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Xanthippe

Verbittert, aber nicht zänkisch

Will man den antiken Quellen uneingeschränkt Glaubenschenken, so gab es im klassischen Athen keinen Ehemann,der mehr unter seiner Frau zu leiden hatte als der berühmte Philosoph Sokrates.

Xanthippe gilt bis heute als Inbegriff der zänkischen, streitsüchtigen Ehefrau, die ihrem bemitleidenswerten Ehemann Sokrates das Leben schwergemacht hat, wo immer sie konnte. Bei unvoreingenommener Betrachtung ergibt sich zumindest in Bezug auf die Hintergründe dieses Verhaltens jedoch ein anderes Bild. Festzuhalten ist zunächst, dass die negativen Urteile über Xanthippe aus Quellen stammen, die bemüht sind, ein positives Sokrates-Bild zu zeichnen. So lassen etwa Sokrates-Bewunderer wie der Historiker Xenophon (um 430–um 354 v.Chr.) oder der Philosophen-Biograph Diogenes Laertios (3. Jahrhundert n.Chr.) keine Gelegenheit aus, den Philosophen eine bösartige Bemerkung seiner Frau mit einer geistreichen Replik parieren zu lassen. Dazu gehört die bekannte Anekdote von dem Wassereimer, dessen Inhalt Xanthippe in einem Wutanfall auf dem Kopf des Gatten ausleert, was diesen zu den Worten veranlasst: „Ich wusste, dass auf Xanthippes Donnergrollen früher oder später Regen folgen würde.“ In Xenophons „Symposion“ wird Xanthippe als die unleidlichste Frau, die es je gegeben habe und je geben werde, verunglimpft.

Löst man sich aber aus dem Bann der charismatischen Persönlichkeit des Sokrates, der die gelehrte Welt mit seinen Fragen und Antworten revolutionierte, wird man jedoch Verständnis für Xanthippe aufbringen. Sie hatte drei Kinder zu ernähren, während es ihr Ehemann vorzog, auf den öffentlichen Plätzen Athens seinem intellektuell verdienstvollen, ökonomisch freilich wenig einträglichen Geschäft nachzugehen. Bis zu seiner Verurteilung und seinem Tod im Jahr 399 v.Chr. bemühte er sich von morgens bis abends, die Menschen mittels einer ausgefeilten Fragetechnik zur richtigen Erkenntnis und zur Tugend zu erziehen. Das geschah kostenlos, und wenn er endlich heimkehrte, brachte er kein Geld mit, sondern Erzählungen über seine Anstrengungen, die Athener zu erziehen. In ferner Vergangenheit hatte Sokrates das ehrbare Gewerbe des Bildhauers ausgeübt, doch hatte er diese Tätigkeit zugunsten der Philosophie an den Nagel gehängt.

Zu seinem neuen Berufsbild gehörten eine ärmliche Kleidung und eine asketische Lebensweise. Bedürfnislosigkeit erhob er zum obersten Gebot und verlangte dies wohl auch von Xanthippe. Dank einer kleinen Erbschaft herrschte keine Not, doch große Sprünge konnte sich die Familie nicht erlauben. Stand es schon materiell nicht zum Besten, so machte sich Xanthippe auch um die Reputation ihres Hauses Sorgen. Aus der Sicht der Nachbarn war Sokrates nichts anderes als ein Müßiggänger. Das hätte er, nach den gängigen sozialen Standards, nur sein dürfen, wenn er ein Aristokrat gewesen wäre. Von einem praktisch mittellosen Mann wurde jedoch erwartet, dass er für sich und seine Familie Geld verdiente…

Prof. Dr. Holger Sonnabend

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