40 Jahre DAMALS: 1969-2009 Vier spannende Jahrzehnte - wissenschaft.de
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40 Jahre DAMALS: 1969-2009

Vier spannende Jahrzehnte

Letzte Folge unserer Serie zu den wichtigsten Ereignissen der vergangenen vier Jahrzehnte. Nun sind Sie an der Reihe: Was hatte für Sie die größte Bedeutung von den vorgestellten Ereignissen?

Die Ereignisse des aktuellen Hefts:

75 Die Ermordung Aldo Moros Er will – auch indem er die Kommunisten einbindet – die politisch-demokratischen Kräfte Italiens einigen, die immer weiter auseinanderdriften. Diese Politik des christdemokratischen Spitzenpolitikers und Regierungschefs (1963 –1968, 1974 –1976) Aldo Moro stößt auf heftige Kritik. Auch deshalb wirft, was am 16. März 1978 in Rom geschieht, bis heute Fragen auf. Auf dem Weg zum Abgeordnetenhaus zerren Terroristen der „Roten Brigaden“ Moro mit Waffengewalt aus seinem Auto und entführen ihn. Mehrere seiner Begleiter sterben. Die linksradikalen Terroristen, auf deren Konto in den 70er Jahren viele Attentate gehen, fordern die Freilassung inhaftierter Gleichgesinnter. Die Regierung unter Giulio Andreotti (ebenfalls Democrazia Cristiana) lehnt ab. In einer der größten Polizeiaktionen Italiens suchen 500 000 Polizisten nach Moro – vergeblich. 55 Tage nach seiner Entführung wird Aldo Moro ermordet im Kofferraum eines Autos gefunden. Sein Mörder wird zu sechsmal lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt. Bis heute ist der Fall nicht völlig geklärt und bietet Raum für Spekulationen.

76 Kampf um die Falklands Seit Großbritannien 1833 die Hoheit über die Falkland-Inseln wiederhergestellt hat, beansprucht auch Argentinien die vor seiner Küste liegende Inselgruppe. 1981 geht das südamerikanische Land in die Offensive, droht auch militärische Schritte an. Als Verhandlungen scheitern, besetzt Argentinien die Inseln am 2. April in einer Blitzaktion mit rund 5 000 Soldaten. Die innenpolitisch motivierte Aktion – die Bevölkerung soll von dem wachsenden Protest gegen die Politik der rechtsgerichteten Militärjunta und ihre Gewalttaten abgelenkt werden – ist zunächst erfolgreich: Verstärkt durch ein durchweg positives Medienecho, kommt es zu patriotischen Manifestationen. Doch die Militärregierung unterschätzt die britische Premierministerin Margaret Thatcher. Großbritannien pocht auf das Selbstbe‧stimmungsrecht der weitgehend britischstämmigen Bevölkerung. Vermittlungsversuche der UNO scheitern. Eine Flotte britischer Schlachtschiffe und ein Flugzeugträger werden zu den Falklands entsandt. Die britische Armee kann die hoffnungslos unterlegenen Argentinier in kürzester Zeit besiegen. Nach 74 Tagen ist der Krieg vorbei, Argentiniens Truppen kapitulieren bedingungslos, das Land versinkt in Depression. Der Krieg kostet 649 Argentinier und 255 Briten das Leben.

77 Zweite Intifada Mit dem Vertrag von Oslo, der den Nahost-Friedensprozess einleiten soll, endet 1993 die erste Intifada („Erhebung“) der Palästinenser gegen Israel. Doch die Friedensgespräche scheitern. Im Juli 2000 endet ein Treffen zwischen Ehud Barak und Jassir Arafat (Camp David II; Gastgeber ist Bill Clinton) ergebnislos. Im September desselben Jahres eskalieren die Spannungen. Auslöser ist ein angekündigter Besuch des israelischen Oppositionspolitikers Ariel Scharon, der von rund 1000 Polizisten begleitet wird, auf dem unter arabischer Verwaltung stehenden Tempelberg in der Altstadt Jerusalems. Am nächsten Tag, dem 29. September, setzen gewaltsame Proteste von Palästinensern ein. In der Folge eines massiven Polizeieinsatzes mit Toten und Verletzten rufen palästinensische Organisationen die zweite Intifada aus. Kontrovers wird diskutiert, ob die palästinensische Politik die heftige israelische Intervention einkalkuliert haben könnte. Im Unterschied zur ersten Intifada geben Untergrundgruppen in der zweiten schnell den Ton an. Die Zahl der Anschläge schnellt in die Höhe. Haben vor 2001 nur die Hamas und der Islamische Dschihad Selbstmordattentate verübt, so geht nun rund ein Drittel auf das Konto von Arafats Al-Aksa-Brigaden. Die israelische Armee antwortet mit harten Aktionen. Erschüttert verfolgt die Welt Grausamkeiten beider Seiten. Für zusätzliches Konfliktpotential sorgt der Bau einer Sperranlage zum Westjordanland. Tausende Israelis und Palästinenser verlieren ihr Leben, bevor sich Ministerpräsi‧dent Ariel Scharon und der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas 2005 auf einen Waffenstillstand einigen.

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78 Michail Gorbatschow wird Generalsekretär der KPdSU „Perestroika“ und „Glasnost“ – seit der erst 54-jährige Michail Gorbatschow im März 1985 Generalsekretär der sowjetischen Einheitspartei geworden ist, ist in der UdSSR und bald auch in weiteren Teilen des Ostblocks die Rede von „Umbau“ und „Transparenz“. Seine Forderung nach Reformen – unabdingbar angesichts der maroden Staatsfinanzen, des überbordenden Bürokratismus, extremer Verschleuderung von Ressourcen und einer wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung – leitet eine neue Ära ein. Eine Ära, die zum Zerfall der UdSSR und des Warschauer Pakts führt. Das war zwar keineswegs intendiert, doch Gorbatschow verzichtet auf den Einsatz von Gewalt und ermöglicht den Weg in die Freiheit.

79 Berlusconi wird Premierminister „Machiavelli aus Zelluloid“– so tituliert ihn die „Zeit“ im Frühjahr 1994. Silvio Berlusconi, einer der reichsten Männer Italiens, beherrscht einen großen Teil der Fernsehlandschaft, besitzt Verlage, Werbeagenturen, Versicherungen, Baufirmen, Kaufhäuser – und ist alles andere als unumstritten. Als seiner Stellung in der Medienwelt Einschnitte seitens der Politik drohen, gründet Berlusconi 1983 eine ganz auf ihn zugeschnittene Partei, die Forza Italia. Im Wahlkampf 1994 entfaltet er dank multimedialer Omnipräsenz meisterhaft alle Möglichkeiten der Selbstinszenierung – und Forza Italia gewinnt die Wahlen. Berlusconi wird zum ersten Mal italienischer Regierungschef.

80 Peymann Chef am Burgtheater Am Ende wird er 13 Jahre lang bleiben und in dieser Zeit viel Kritik, aber auch Be‧geisterung ernten: Claus Peymann, streitbarer und umstrittener Theaterintendant und Regisseur. Nach Intendanzen in Stuttgart und Bochum tritt er am 1. September 1986 sein Amt als Direktor am Wiener Burgtheater an. Seine provo‧kanten Inszenierungen klassischer wie moderner Werke (etwa von Peter Handke und Thomas Bernhard) sorgen häufig für Skandale; die Aufführung von Bernhards österreichkritischem Stück „Heldenplatz“ gilt 1988 gar als Staatsaffäre. Konflikte gibt es auch zwischen Peymann und einigen Schauspielern. Manche der auf Lebenszeit bestallten Burgschauspieler erhalten nur Nebenrollen; manch renommierter Künstler weigert sich, in Peymanns Inszenierungen aufzutreten.

Hier alle Ereignisse im Überblick.

1 Volljährig mit 18 2 Das Opernhaus von Sydney 3 Willy Brandts „neue Ostpolitik“ 4 Ehrung für Max Frisch 5 Atomkraft – Nein danke! 6 Jahrhundertflut 7 „Deutscher Herbst“ 8 Die digitale Revolution 9 Die Waldheim-Affäre 10 Becker siegt in Wimbledon 11 Die erste Mondlandung 12 Wahlrecht für Schweizer Frauen 13 Fund aus der Vorzeit: der „Ötzi“ 14 Bundesrepublik und DDR in der UNO 15 Eurotunnel wird eröffnet 16 Die „Hitler-Tagebücher“ 17 John Lennon wird ermordet 18 Das erste „Retortenbaby“ 19 Ein Papst aus Deutschland 20 Spektakulärer Unfall von Niki Lauda 21 Thatcher wird Premierministerin 22 Wolf Biermann wird ausgebürgert 23 Chemieunfall in Seveso 24 Eine Währung für Europa 25 „Schindlers Liste“ 26 Guggenheim-Museum in Bilbao 27 Helmut Kohl wird Bundeskanzler 28 „Olympia-Attentat“ in München 29 FPÖ regiert in Österreich mit 30 Massaker in Peking 31 Neue Freiheit in Europa (Schengen) 32 Brückenschlag über den Großen Belt 33 Happening im Schlamm (Woodstock) 34 Die Schweiz und das Nazi-Gold 35 Atomunglück in der Ukraine 36 Die Watergate-Affäre 37 Gründung der Grünen 38 Ende Kalter Krieg / Wiedervereinigung 39 Tübkes Welttheater 40 Ein Pole wird Papst 41 Willy Brandts Kniefall in Warschau 42 Nobelpreis für Milton Friedman 43 Ende des Vietnam-Kriegs 44 Geiseldrama von Gladbeck 45 Gründung der Solidarno sc 46 Der Siegeszug des Heimcomputers 47 Völkermord in Ruanda 48 Freiheit für Nelson Mandela 49 Neues Staatsangehörigkeitsgesetz 50 Sadats Besuch in Jerusalem 51 Die erste „EMMA“ 52 Affäre um Parteispenden 53 Norddeutschland im Schneechaos 54 Jüngster Kanton der Schweiz (Jura) 55 Siegeszug der leichten Flaschen (PET) 56 Putschversuch in Spanien 57 Streit um § 175 und § 218 58 Geiselnahme in Wien (OPEC) 59 Der Name der Rose 60 Der Historikerstreit 61 Taliban übernehmen die Macht 62 „Dolly“ – das geklonte Schaf 63 Berlin wird Regierungssitz 64 Tsunami-Katastrophe in Asien 65 Unruhen in den Pariser Vororten 66 Fatwa gegen Salman Rushdie 67 Wehrmachtsausstellung 68 Ölkrise 1973 69 Militärputsch in Chile 70 Solschenizyn im Exil 71 NATO-Doppelbeschluss 72 Rückgabe Hongkongs 73 Kyoto-Protokoll 74 11. September 2001 75 Die Ermordung Aldo Moros 76 Kampf um die Falklands 77 Zweite Intifada 78 Gorbatschow wird Generalsekretär 79 Berlusconi wird Premierminister 80 Peymann Chef am Burgtheater

Was war für Sie das wichtigste, das bewegendste, das einschneidendste, das traurigste Ereignis der vergangenen vier Jahrzehnte. Wählen Sie aus unserer Liste Ihre drei Favoriten! Unter den Einsendern verlosen wir 100 Buchgewinne. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Bitte senden Sie Ihre Favoriten bis spätestens 19. November an:

stefanie.ahmann@konradin.de

Eva Enzinger

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