1969-2009 Vier spannende Jahrzehnte (Teil 4) - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

1969-2009

Vier spannende Jahrzehnte (Teil 4)

40 Jahre DAMALS sind Anlass zurückzublicken, nicht auf die Geschichte der Zeitschrift, sondern wie es sich für ein Geschichtsmagazin gehört auf die wichtigsten Ereignisse der vergangenen vier Jahrzehnte. Was war wichtig? Woran erinnern Sie sich besonders? Diese Frage stellen wir Ihnen insgesamt neunmal. Bis Ende August 2009 können Sie uns zudem eigene Vorschläge einreichen, was auf die Liste gehört. Nennen Sie uns aus der bis November vorgestellten Liste die drei Geschehnisse oder Errungenschaften, denen Sie persönlich besondere Bedeutung beimessen (Einsendeschluss ist der 19. November 2009). An: Redaktion DAMALS, z. Hd. Frau Stefanie Ahmann Ernst-Mey-Straße 8 70771 Leinfelden-Echterdingen oder: stefanie.ahmann@konradin.de Unter den Einsendern verlosen wir 100 Bücher.

Woran erinnern sie sich besonders?

31 Neue Freiheit in Europa Im Abkommen von Schengen (Luxemburg) vereinbaren die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg am 15. Juni 1985 den Verzicht auf Personenkontrollen an ihren gemeinsamen Grenzen. Heute erstreckt sich der Schengen-Raum auf 28 Länder – neben 25 Staaten der Europäischen Union gehören dazu auch die Schweiz, Norwegen und Island.

32 Brückenschlag über den Großen Belt 1998 wird die Storebælt-Brücke zwischen den dänischen Inseln Fünen und Seeland offiziell für den Verkehr freigegeben. Die 18 Kilometer breite Meerenge, die bis dahin nur mit Fähren hatte überwunden werden können, ist eine der wichtigsten Verkehrsadern Dänemarks. Der östliche Brückenabschnitt wird von einer Hängebrücke mit einer Hauptspannweite von 1624 Metern gebildet. Die Storebælt-Brücke ist die längste Hängebrücke Europas; weltweit wird sie nur von der Akashi-Kaikyo-Brücke in Japan (1990 Meter) und der Xihoumen-Brücke in China (1650 Meter) überboten.

33 Happening im Schlamm Es ist eigentlich nur ein Musikfestival in der US-amerikanischen Provinz, hinter dem banale finanzielle Interessen der Veranstalter stehen, das dank Regenwetters im Schlamm versinkt, wegen unzureichender sanitärer Einrichtungen mit katastrophalen hygienischen Zuständen aufwartet, wegen unerwartet großer Besuchermengen (400 000 statt der erwarteten 60 000) im Chaos endet und nicht einmal an dem Ort stattfindet, dem es seinen Namen verdankt, sondern im 50 Kilometer entfernten Bethel. Und doch steht „Woodstock“ für das Lebensgefühl einer ganzen Generation und gilt als Höhepunkt der Hippiebewegung. Vom 15. bis zum 18. August 1969 treten 32 Bands und Musiker unterschiedlicher Musikstile auf; darunter Größen wie Jimi Hendrix und Joan Baez.

Anzeige

34 Die Schweiz und das Nazi-Gold Bereits 1941 wussten die Schweizer Banken, dass unter den aus Deutschland erworbenen Goldbeständen auch „Raubgold“ war. Zu diesem Ergebnis kommt eine 1996 von der Bundesversammlung, (dem Schweizer Parlament), eingesetzte Expertenkommission. Das Gold, das die Berliner Reichsbank während des Zweiten Weltkriegs an die Schweizerische Nationalbank verkauft hat, stammte zwar auch aus Reserven der Bank, doch dazu kam Gold aus „Zwangsarisierungen“ und von Juden, denen es bei ihrer Deportation abgenommen worden war („Raubgold“). Die Schweiz zahlte zunächst in Escudos, die Deutschland benötigte, um in Portugal das kriegswichtige Schwermetall Wolfram zu kaufen. 1942 zog die Nationalbank sogar in Erwägung, die Goldbarren umzuschmelzen, um ihre Herkunft zu verschleiern. Noch am 13. April 1945 stimmte der Bundesrat dem Kauf von 3100 Kilogramm Gold der Reichsbankstelle Konstanz zu. Auch ein Teil des den ermordeten Juden abgenommenen „Totengolds“ (120 Kilogramm Feingold) wurde in die Schweiz transferiert.

35 Atomunglück in der Ukraine Am 26. April 1986 kommt es in dem Kernkraftwerk Tschernobyl als Folge einer Verkettung von Konstruktionsfehlern und der Missachtung von Vorschriften zu einem dramatischen Anstieg der Leistung: Die Kernschmelze tritt ein, Block 4 des Kraftwerks explodiert. Große Mengen radioaktiven Materials treten aus, gelangen in große Höhen und verbreiten sich als Wolken bis weit nach Westeuropa, wo sie als radioaktiver Regen niedergehen. Die Sowjetunion versucht zunächst, das Unglück geheimzuhalten, die erhöhte Strahlung wird jedoch im Ausland bald registriert. In der Folgezeit wird ein provisorischer Beton-Sarkophag um den Unglücksreaktor errichtet. Die genaue Zahl der durch den Unfall und seine Folgen getöteten Menschen ist umstritten.

36 Die Watergate-Affäre In der Nacht vom 16. auf den 17. Juni 1972 werden fünf Männer bei einem Einbruch im Washingtoner Watergate Building ertappt. Sie wollten in der Wahlkampfzentrale der Demokratischen Partei eine bereits installierte Abhöreinrichtung neu justieren. Die Festgenommenen sind ehemalige FBI- bzw. CIA-Agenten, einer davon ist Berater im Dienst des republikanischen US-Präsidenten Richard Nixon. Erst nach dessen Wiederwahl am 7. November 1972 sagen zwei am Einbruch Beteiligte vor Gericht aus, der Präsident habe von der Aktion gewusst. Immer mehr Fälle von Korruption, Vertuschung und Amtsmissbrauch werden aufgedeckt, auch dank der investigativen Berichterstattung der Medien. Schließlich kommt Nixon einem Amtsenthebungsverfahren nur durch seinen Rücktritt am 9. August 1974 zuvor.

37 Gründung der Grünen Am 13. Januar 1980 werden die deutschen Grünen als Bundespartei gegründet. Der Name ist Programm: Umweltschutz steht an zentraler Stelle, dazu kommen soziale Themen, Gewaltfreiheit, Gleichstellung der Geschlechter und basisdemokratische Parteistrukturen. 1983 zieht die Partei erstmals in den Bundestag ein. 1993 fusionieren die Grünen mit dem aus DDR-Bürgerbewegungen hervorgegangenen Bündnis 90. Zwischen 1998 und 2005 übernimmt die Partei in Koalition mit der SPD erstmals Regierungsverantwortung auf Bundesebene. In Österreich entsteht 1986 im Gefolge der Proteste gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf die Partei „Die Grünen – Die grüne Alternative“. Aufsehen erregen diese zunächst durch ihren Widerstand gegen herkömmliche Parteiregeln – so dient ihnen in Nationalratssitzungen eine Strohpuppe als Klubobmann (Fraktionsvorsitzender). Die Grüne Partei der Schweiz wird am 28. Mai 1983 gegründet. Ihr gehören 20 Gruppierungen aus 17 Kantonen an. Im Nationalrat sind sie aktuell mit 20 Abgeordneten vertreten.

38 Das Ende des Kalten Kriegs Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs teilt der „Eiserne Vorhang“ Europa. Im geteilten Deutschland wird die Berliner Mauer zum sichtbaren Symbol für den Konflikt der Ideologien und Systeme. Der Wandel der Sowjet-Politik unter Michail Gorbatschow, der im März 1985 Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU wird, macht Hoffnung auf ein Ende der Eiszeit. Ende des Jahrzehnts erstarken die Bürgerbewegungen im ganzen Ostblock.

1989 wird zum Jahr des politischen Umbruchs in Osteuropa. In der DDR wird die Staats- und Parteiführung durch die anhaltende Republikflucht vor allem seit der Öffnung der Grenze zwischen Ungarn und Österreich sowie durch die wachsende Bürgerbewegung unter Druck gesetzt. In einer Fernsehübertragung erklärt Politbüromitglied Günter Schabowski am 9. November 1989 die sofortige Ausreise für möglich; daraufhin stürmen Tausende DDR-Bürger die Berliner Grenzübergänge. Der Zusammenbruch der DDR ist nicht mehr aufzuhalten. Am 3. Oktober 1990 folgt die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Auch in den anderen Ostblockstaaten ist die Zeit der kommu‧nistischen Regime abgelaufen. 1991 folgen die Auflösung des Warschauer Pakts und der Sowjetunion.

39 Tübkes Welttheater Im Zuge des Bemühens der SED, dem „ersten sozialistischen deutschen Staat“ historische Legitimität und Zwangsläufigkeit zu verleihen, wird der Thüringer Thomas Müntzer, Anführer in den Bauernkriegen 1524/25, in den 1970er Jahren zum wichtigsten deutschen Frührevolutionär stilisiert und mit einem monumentalen Panoramabild über den Bauernkrieg geehrt. Mit der Umsetzung betraut das DDR-Kulturministerium den renommierten Künstler und Rektor der Leipziger Kunsthochschule Werner Tübke. 1982 wird die in einem Stück gewebte, 123 Meter lange und 14 Meter hohe Leinwand aufgespannt. Über 3 000 bis zu drei Meter große Figuren gestalten Tübke und fünf Mitarbeiter in den nächsten Jahren auf der 1722 Quadratmeter großen Fläche. Dargestellt werden der Bauernkrieg, aber auch Szenen aus anderen Epochen sowie Allegorien auf Grund‧fragen der menschlichen Existenz – ein Panorama der Renaissance im Stil eines teatrum mundi.

40 Ein Pole wird Papst Mit der Wahl von Karol Wojty la zum Papst besteigt am 16. Oktober 1978 erstmals nach über 450 Jahren wieder ein Nicht-Italiener den Stuhl Petri. Als Johannes Paul II. verfolgt er innerkirchlich einen konservativen Kurs, der einhergeht mit einer Stärkung der römischen Zentrale. Am politischen Wandel in seinem Heimatland Polen wird ihm ein erheblicher Anteil zugemessen.

Eva Enzinger

Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Gstanzl  〈n. 28; bair.–österr.; Mus.〉 = Gstanzel

Clus|ter  〈[kls–] m. 3〉 1 〈IT〉 aus mehreren Rechnern bestehendes Netzwerk 2 〈Mus.〉 flächenhafter Klang (durch übereinandergeschichtete Intervalle) ... mehr

ver|schrei|ben  〈V. 226; hat〉 I 〈V. t.〉 1 etwas ~ beim Schreiben verbrauchen (Papier) 2 jmdm. etwas ~ 2.1 ein Rezept über etwas für jmdn. ausstellen ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige