Trier in der Spätantike Vom Glück überaus begünstigt - wissenschaft.de
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Trier in der Spätantike

Vom Glück überaus begünstigt

In seiner Blütezeit hatte das römische Trier um die 60000 Einwohner, der Circus der Stadt wetteiferte mit dem Circus Maximus in Rom, prachtvolle Bauten zeugten von kaiserlichem Glanz.

Unmittelbar nachdem die Truppen seines Vaters ihn in Eburacum (York) zum Kaiser ausgerufen hatten, setzte Konstantin nach Gallien über. Er wollte sich Triers bemächtigen, der gallischen Residenz, und damit Anspruch auf den von seinem Vater beherrschten Reichsteil erheben. Bis 316 blieb die Stadt an der Mosel seine wichtigste Residenz. Hier nahm er vermutlich Fausta zur Frau und fand Anerkennung als Augustus. Von Trier aus sicherte Konstantin die Rheingrenze. Und hier bereitete er schließlich seinen Zug nach Rom vor, der ihm die Herrschaft über den gesamten Westen des Reichs eintrug.

Zu diesem Zeitpunkt blickte das römische Trier auf eine über 300-jährige Geschichte zurück. Die Stadt wurde unter Augustus (27 v.Chr.  – 14 n.Chr.) im Gebiet der gallischen Treverer gegründet. Die Gründung stand in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ausbau des römischen Fernstraßennetzes. Eine der wichtigsten Routen führte vom Mittelmeer entlang der Rhône und der Mosel zum Rhein und passierte das Gebiet der Treverer. Um 18/17 v.Chr. schlugen die Römer in der Trierer Talweite eine erste hölzerne Brücke über die Mosel und errichteten eine anfangs wohl bescheidene Siedlung. Ihr offizieller Name war Augusta Treverorum (Augustusstadt der Treverer).

Bereits nach wenigen Jahrzehnten bezeichnete der römische Geograph Pomponius Mela Trier aber bereits als „äußerst blühende Stadt“ (urbs opulentissima). Im 2. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung merklich. Man weitete die Wohnviertel aus und umschloss das Stadtgebiet schließlich mit einer über sechs Kilometer langen, mit Türmen und repräsentativen Toranlagen versehenen Mauer. Die Porta Nigra, das einstige Haupttor im Norden, ist noch heute das Wahrzeichen der Stadt. Grund für den Mauerbau mag die zunehmende Bedrohung durch Germanenstämme jenseits des Rheins gewesen sein, doch war die repräsentative Mauer auch Ausdruck des Bürgerstolzes, der den Einwohnern dieser reichen Handelsstadt zu eigen war.

In jenen Jahren wurde mit den Barbara-Thermen eine gewaltige Badeanlage gebaut, zu ihrer Zeit nur übertroffen von den großen Thermenanlagen des Trajan in Rom. Der Unterhaltung dienten ein Circus für die Pferderennen und das Amphitheater, in dem Tierhatzen und Gladiatorenkämpfe veranstaltet wurden. Die ursprüngliche Holzbrücke hatte man längst durch einen Neubau mit massiven Steinpfeilern und einer hölzernen Fahrbahn ersetzt.

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Grundlage für den schnellen wirtschaftlichen Aufstieg Triers war neben der verkehrstechnisch günstigen Lage die Landwirtschaft. Man baute in großem Umfang Wein und Getreide an. Auch die Tuch‧herstellung besaß große Bedeutung. Das pfeilerartige Grabmal der Secundinii aus der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts (heute besser bekannt als Igeler Säule) kündet vom Wohlstand einer Unternehmerfamilie, die ihr Vermögen im Textilgewerbe erworben hatte. Trier war aber gleichzeitig auch das Stammeszentrum der civitas Treverorum. Spätestens im 3. Jahrhundert avancierte die Stadt sogar anstelle von Reims zur Hauptstadt der Provinz Belgica…

Literatur: Gabriele Clemens/Lukas Clemens: Geschichte der Stadt Trier, München 2007.

Dr. Ralf Grüßinger

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