieses Werk jetzt als Faksimile herausgegeben.

Die Apokalypse, das Buch der Geheimen Offenbarung – mit dem das Neue Testament endet –, enthält eine visionäre Schilderung der Geschehnisse unmittelbar vor dem Jüngsten Gericht. Es sind wahre Horrorszenarien, die darin ausgebreitet werden: In dramatischer Sprache erzählen die Endzeitvisionen von Engeln, Tieren und Monstern sowie von Naturkatastrophen aller Art, die vom Himmel über die Erde herein?brechen: Erdbeben, Sturm, Hagel, Donner, Blitze und Feuersbrünste … Das Nachdenken über das Ende der Welt gehört zum Christentum seit seinen Anfängen. Wie sollten die Menschen erkennen, daß der Jüngste Tag bevorstand? Welche Ereignisse kündigten als Vorboten dessen Kommen an? Ganz sicher ist die im ausgehenden 1. Jahrhundert verfaßte Offen?barung des Johannes vor dem Hintergrund dieser Fragestellungen zu sehen, und ebenso sicher dürfte dieser Johannes geglaubt haben, das Jüngste Gericht stehe unmittelbar bevor. Im Mittelalter ging man davon aus, daß der Autor der Apokalypse gleichzusetzen sei mit dem Evangelisten und dem Apostel gleichen Namens und integrierte dessen legendäre Vita in die Handschriften der Offenbarung, so auch in der Trinity-Apokalypse. Neueren Forschungen zufolge handelt es sich jedoch um drei unterschiedliche Personen.

Schon im frühen Mittelalter waren Bilderhandschriften der Apokalypse in Spanien und Frankreich verbreitet, im 13. Jahrhundert erreichten sie in England ihre größte Beliebtheit. In der Regel wird der Text der Apokalypse in diesen Handschriften von einem theologischen Kommentar begleitet, der die komplizierten Szenarien und Symbole als Allegorien der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft deutet. Dabei wurde nicht für jede Handschrift ein neuer Kommentar verfaßt, sondern auf einige wenige Vorlagen zurückgegriffen, die zum Teil schon Jahrhunderte alt waren. Diese wurden gekürzt oder bearbeitet, um sie dem zeitgenössischen Leser näherzubringen.

Der Verfasser des in der Trinity-Apokalypse verwendeten Kommentars war ein gewisser Berengaudus, doch dieser Name ist auch fast schon alles, was man über ihn weiß. Vielleicht hat er im 9. Jahrhundert gelebt oder auch erst im 11. Jahrhundert. Genauso umstritten ist der Ort seines Wirkens, wahlweise werden Ostfrankreich, das Rheinland und England in die Diskussion geworfen.

Berengaudus brachte Schilderungen aus der Apokalypse mit Szenen aus dem Alten Testament und der römischen Geschichte in Verbindung. Zudem stellte er sündhafte Geschehnisse der mittelalterlichen Gegenwart in der verschlüsselten Sprache der Offenbarung dar und interpretierte die Apokalypse der ursprünglichen Intention folgend als Vorausschau zukünftiger Ereignisse – entsprechend den Eröffnungsworten der „Offenbarung Jesu Christi, die ihm [Johannes] Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll“. Ergänzt wurden Text und Kommentar durch Bilder, die es dem Betrachter zusätzlich erleichtern sollten, diese Botschaften zu verstehen.

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Im 13. Jahrhundert, in dem die Trinity-Apokalypse entstanden ist, war eine Reihe von Prophezeiun?gen über den Weltuntergang im Umlauf, wie etwa jene des kalabresischen Abtes Joachim von Fiore (um 1130–1202), der den Beginn eines „Dritten Zeitalters“ für das Jahr 1260 vorhersagte. Diesem werde ein „schreckliches Gericht über die entartete Kirche und die verderbte Welt“ vorausgehen. Joachim hatte seine Anhänger vor allem unter den radikale Armut predigenden Franziskanern. Auch in England kannte man seine Schriften; sogar der Bischof von Lincoln, Robert Grosseteste, ließ sich von seinem Freund, dem franziskanischen Theologen Adam Marsh, eine Ausgabe besorgen. Zudem befaßten sich englische Theologen selbst mit apokalyptischen Zahlenspielen: Der Abt des angesehenen Klosters St. Alban (Hertfordshire) sagte das Kommen des Antichrist für das Jahr 1250 voraus. Diese Vorhersage findet sich auch in anderen englischen Handschriften, zuweilen auf 1260 verschoben, vielleicht unter dem Einfluß der Vorhersagen Joachims von Fiore.

Die große Verbreitung endzeitlicher Vorstellungen förderte die Beliebtheit von Apokalypse-Handschriften im England des 13. Jahrhunderts enorm. Natürlich wurde versucht, die Vorhersagen durch aktuelle Geschehnisse zu untermauern. So wurde das Tier aus Kapitel 13 der Offenbarung, das die Erde am Ende der Zeiten 42 Monate lang terrorisieren werde, mit dem Antichrist gleichgesetzt, den man – je nach politischer Couleur – beispielsweise in dem Stauferkaiser Friedrich II. oder im Papst sehen konnte. Über letzteren schrieb Robert Grosseteste, der bereits erwähnte Bischof von Lincoln: „Das Papstamt, Thron Gottes, Sonne der ganzen Welt …, das – einer Sonne gleich – der Erde Licht bringen sollte, Leben, Nahrung, Wachstum, Rettung und Schönheit, hat seine Funktion, seine Daseinsberechtigung verloren. Es wurde pervertiert und gerät zu einer Quelle von Verderbnis und Zerstörung. Er, der die persona Christi trägt, hat diese persona abgelegt und die seiner irdischen Verwandten angenommen, sein eigen Fleisch und Blut. So jemand besitzt nicht länger Christi Thron, und wenn ihm tat?sächlich in allem Gehorsam geleistet wird, dann sind die Tage der Finsternis gekommen, in denen der Sohn der Verdammnis [= der Antichrist] sein wahres Gesicht zeigt.“

Indikatoren, die auf die Ankunft des Antichrist und den Beginn der Endzeit hindeuteten bzw. so interpretiert wurden, gab es im 13. Jahrhundert genügend: 1222/23 und dann wieder 1241 fielen mongolische Stämme (im Mittelalter unter dem Begriff Tataren zusammengefaßt) in Osteuropa ein, zogen Schneisen der Verwüstung durch Rußland, Ungarn und Polen. Die Nachricht davon drang auch nach West- und Nordeuropa. Konnten das nicht die Heerscharen Satans sein, des Drachens der Apokalypse, der aus seinem Gefängnis freigelassen wurde, um die „Völker an den vier Enden der Erde zu verführen“ und „zum Kampf zu versammeln gegen die Heilige Stadt“: „Und sie stiegen herauf auf die Ebene der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen …“

Noch offensichtlicher schienen die Vorhersagen des Propheten Ezechiel: „Und wirst kommen aus deinem Ort, vom äußersten Norden, du und viele Völker mit dir, alle zu Roß, ein großer Heerhaufen und eine gewaltige Macht, du wirst heraufziehen gegen mein Volk Israel wie eine Wolke, die das Land bedeckt. Am Ende der Zeit wird das geschehen.“ Zwar widersprachen die jeweiligen Rückzüge der Tataren – 1241 beispielsweise nach dem unerwarteten Tod ihres Großkhans Ögedei – dieser eschato?logi?schen Interpretation, doch wer konnte schon ahnen, ob dies nicht nur eine kurze Atempause, ein kurzes Innehalten sein würde?

Zu den eifrigsten Trägern apokalyptischer Vorstellungen gehörten – wie erwähnt – die Franziskaner und mit ihnen, als zweiter großer Bettelorden, die Dominikaner. Sie verbanden ihre gelebte Armut mit deutlicher Kritik an den Mißständen der Zeit, an Machtmißbrauch, Korruption und ausschweifendem Lebenswandel, und forderten die Menschen zur Umkehr auf. Vor dem Hintergrund einer Einbettung in das Geschehen der Offenbarung gelang dies um so eindrucksvoller.

In der Auseinandersetzung zwischen Kaiser Friedrich II. und dem Papsttum ergriffen die Franziskaner die Partei der Kirche – und wurden im Königreich Sizilien auf diese Weise zum Opfer staufischer Gegenpropaganda und Verfolgung. Dies paßte in das Raster von Kapitel 11 der Offenbarung. Dort ist die Rede von „zwei Zeugen“, die während der Herrschaft des Antichrist Zeugnis wider diesen ablegen: „Und wenn sie ihr Zeugnis vollendet haben, so wird das Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt, mit ihnen kämpfen und wird sie töten.“ Das bezogen die Franziskaner auf die Verfolgung durch Friedrich II. Ebenso den darauf folgenden Triumph: „Und nach drei Tagen und einem halben fuhr in sie der Geist des Lebens von Gott … Und sie hörten eine große Stimme vom Himmel zu ihnen sagen: ‚Steigt herauf!‘ Und sie stiegen auf in den Himmel in einer Wolke, und es sahen sie ihre Feinde.“ Eine weitere Identifikation mit dem Apokalypse-Text fanden die Franziskaner im Engel des sechsten Siegels, der das „Siegel des lebendigen Gottes“ trägt und der mit dem heiligen Franziskus gleichgesetzt wurde, dessen Stigmata die Wundmale des „lebendigen Geistes“ symbolisierten.

In diesem geistigen Umfeld, in einer Welt, der endzeitliche Vorstellungen vertraut waren, entstand die Trinity-Apokalypse. Die enormen Abmessungen und ihre strahlenden Bilder stehen allerdings im Gegensatz zum kleineren Format und den gedämpften Farben anderer englischer Apokalypse-Handschriften des 13. Jahrhunderts. Auch die Anordnung der Bilder ist unterschiedlich: So gab es Handschriften mit nur sehr kurzen Textauszügen, die als Spruchbänder in die Miniaturen gesetzt waren („Bilderbuchformat“), oder die Bilder waren in stets gleich großen, rechteckigen Rahmen in der oberen Seitenhälfte über dem zweispaltigen Text angeordnet. Dagegen stehen die im Format variierenden Bilder der Trinity-Apokalypse auf jeder Seite an einer anderen Stelle – eingefügt in die Textkolumnen.

Dieses „Layout“ ist typisch für die spanischen „Beatus-Apokalypsen“ (siehe DAMALS 7-1998) des 13. Jahrhunderts, und so stellt sich die Frage, ob sich eine Verbindung zu diesen herstellen läßt. Des Rätsels Lösung könnte eine Hochzeit sein: Im Jahr 1254 heiratete Eleonore von Kastilien (1242–1290) den späteren englischen König Eduard I. (1239–1307). Schauplatz der Hochzeit war Las Huelgas bei Burgos, das Haus?kloster der kastilischen Könige. In Las Huelgas wurde damals eine um 1220 entstandene Beatus-Apokalypse aufbewahrt, die von Eleonores Großmutter Berenguela in Auftrag gegeben worden war. Es ist gut vorstellbar, daß dem Gast aus England dieses Prunkstück der königlichen Bibliothek während seines Besuches gezeigt wurde, ja das Paar vielleicht sogar eine ähnlich luxuriös ausgestattete Beatus-Handschrift geschenkt bekommen oder Eduard eine solche erworben hat. So entstand die Theorie, daß die Trinity-Apokalypse nach dem Vorbild dieser spanischen Handschrift hergestellt worden sein könnte, und zwar frühestens 1255, dem Jahr, in dem Eduard und Eleonore nach England (zurück)kamen.

Es könnte allerdings noch eine weitere Verbindung zwischen den spanischen Beatus-Handschriften und der Trinity-Apokalypse gegeben haben. Mindestens eine spanische Apokalypse-Handschrift wurde in dieser Zeit in einem Kloster in der Gascogne aufbewahrt. Gouverneur der damals englischen Gascogne war 1248 bis 1252 Simon de Montfort. Man könnte daher annehmen, daß – wenn schon eine Kopie den Weg in die Gascogne gefunden hat – diese womöglich nicht die einzige war und Simon de Montfort bei seiner Rückkehr 1252 eine weitere Handschrift nach England gebracht hat – und diese dann als Vorbild der Trinity-Apokalypse gedient haben könnte.

Zeitlich könnten beide Versionen zutreffen. Dies zeigt ein Blick auf den Stil der Malerei. Die Bilder der Trinity-Apokalypse wurden nicht von einem einzigen Illustrator geschaffen, sondern von vier Künstlern, wobei sich zwei im Stil jeweils sehr ähneln. Zwei Künstler haben sich an traditionellen englischen Vorbildern orientiert, die anderen beiden den neuen, aus Frankreich kommenden „Breitfaltenstil“ übernommen, der erstmals um 1250 in England auftaucht. Diese stilistischen Unterschiede sprechen jedoch keineswegs gegen ein paralleles Wirken aller vier Künstler. Blickt man auf die Handschriftenproduktion in England um 1255 bis 1265, zeigt sich, daß einige Maler weiter der einheimischen Tradition folgten, während andere sich schon dem französischen Stil zuwandten. Insgesamt können die „traditionellen Künstler“ der Trinity-Apokalypse von ihrem Stil her in die Zeit zwischen 1245 und 1260 datiert werden, die anderen beiden dürften um 1255 bis 1265 gewirkt haben. Unter der Annahme, daß die Handschrift in einem Zug produziert wurde, erscheint der Zeitraum um 1255 bis 1260 als plausibelste Datierung. Geht man davon aus, daß die Illustration des Textes unterbrochen wurde, so dürfte der erste Teil der Malereien um 1250 bis 1255, der zweite um 1255 bis 1260 entstanden sein. Beide Varianten lassen sich zeitlich gut einfügen in die Theorie einer engen Verwandtschaft mit den spanischen Beatus-Apokalypsen und können daher als weiteres Argument hierfür herangezogen werden, zumal weitere Merkmale die Vermutung stützen. Zu nennen sind hier vor allem die großformatige, aus der Vogelperspektive gemalte Ansicht des Himmlischen Jerusalem und die horizontal angeordneten Figurenreihen auf einigen anderen großformatigen Bildern. Beides findet sich in zeitgenössischen englischen Offenbarungsschriften sonst nicht.

Nachdem die Entstehungszeit doch weitgehend eingegrenzt werden kann, bleiben die Fragen nach dem Entstehungsort und dem Auftraggeber bzw. Stifter. Daß die Trinity-Apokalypse in England geschaffen wurde, steht außer Frage. Die Handschrift ist in einem normannischen Dialekt verfaßt, der nur in England gesprochen wurde. Anders, als man vielleicht vermuten könnte, wurden illustrierte Handschriften in England seit der Mitte des 13. Jahrhunderts kaum mehr in Klöstern, sondern vor allem von Laienschreibern und -malern hergestellt, die entweder in städtischen Zentren wie London, Oxford oder Salisbury ansässig waren oder im ganzen Land umherzogen. Auch die Trinity-Apokalypse dürfte in diesem Umfeld entstanden sein. Eine weitere Eingrenzung jedoch ist der Forschung trotz jahrzehnte-langer Bemühungen bisher nicht gelungen.

Bleibt die Frage, wer die Handschrift in Auftrag gegeben hat. Englische Bilderhandschriften enthalten in aller Regel keine direkten Hinweise auf den oder die Auftraggeber, für die sie geschaffen wurden. So muß man sich bei der Beantwortung dieser Frage auf eine mitunter verschlungene und spekulative Spurensuche begeben. Auch wenn die Trinity-Apokalypse nicht in einem klösterlichen Umfeld entstanden ist, so muß für die Auswahl der Auszüge aus dem Berengaudus-Kommentar und für die Konzeption der Bilder ein Geistlicher hinzugezogen worden sein.

Auf sechs Bildern der Trinity-Apokalypse sind Mönche abgebildet, die aufgrund ihrer braunen oder grauen Kutte als Franziskaner gedeutet werden können, auch wenn keiner von ihnen die für den Orden typische Kordel um die Hüfte trägt. Denn ein weiteres kommt hinzu: Im Kommentar ist häufig von „Predigern“ die Rede. Dies träfe einerseits auf die Dominikaner zu (deren eigentlicher Name „Ordo fratrum Praedicatorum“ übersetzt nichts anderes heißt als Orden der Predigerbrüder), aber auch auf die Franziskaner, die sich als Prediger jenes „ewigen Evangeliums“ sahen, das gemäß der Offenbarung allen „Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern“ vor „der Stunde des Gerichts“ verkündet werden sollte.

So erstaunt es nicht, daß die in der Trinity-Apokalypse abgebildeten Franziskaner stets zu den Erwählten zählen, also zu jenen, auf die die „ewige Seligkeit“ im Himmel wartet. Absolut erstaunlich ist dagegen, daß die Franziskaner der Trinity-Apokalypse immer zusammen mit einer Frau dargestellt sind – und auch diese Frau stets zu den Auserwählten gehört. Sie ist unter jenen Gerechten, die das gottlose Babylon bei dessen Zerstörung verlassen, sie kämpft gegen den apokalyptischen Drachen und das Tier (also gegen den Antichrist), und sie gehört zu jenen, die nach dem Sieg über das Tier auf „Gottes Harfe“ spielen „in einem Meer aus Glas“. Eine solche Kombination findet sich in keiner anderen englischen Handschrift der Offenbarung in dieser Zeit. Nimmt man hierzu noch den Umstand, daß die meisten englischen Apokalypse-Handschriften (zumal wenn sie nicht auf lateinisch verfaßt waren) von hochgestellten Laien in Auftrag gegeben worden sein dürften, dann ist es sehr wahrscheinlich, daß es sich bei dieser Frau um die Auftraggeberin der Trinity-Apokalypse handelt.

Die Pracht und die aufwendige Gestaltung der Trinity-Apokalypse legen nahe, daß es sich um eine Auftraggeberin aus dem Hochadel gehandelt hat. So wird der Kreis der dafür in Frage kommenden Damen immer kleiner. Doch alle Versuche, sich auf eine der namentlich bekannten Frauen der betreffenden Zeit festzulegen, muß Spekulation bleiben. Ebenso die vielleicht zu naheliegende Vermutung, Eleonore von Kastilien habe die Trinity-Apokalypse nach dem Vorbild ihrer heimatlichen Beatus-Apokalypsen in Auftrag gegeben. Ebensogut könnte es sein, daß eine andere hochgestellte Frau bei Eleonore eine solche Handschrift gesehen – und sich bei diesem Anblick entschlossen hat, ein Buch zu bestellen, das dieser Handschrift gleichen sollte.

So wie die weitere Einkreisung der Auftraggeberin letztlich erfolglos bleibt, so ist auch die Frage des beratenden Geistlichen nicht näher zu beantworten, als daß es sich um einen Franziskaner oder um einen diesem Orden – der in England besondere königliche Protektion genoß – nahestehenden Kleriker gehandelt haben muß. Gleichwohl ist auch dies versucht worden. Tatsächlich spräche manches für den bereits erwähnten franziskanischen Theologen Adam Marsh: Sein Interesse an apokalyptischen Themen ist dokumentiert, und er stand in engem Kontakt mit dem Bischof von Lincoln und zahl?reichen anderen Würdenträgern, darunter einigen Frauen, die als Auftraggeberinnen in Frage kämen. Hier ist in erster Linie Eleonore von der Provence (1223–1291), die Frau Heinrichs III. von England, zu nennen, an deren Hof Marsh zeitweise als Berater gewirkt hat. Doch für eine sichere Zuschreibung reichen diese Indizien nicht aus – so wenig wie die Apokalypse selbst gibt deren Handschrift im Trinity College ihre letzten Geheimnisse preis.

Die faksimilierte Fassung der Trinity-Apokalypse erscheint in einer limitierten Auflage von 980 handnumerierten Exemplaren als originalgetreue Faksimile-Edition. Der wissenschaftliche Kommentarband wird von David McKitterick, Librarian am Trinity College, herausgegeben. Unter den Beiträgern ist mit Nigel Morgan von der Universität Oslo einer der besten Kenner der englischen Apokalypse-Handschriften. Neben dem Gesamtfaksimile ist auch eine Dokumentationsmappe mit vier Originalfaksimile-Seiten im Originalformat und einer 16seitigen, illustrierten Informationsbroschüre erhältlich.

Faksimile Verlag Luzern Maihofstraße 25 6000 Luzern (CH)

Internet: http://www.faksimile.ch

Uwe A. Oster

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