Ein Rundgang durch diue Kulturen Jordaniens Vom ersten Großdorf zum frühislamischen Wüstenschloß - wissenschaft.de
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Ein Rundgang durch diue Kulturen Jordaniens

Vom ersten Großdorf zum frühislamischen Wüstenschloß

Kultur und Geschichte Jordaniens reichen viele Jahrtausende zurück und sind durch vielfältige Einflüsse geprägt. Ein Rundgang durch die Ausgrabungen kann folglich nur eine kleine Auswahl vorstellen.

Baja – ein 9000 Jahre altes Großdorf im Süden Jordaniens In der felsigen und zerklüfteten Landschaft Südjordaniens liegt nahezu unzugänglich in 1100 Metern Höhe Baja, eine der ersten Großsiedlungen der Menschheit. Das sich zu einer tiefen Schlucht hin absenkende Hochplateau bot nur wenig Raum für Häuser, daher ist die Bebauung sehr dicht; bis zu dreistöckige Gebäude, die jeweils Platz für eine Großfamilie boten, sind eng aneinander gebaut, die Eingänge waren über Leitern vom Dach aus erreichbar. Auch sonst spielte sich ein Großteil des täglichen Lebens auf den Dächern ab, die Platz zum Wohnen und Arbeiten boten.

Die Menschen von Baja gehörten zu den frühen Seßhaften. Sie bauten bereits Kulturgetreide an und züchteten Ziegen und Schafe. Spezialisten stellten Schmuck und Sandsteinringe her, mit denen Handel bis in weiter entfernte Regionen getrieben wurde.

Ökologischer Raubbau führte nach einigen Jahrhunderten zur Aufgabe der kleinen, vermutlich zu dicht bevölkerten Siedlung: Der hohe Bedarf an Holzkohle, die zum Brennen von Kalk für den Häuserbau nötig war, führte zu einem übermäßigen Abholzen der Wälder und zur Erosion des Bodens, der bei Regen weggeschwemmt wurde. Quellen versiegten, Ackerboden wurde durch Monokulturen ausgelaugt. Der dadurch entstehende Wasser- und Nahrungsmittelmangel zwang die Bewohner zu Beginn des 7. Jahrtausends, Baja aufzugeben. Seit 1997 wird das 1983 entdeckte Baja unter der Leitung von Hans Georg Gebel (Institut für Vorderasiatische Altertumskunde, Freie Universität Berlin) durch Grabungen und Oberflächensurveys untersucht (http://www.ex-oriente.de/ausgrabung.htm).

In Jordanien gibt es einige weitere jungsteinzeitliche Siedlungen, die für Besucher etwas leichter zugänglich sind: Nicht weit von Baja entfernt wurden die Orte Basta und Beidha ausgegraben. In der Nähe Ammans liegt Ain Ghazal, das vor allem als Fundort von zwei Gruppen großformatiger Menschenbilder aus Lehmgips bekannt ist.

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Frühe Metallurgen Ganz im Süden Jordaniens, am Roten Meer in der Nähe des Golfs von Aqaba, gräbt seit 1998 ein Team der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) Ber-lin in Kooperation mit der Jordan University Amman (Leitung: Klaus Schmidt und Lutfi Khalil) einen Siedlungshügel aus, der während der späten Kupfersteinzeit und der frühen Bronzezeit im 4. Jahrtausend v. Chr. bewohnt war (http://www.dainst.org).

Die Menschen in Hujayrat al-Ghuzlan betrieben eine frühe Form der Anfang des 4. Jahrtausends einsetzenden Metallurgie. Davon zeugen die zahlreichen in den Wohnhäusern gefundenen Schmelztiegel, Gußformen sowie Reste von Kupferschlacke. Das seltene Auftreten von Endprodukten metallurgischer Arbeit (bisher sind nur ganz vereinzelte Stücke belegt) deutet darauf hin, daß das Kupfererz hier meist zur Weiterverarbeitung aufbereitet und dann exportiert wurde. Funde aus Hujayrat belegen, daß Handelsbeziehungen bis nach Ägypten bestanden.

Einzigartig sind die in die Lehmwände eines Hauses eingedrückten Wandbilder, auf denen verschiedene Tiere und Menschen dargestellt sind. Das in Hujayrat al-Ghuzlan verarbeitete Kupfererz stammt aus Timna in Israel. Entsprechende Kupfererzvorkommen gibt es aber auch in dem südöstlich des Toten Meeres auf jordanischer Seite gelegenen Wadi Feinan. Hier erkundet das Bergbau-Museum Bochum (Projektleiter: Andreas Hauptmann) seit den 80er Jahren die Frühgeschichte der Metallurgie zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen (http://www.bergbaumuseum.de).

Bereits in der Kupfersteinzeit wurde das Kupfererz in flachen Gruben abgebaut. In der Frühbronzezeit begann man tiefe Schächte anzulegen und auf Kuppen und Anhöhen Öfen zu bauen, in denen mit Hilfe des Windes höhere Temperaturen zum Ausschmelzen des Kupfererzes erreicht wurden. Von der Ausbeutung der Kupfererzvorkommen und der gesteigerten Schmelztätigkeit künden noch heute riesige Schlackehalden. Allein aus der Frühbronzezeit im 3. Jahrtausend stammen gut 1000 Tonnen Schlacke. Der Betrieb der zahlreichen Windöfen führte früh zu einer massiven Abholzung und in der Folge zu starken Umweltschäden – aus der vielfältigen Vegetation des Wadi Feinan wurde im Lauf der Jahrhunderte eine karge Wüstenlandschaft.

Nadine Riedl

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