1969-2009 Vier spannende Jahrzehnte (Teil 8) - wissenschaft.de
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1969-2009

Vier spannende Jahrzehnte (Teil 8)

40 Jahre DAMALS sind Anlass zurückzublicken, nicht auf die Geschichte der Zeitschrift, sondern wie es sich für ein Geschichtsmagazin gehört auf die wichtigsten Ereignisse der vergangenen vier Jahrzehnte. Was war wichtig? Woran erinnern Sie sich besonders? Diese Frage stellen wir Ihnen insgesamt neunmal. Bis Ende August 2009 können Sie uns zudem eigene Vorschläge einreichen, was auf die Liste gehört. Nennen Sie uns aus der bis November vorgestellten Liste die drei Geschehnisse oder Errungenschaften, denen Sie persönlich besondere Bedeutung beimessen (Einsendeschluss ist der 19. November 2009). An: Redaktion DAMALS, z. Hd. Frau Stefanie Ahmann Ernst-Mey-Straße 8 70771 Leinfelden-Echterdingen oder: stefanie.ahmann@konradin.de Unter den Einsendern verlosen wir 100 Bücher.

Woran erinnern Sie sich besonders?

67 Wehrmachtsausstellung

Die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 –1944“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung zieht zwischen 1995 und 1999 rund 900000 Besucher an. In der Ausstellung werden die Verstrickung der deutschen Wehrmacht in den nationalsozialistischen Vernichtungskrieg und die aktive Beteili‧gung von Wehrmachtssoldaten am Holocaust insbesondere in Osteuropa dargestellt. Das brisante Thema löst neben einer breiten Debatte über die Rolle der Wehrmacht in der NS-Zeit heftige Kontroversen über Inhalt und Form der Ausstellung aus. Deren Gegner werfen den Machern pauschale Diffamierung aller Wehrmachtssoldaten und Geschichtsfälschung vor, während Befürworter eine längst überfällige Auseinandersetzung mit einem bislang dunklen Kapitel der NS-Geschichte begrüßen. Die Ausstellung wird 1999 vorläufig eingestellt und von einer Historikerkommission untersucht. Diese kritisiert Ungenauigkeiten und Pauschalisierungen sowie einige Fehler in der Dokumentation, bestätigt aber die Grundaussage der Ausstellung.

68 Ölkrise 1973

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Die Abhängigkeit der Industriestaaten von fossiler Energie wird im Herbst 1973 dramatisch deutlich: Aus Protest gegen die Politik einiger erdölimportierender Länder im Jom-Kippur-Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten Syrien und Ägypten drosseln die OPEC-Länder ihre Fördermengen – der Weltölpreis steigt in der Folge drastisch an. Die Bundesrepublik verhängt daraufhin Sonntagsfahrverbote und führt neue Geschwindigkeitsbegrenzungen ein. Österreich führt einen autofreien Tag pro Woche ein und verordnet allen Arbeitnehmern eine Woche Zusatzferien im Februar 1974. Der steigende Ölpreis verschärft die Wirtschaftskrise, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, Insolvenzen und steigende Sozialausgaben sind die Folge. Im Gefolge der Krise rücken Entwicklung und Ausbau alternativer Energieformen und energiesparendes Verhalten immer mehr in den Blickpunkt.

69 Militärputsch in Chile

Massive wirtschaftliche Probleme und politische Konflikte lösen in Chile Anfang der 1970er Jahre bürgerkriegsähnliche Unruhen aus. Parlamentswahlen im März 1973 bringen deutliche Verluste für den amtierenden sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Am 11. September 1973 putscht das Militär unter dem von Allende kurz zuvor zum Oberbefehlshaber ernannten Augusto Pinochet. 1974 wird Pinochet ohne Wahl formell zum Staatspräsidenten ernannt. Während seiner bis 1990 währenden Herrschaft werden die Bürgerrechte eingeschränkt, Oppositionelle verfolgt, gefoltert, verschleppt. Offiziell wird die Zahl der Ermordeten oder unauffindbar Verschwundenen mit 3 200 Personen angegeben.

70 Solschenizyn im Exil

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wird der Schriftsteller Alexander Solschenizyn (1918– 2008) wegen unliebsamer politischer Äußerungen verhaftet und in einem sowjetischen Arbeitslager interniert; zwischen 1953 und 1957 ist er nach Sibirien verbannt. Nach kurzzeitiger Rehabilitation kommt es neuerlich zu Konflikten; er erhält ein Publikationsverbot und wird 1969 aus dem sowjetischen Schriftstellerverband ausgeschlossen. 1970 darf er nicht ausreisen, um den Literaturnobelpreis entgegenzunehmen, der ihm „für die ethische Kraft, mit der er die unveräußerliche Tradition der russischen Literatur weitergeführt hat“, verliehen wurde. 1973 erscheint in Paris Solschenizyns bedeutendstes Werk: In „Archipel GULag“ stellt er in monumentaler Weise und versehen mit autobio‧graphischen Elementen die politische Verfolgung in der Sowjetunion zwischen 1918 und 1956 dar. Das Werk erntet internationale Anerkennung – und kostet ihn die Heimat: 1974 wird er aus der UdSSR ausgewiesen.

71 NATO-Doppelbeschluss

Nach einer Phase der Entspannung verschärft sich der Kalte Krieg Ende der 1970er Jahre. Auslöser ist der Austausch der auf Westeuropa gerichteten sowjetischen atomaren Mittelstreckenraketen durch modernere und effizientere Systeme. Am 12. Dezember 1979 verabschieden die NATO-Mitgliedsstaaten in Brüssel den NATO-Doppelbeschluss: Danach werden zunächst Verhandlungen mit der UdSSR über eine Begrenzung der Waffensysteme angestrebt; sollten diese jedoch scheitern, wollen auch die USA von 1983 an ihre in Europa stationierten Raketensysteme modernisieren, unter anderem mit der Aufstellung von 108 Pershing-II-Raketen. Der Beschluss löst in ganz Westeuropa Proteste aus. Die im November 1981 beginnenden Abrüstungsverhandlungen bleiben ergebnislos. Am 22. November 1983 stimmt der Bundestag daher der Stationierung weiterer US-Raketen in der Bundesrepublik zu.

72 Rückgabe Hongkongs

Seit 1841 war Hongkong in britischer Hand, darüber hinaus pachtete Groß‧britannien am 1. Juli 1898 die Gebiete („New Territories“) und 235 Inseln rund um die Stadt auf die Dauer von 99 Jahren. Die Kronkolonie wurde wichtigster asiatischer Stützpunkt des Empire. Das Näherrücken des Rückgabetermins für die „New Territories“ macht in den 1980er Jahren eine endgültige Lösung für die ohne diese Gebiete nicht lebensfähige Metropole notwendig. 1984 beschließen Großbritannien und China, dass Hongkong am 1. Juli 1997 im Ganzen an China zurückgegeben wird, womit China über Hongkongs gewaltige Finanzkraft verfügt, während sich der Metropole ein neuer, riesiger Absatz- und Arbeitskräftemarkt erschließt. Als Sonderwirtschaftszone und „Special Administration Area“ behält es aber mindestens 50 Jahre das britische Wirtschafts-, Verwaltungs- und Rechtssystem bei; nur über die Außen- und Sicherheitspolitik bestimmt China.

73 Kyoto-Protokoll

Der sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend abzeichnende globale Klimawandel macht die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit immer deutlicher, um die Risiken für den Menschen und seine Umwelt zu verringern. 1997 werden in Kyoto bei der 3. internationalen Klimakonferenz erstmals völkerrechtlich verbindliche und klar terminierte Ziele und Vorgaben für den globalen Klimaschutz festgesetzt. Das Kyoto-Protokoll enthält die verbindliche Selbstverpflichtung der teilnehmenden Industriestaaten, bis 2012 ihre Emissionen von Treibhausgasen um 5,2 Prozent unter den Ausstoß im Jahr 1990 zu senken.

74 11. September 2001

Am 11. September 2001 prallt um 8.46 Uhr Ortszeit ein Verkehrsflugzeug in den Nordturm des World Trade Center in New York. 17 Minuten später rast ein zweites Flugzeug in den Südturm, ein drittes um 9.37 Uhr in das Pentagon in Washington. Ein viertes Flugzeug stürzt um 10.03 Uhr bei Shanksville in Pennsylvania ab. Die Maschinen sind von Selbstmordattentätern entführt worden. 56 Minuten nach dem Einschlag stürzt der Südturm, eine halbe Stunde später der Nordturm des World Trade Center ein. Auch im Pentagon kommt es zu schweren Schäden. Insgesamt sterben über 3 000 Menschen. Die Attentäter können bald identifiziert werden: 19 überwiegend saudi-arabische Islamisten. Hinter den Attentätern steht die Terrororganisation al-Qaida.

Einen Tag nach den Anschlägen ruft die NATO erstmals in ihrer Geschichte den Bündnisfall aus. Am 20. September kündigt US-Präsident Bush einen „Krieg gegen den Terror“ an, sofern Afghanistan nicht den dort vermuteten Anführer von al-Qaida, Osama bin Laden, ausliefert. Nachdem die Taliban dies verweigern, beginnen am 7. Oktober die Kampfhandlungen in Afghanistan, die Ende 2001 zur Besetzung des Landes und zum Sturz des Taliban-Regimes führen.

Eva Enzinger

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