1969-2009 Vier spannende Jahrzehnte (Teil 2) - wissenschaft.de
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1969-2009

Vier spannende Jahrzehnte (Teil 2)

40 Jahre DAMALS sind Anlass zurückzublicken, nicht auf die Geschichte der Zeitschrift, sondern wie es sich für ein Geschichtsmagazin gehört auf die wichtigsten Ereignisse der vergangenen vier Jahrzehnte. Was war wichtig? Woran erinnern Sie sich besonders? Diese Frage stellen wir Ihnen insgesamt neunmal. Bis Ende August 2009 können Sie uns zudem eigene Vorschläge einreichen, was auf die Liste gehört. Nennen Sie uns aus der bis November vorgestellten Liste die drei Geschehnisse oder Errungenschaften, denen Sie persönlich besondere Bedeutung beimessen (Einsendeschluss ist der 19. November 2009). An: Redaktion DAMALS, z. Hd. Frau Stefanie Ahmann Ernst-Mey-Straße 8 70771 Leinfelden-Echterdingen oder: stefanie.ahmann@konradin.de Unter den Einsendern verlosen wir 100 Bücher.

Woran erinnern Sie sich besonders?

11 Die erste Mondlandung Mehr als eine halbe Milliarde Menschen sind am 20. Juli 1969 an den Fernsehbildschirmen live dabei, als der US-Amerikaner Neil Armstrong die Mondfähre „Eagle“ verlässt und als erster Mensch den Erdtrabanten betritt. Damit können die USA in dem seit den 1950er Jahren anhaltenden Wettlauf ins All einen entscheidenden Sieg erringen. Lange hatte die Sowjetunion die Maßstäbe gesetzt, 1957 mit „Sputnik“ den ersten Satelliten ins All geschickt und im selben Jahr mit der Hündin Laika das erste Lebewesen; und 1961 war Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum geflogen.

12 Wahlrecht für Schweizer Frauen Demonstrationen, politische Eingaben, Unruhen und Protestaktionen bis hin zu Häuserbesetzungen begleiten den Kampf der Schweizer Frauen für das Wahlrecht. Am 7. Februar 1971 kommt es zur Abstimmung. 65,7 Prozent der – noch – allein stimmberechtigten männlichen Eidgenossen stimmen mit „Ja“. Damit sind bei den eidgenössischen Wahlen vom 31. Oktober 1971 erstmals auch Frauen wahlberechtigt und wählbar; elf Frauen werden in den Nationalrat gewählt. Weitere 20 Jahre allerdings dauert es, bis das Stimmrecht für Frauen auch im Kanton Appenzell Innerrhoden durchgesetzt wird, auf Anordnung der Bundesregierung und gegen den Willen der Mehrheit der männlichen Stimmberechtigten.

13 Fund aus der Vorzeit: der „Ötzi“ Um 3400 v. Chr., am Übergang von der Jungsteinzeit zur Kupferzeit, starb in einer Gletscherquerrinne in den Ötztaler Alpen, im Grenzgebiet zwischen Österreich und Italien, ein etwa 40-jähriger Mann. Etwa 5 300 Jahre später, am 19. September 1991, finden Wanderer seinen mumifizierten Leichnam. Der Fund ist eine Sensation: die einzige vollständig erhaltene, nahezu unversehrte und natürlich konservierte Leiche aus dieser Zeit in Mitteleuropa. Als Todesursache des offenbar gesunden Mannes werden zunächst innere Blutungen nach einer Verletzung durch einen Feuersteinpfeil an der linken Schulter vermutet. Neuere Theorien sprechen dagegen von einer tödlichen Schlagverletzung am Kopf. Die Spuren weisen in jedem Fall auf einen Kampf hin. Der Fund wird von den Medien schnell aufgegriffen, ein Journalist gibt der Mumie ihren Namen: „Ötzi“. Heute befindet sich der Gletschermann im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen.

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14 Zwei deutsche Staaten werden UNO-Mitglieder Während die Bundesrepublik in der Hallstein-Doktrin den Anspruch vertritt, das gesamte deutsche Volk zu repräsentieren, beharrt die DDR auf ihrer völkerrechtlichen Anerkennung als Voraussetzung für Verträge zwischen Staaten des Warschauer Pakts und der Bundesrepublik. Damit blockieren die beiden deutschen Staaten gegenseitig ihre Aufnahme in die Vereinten Nationen. Erst durch die Unterzeichnung des Grundlagenvertrags im Dezember 1972, in der die beiden Staaten gutnachbarliche Beziehungen vereinbaren, wird diese Blockade aufgehoben. Der UNO-Beitritt am 18. September 1973 bedeutet für die DDR die völkerrechtliche Anerkennung und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen auch mit der westlichen Welt. Die Bundesrepublik erhält die Möglichkeit, auch mit jenen Staaten in Kontakt zu treten, zu denen sie aufgrund der Hallstein-Doktrin bis dahin keine diplomatischen Beziehungen hatte bzw. diese aufgrund der Anerkennung der DDR abgebrochen hat. Vor der UNO betont Außenminister Walter Scheel (unten mit seinem DDR-Kollegen Otto Winzer), dass die Mitgliedschaft der beiden deutschen Staaten in der Weltorganisation keine Anerkennung der Teilung Deutschlands bedeute.

15 Eurotunnel wird eröffnet Bereits 1751 schlug Nicolas Desmarets, der Finanzminister Ludwigs XIV., den Bau einer Verbindung zwischen England und Frankreich vor. Doch bis zur tatsächlichen Verwirklichung des Plans dauert es noch fast 250 Jahre: Am 6. Mai 1994 eröffnen Königin Elisabeth II. und Staatspräsident François Mitterrand den Eurotunnel. 50 Kilometer ist er lang; davon verlaufen 38 Kilometer bis zu 40 Meter unter dem Meeresgrund. Der dreiröhrige Eisenbahntunnel unter dem Ärmelkanal verbindet das englische Folkstone (Kent) mit dem französischen Coquelles (bei Calais). Erstmals seit dem Ende der letzten Eiszeit vor über 13 000 Jahren ist es nun zumindest theoretisch wieder möglich, England zu Fuß zu erreichen. Die fast sieben Millionen Passagiere, die den Tunnel jährlich nutzen, tun dies allerdings in 35-minütiger Zugfahrt.

16 Von der Sensation zur Blamage: die „Hitler-Tagebücher“ Am 25. April 1983 präsentiert das Nachrichtenmagazin „Stern“ eine Sensation: die „Tagebücher Adolf Hitlers“. Ein Reporter hat 1981 auf verschlungenen Wegen Kontakt zu Konrad Kujau erhalten, dem Besitzer der Kladden, die aus einem kurz vor Kriegsende abgestürzten Flugzeug stammen sollten. Internationale Expertengutachten scheinen deren Authentizität zunächst zu stützen; ein Gutachten des Bundeskriminalamts über das verwendete Papier wird allerdings nicht abgewartet.

Bald tauchen aber Fragen auf: Was sollen die Initialen „FH“ auf dem Einband bedeuten? Weshalb gibt es in dem Text keinerlei Korrekturen? Wie kommt es, dass kein Zeitzeuge jemals Hitler ein Tagebuch schreiben sah? Und bereits am 5. Mai kehrt sich die vermeintliche Sensation in eine beispiellose Blamage für das Magazin um: 9,3 Millionen Mark sind für Fälschungen aus Kujaus Werkstatt gezahlt worden. Das verwendete Papier stammt zweifelsfrei erst aus der Zeit nach 1950. Der „Stern“ muss sich öffentlich entschuldigen, die gesamte Chefredaktion tritt zurück, die Verkaufszahlen sinken für Monate massiv. Der Reporter Gerd Heidemann und Konrad Kujau werden zu Haftstrafen verurteilt.

17 John Lennon wird ermordet John Lennon, der zwölf Jahre lang mit den „Beatles“ legendäre Welterfolge feierte, ist auch als Solokünstler äußerst erfolgreich, nachdem sich die Gruppe 1970 gespalten hat. Mit seiner zweiten Frau Yoko Ono veröffentlicht er Welterfolge wie „Imagine“ und „Give peace a chance“. Am 8. Dezember 1980 wird er von Mark David Chapman vor seinem Haus in New York ermordet. Der geistig verwirrte Attentäter ist ein fanatischer Verehrer der „Beatles“ und Lennons, dessen Bewunderung in Hass umgeschlagen ist. 1981 wird er zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Da die Bewährungskommission des Staats New York seine Entlassung mehrfach ablehnt, sitzt Chapman jedoch nach wie vor im Gefängnis.

18 Das erste „Retortenbaby“ Als am 25. Juli 1978 im englischen Oldham (bei Manchester) die kleine Louise Joy Brown per Kaiserschnitt zur Welt kommt, ist sie eine Sensation: Sie ist das erste nach künstlicher Befruchtung (In-vitro-Fertilisation) geborene Kind. Ein gewaltiges Medienecho begleitet Schwangerschaft und Geburt. Heute schätzt man die Zahl der Geburten nach künstlicher Befruchtung auf weltweit über drei Millionen. 2006 wird Louise selber Mutter – auf natürlichem Weg.

19 Ein Papst aus Deutschland Am 2. April 2005 stirbt Papst Johannes Paul II. nach langer, schwerer Krankheit. Bei dem anschließenden Konklave gehört der 78-jährige Joseph Ratzinger trotz seines Alters zum Favoritenkreis. Aber der einflussreiche deutsche Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation gilt nicht nur als herausragender Rhetoriker, sondern auch als strenger Bewahrer konservativer Glaubenslehren – vielen Beobachtern stellt sich daher die Frage, ob er nicht zu sehr polarisiert, um die nötige Mehrheit der Papstwähler auf sich zu vereinen. Doch nach nur 26-stündigem Konklave steht Joseph Ratzinger als neuer Papst fest. Als Benedikt XVI. übernimmt er am 24. Mai 2005 das Amt des 265. Oberhaupts von 1,1 Milliarden Katholiken.

20 Spektakulärer Unfall von Niki Lauda Ein Jahr nachdem er zum ersten Mal die Formel-1-Weltmeisterschaft gewonnen hat, verunglückt der österreichische Rennfahrer Niki Lauda auf dem Nürburgring schwer. Unter bis heute nicht zweifelsfrei geklärten Umständen geht sein Rennwagen in Flammen auf; Lauda erleidet schwerste Verbrennungen. Er fällt ins Koma, erhält in der Klinik bereits die Sterbesakramente. Doch Lauda überlebt – und sitzt schon 42 Tage später wieder im Cockpit, wird mit blutenden Wunden und durch die verletzten Augenlider eingeschränkter Sicht Vierter in Monza. 1977 und 1984 wird er neuerlich Weltmeister.

Eva Enzinger

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