Katholische Orden – eine Übersicht Von A wie Augustiner bis Z wie Zisterzienser - wissenschaft.de
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Katholische Orden – eine Übersicht

Von A wie Augustiner bis Z wie Zisterzienser

Wer sich mit katholischen Orden befaßt, stößt auf eine fast unüberschaubare Vielzahl von Gemeinschaften, Regeln und Lebensweisen. Der Beitrag soll ein wenig Licht in das Dickicht bringen.

Benediktiner Auf die längste Tradition blicken jene Orden zurück, die sich auf den heiligen Benedikt und dessen Regel (siehe Seite 14) berufen, die sich im 9. Jahrhundert als Maßstab für das mönchische Leben in ganz Europa durchgesetzt hat. Im Zentrum des benediktinischen Lebens steht der Grundsatz „Ora et labora“, die ausgewogene Einteilung des Alltags in Gebet und Arbeit. Auch heute leben noch mehrere katholische Orden nach dieser Regel. Dies sind zunächst natürlich die Benediktiner selbst (Ordo Sancti Benedicti, OSB). Im deutschen Sprachraum zählt der Orden 1500 Mönche, weltweit sind es rund 8000 in 335 Klöstern. Dazu kommen noch einmal etwa 16000 Nonnen. Das Ordensgewand der Benediktiner besteht aus einer schwarzen Tunika, die mit einem Ledergürtel zusammengehalten wird, und einem ebenfalls schwarzen Überwurf. Aus Reformansätzen des benediktinischen Mönchtums heraus entstanden neue Orden, vor allem die Zisterzienser (Sacer Ordo Cisterciensis, OCIst, siehe DAMALS 5/03), die das benediktinische Ideal mit größerer Strenge und Einfachheit verwirklichen wollten. Das Ordensgewand der Zisterzienser ist weiß mit einem schwarzen Überwurf. Seine größte Blütezeit hatte der Orden im Mittelalter, heute gibt es noch rund 1300 Mönche und etwa 1500 Nonnen. Den meisten mönchischen Reformen ist ein Trend zu größerer Strenge eigen. Diese Entwicklung führte 1902 zur Abspaltung der Zisterzienser von der strengen Observanz (Ordo Cisterciensis Strictioris Observantiae, OCSO). Im allgemeinen werden diese „strengen Zisterzienser“ nach ihrem Mutterkloster La Trappe als Trappisten bezeichnet. Auch das Mutterkloster des Zisterzienserordens, Citeaux, gehört heute zu den Zisterziensern der strengen Observanz. Die Trappisten leben kontemplativ, ja in nahezu völliger Einsamkeit, das benediktinische Schweigegebot wird von ihnen äußerst strikt befolgt. In Deutschland gibt es nur ein Trappistenkloster, die Abtei Mariawald in Heimbach (Eifel), in Österreich gehört das Stift Engelszell in Engelhartszell zu den Zisterziensern von der strengen Observanz. Weltweit gibt es 2500 Trappistenmönche und 1800 Nonnen. Von dem in den letzten Jahrzehnten bei fast allen Orden zu verzeichnenden Rückgang sind die Trappisten weniger betroffen als andere religiöse Gemeinschaften. Zu diesen größeren Orden, die nach der Benediktinerregel leben, kommen noch einige kleinere Gemeinschaften hinzu, wie etwa die um 1000 gegründeten Kamaldulenser (benannt nach dem Mutterkloster Camaldoli bei Arezzo), die die Regel des heiligen Benedikt mit eremitischen Traditionen verbinden. Im deutschen Sprachraum gibt es keine Kamaldulenser, weltweit hat der Orden rund 200 Mitglieder. Noch kleiner sind die im 11. Jahrhundert gegründeten Vallombrosaner, die ihren Schwerpunkt in der Toskana und in Umbrien hatten und ebenfalls streng kontemplativ leben. Toskana-Urlaubern dürften darüber hinaus die Olivetaner ein Begriff sein, gehört ihr Mutterkloster Monte Oliveto Maggiore bei Siena mit seinem freskengeschmückten Kreuzgang doch zu den großen Sehenswürdigkeiten der Region. Auch San Miniato in Florenz gehört zu diesem Orden.

Bettelorden Anders als die Benediktiner sind die im 13. Jahrhundert entstandenen Bettelorden meist in den Städten zuhause. Mit den Benediktinern teilen sie zwar den Dreiklang des mönchischen Lebens aus Armut, Keuschheit und Gehorsam, doch lehnen die Bettelorden (in unterschiedlicher Ausprägung) Besitz nicht nur persönlich, sondern auch für ihr Kloster weitgehend ab. Die Klöster der Bettelorden sind in der Regel klein, die Mönche widmen sich stärker als die Benediktiner der Seelsorge und der Predigt. Die bekanntesten Bettelmönche sind die Franziskaner (Ordo Fratrum Minorum, OFM) des heiligen Franziskus von Assisi. Sie leben nach der 1223 endgültig bestätigten Regel des heiligen Franziskus, die nicht exakt den Tagesablauf und das Zusammenleben beschreibt, wie jene Benedikts, sondern eher grundlegend die franziskanische Lebensweise und Spiritualität erklärt. Die Ordenstracht der Franziskaner ist eine braune Kutte mit Kapuze, charakteristisch ist der weiße Strick, mit dem diese zusammengebunden ist. Weltweit keben 18000 Franziskaner, davon 550 in Deutschland. Auch die Franziskaner hatten in ihrer Geschichte innere Auseinandersetzungen, die schließlich zu eigenen Ordensgründungen führten. So gibt es einerseits die Franziskaner-Minoriten oder –Konventualen (Ordo Fratrum Minorum Conventualium, OFMConf., bestätigt 1517 durch Papst Leo X., heute etwa 4000 Mitglieder), die unter anderem das Armutsgebot des heiligen Franziskus weniger streng interpretieren. Von den anderen Franziskanern unterscheiden sie sich äußerlich durch ihren schwarzen Habit. Zu ihnen gehörte beispielsweise der heilige Pater Maximilian Kolbe, der 1941 in Auschwitz ermordet wurde. Andererseits gibt es innerhalb der franziskanischen Ordensfamilie noch die rund 10500 Kapuziner (Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum, OFMCap.), die – in der Nachfolge des Ordensgründers – radikale Armut mit eremitischer Lebensweise verbinden. Ihr äußeres Markenzeichen ist, neben der braunen Kutte, der „Eremitenbart“. Der weibliche Zweig des Ordens ist nach seiner Gründerin, der heiligen Klara von Assisi benannt. Die Klarissen verpflichten sich nicht nur zu strenger Armut, sondern auch zu einem kontemplativen das heißt beschaulichen Leben in strenger Klausur. Weltweit leben heute etwa 10000 Klarissen. Wie bei anderen Orden wird der männliche Zweig der Franziskaner auch als Erster Orden, der weibliche als Zweiter Orden bezeichnet. Unter dem Begriff Dritter Orden sind schließlich Männer und Frauen zusammengefaßt, die außerhalb des Klosters leben, sich aber dem franziskanischen Lebensideal verpflichtet fühlen. Aus diesem Dritten Orden entstanden wiederum eigene klösterliche Gemeinschaften von Frauen, die unter dem Oberbegriff Franziskanerinnen zusammengefaßt sind und sich aktiv etwa in der Krankenpflege, der Jugendarbeit oder der Mission engagieren. Der zweite große Bettelorden sind die Dominikaner oder Predigerbrüder (Ordo fratrum Praedicatorum, OP), womit die selbst gestellte Hauptaufgabe der Mönche gleich benannt ist, die Verbreitung des Glaubens an Christus in der Predigt. Die wissenschaftliche Forschung (und nicht zuletzt auch die Theologie als Wissenschaft) stand bei den Dominikanern von Beginn an in hohem Ansehen. Zahlreiche berühmte Gelehrte stammen aus dem Orden, etwa Albertus Magnus oder Thomas von Aquin. Die Dominikaner leben nach der im 4. Jahrhundert entstandenen Regel des heiligen Augustinus, haben diese aber durch eigene Vorschriften ergänzt. Umstritten ist die Rolle des Ordens in der Inquisition, in der die Dominikaner als „domini canes“, Spürhunde des Herrn, verballhornt wurden. Der Orden hat heute rund 6500 Mitglieder, das Ordensgewand ist weiß mit einem schwarzen Umhang. Wie die Klarissen leben die Dominikanerinnen des Zweiten Ordens in strenger Klausur, jene des Dritten Ordens sind unter anderem in der Jugendarbeit oder der Krankenpflege tätig. Ebenfalls zu den Bettelorden zählen die Karmeliten (Ordo Fratrum Beatissimae Virginis Mariae de Monte Carmelo, OCarm.). Die Ursprünge dieses Ordens liegen im Karmelgebirge, wo sich – nach der Eroberung Palästinas durch die Kreuzfahrer – christliche Einsiedler niederließen. Unter dem Druck der muslimischen Wiedereroberung des heiligen Landes kehrten die Mönche nach Europa zurück, wo sie sich nach dem Vorbild der Bettelorden organisierten und vor allem in der Seelsorge tätig waren. Auch bei diesem Orden führte der Trend zu einer strengeren Auslegung des Ordensideals zur Gründung einer neuen, wieder mehr am kontemplativen Ursprung orientierten Gemeinschaft, den – nomen est omen – Unbeschuhten Karmeliten. Zusammen haben die beiden Orden heute rund 5500 Mitglieder. Der weibliche Zweig des Ordens lebt streng kontemplativ (rund 14000 Mitglieder). Vierte im Bunde der Bettelorden sind die Augustiner(-Eremiten, Ordo Fratrum Sancti Augustini, OSA), deren berühmtestes Mitglied dem Orden einst den Rücken gekehrt hat, um die Kirche von Grund auf zu reformieren: Martin Luther. Entstanden sind die Augustiner 1256 aus einem Zusammenschluß mehrerer italienischer Eremitengemeinschaften. In der Folge orientierten sich die Augustiner stark am Vorbild der Dominikaner, auch bei ihnen dominieren Predigt, Seelsorge und wissenschaftliche Forschung nicht nur im Bereich der Theologie. So war auch der Biologe Gregor Mendel Augustiner-Eremit. Dem Orden gehören derzeit rund 3000 Mitglieder an, das größte deutsche Kloster mit über 30 Mönchen befindet sich in Würzburg.

Regulierte Chorherren Als Dom- oder Chorherren bezeichnet man zum einen die Gemeinschaft von Geistlichen, die zu einem Domkapitel oder einem Kollegiatsstift gehören, zum anderen jene Chorherren, die sich im 12. Jahrhundert zu klösterlichen Gemeinschaften zusammenschlossen. Dazu gehören heute vor allem zwei Orden, die Augustiner-Chorherren (Canonici Regulares Sancti Augustini, CSA) mit rund 800 Mitgliedern und die Prämonstratenser (Candidus et Canonicus Ordo Praemonstratensis, OPraem). Beide richten sich nach der Regel des heiligen Augustinus. Die Prämonstratenser wurden vom heiligen Norbert von Xanten um 1120 gegründet; ihr Mutterkloster ist Prémontré in der Nähe von Laôn. Ihr Gewand ist weiß; es hat sich aus dem ungebleichten, wollenen Büßergewand entwickelt, das Norbert und seine Gefährten trugen. Der Orden ist aktiv tätig in der Seelsorge und hat heute weltweit 1400 Mitglieder. In Deutschland konnte er nach der Säkularisation erst 1921 wieder Fuß fassen, hat aber nach dem Zweiten Weltkrieg durch den „Speckpater“ Werenfried van Straaten und den „Bauorden“ große Wirkung entfaltet, als die Prämonstratenser vielen Deutschen zu Essen und einem Dach über dem Kopf verhalfen.

Kartäuser Die eremitischen Ursprünge des Mönchtums lassen sich noch am besten bei den Kartäusern (Ordo Cartusiensis, OCart) nachempfinden, deren Klöster noch heute Einsiedlergemeinschaften sind, in dem traditionell jeder Mönch ein eigenes Häuschen mit Garten hat. Eindrucksvoll sind auch die Friedhöfe der Klöster: Schlichte Holzkreuze ohne Namen oder irgendwelchen Schmuck. Das Gemeinschaftsleben beschränkt sich auf Gebet und Messe, die Mahlzeiten an Festtagen und wenige Stunden der Rekreation (Erholung). Das Ordenskleid der Kartäuser ist weiß. Gegründet wurde der Orden vom heiligen Bruno von Köln im Juni 1084, das Mutterkloster ist La Grande Chartreuse bei Grenoble. Insgesamt hat der Kartäuser-Orden rund 370 Mitglieder in 19 Klöstern, die einzige Kartause im deutschsprachigen Raum ist Marienau bei Bad Wurzach. Ehemalige Kartausen, die besichtigt werden können, befinden sich unter anderem in Buxheim bei Memmingen oder in Ittingen im schweizerischen Thurgau. Die berühmeste Kartause ist jene von Pavia, in der heute allerdings keine Kartäuser, sondern Zisterzienser leben.

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Regularkleriker Die Gesellschaft Jesu (Societas Jesu, SJ) ist anders als alle anderen katholischen Orden: Die Jesuiten tragen kein Ordensgewand, sie haben kein regelmäßiges gemeinsames Chorgebet, und sie verstehen sich selbst auch nicht als Mönche, sondern als Nachfolger der Apostel in der Verbreitung und Verteidigung des Glaubens. Den drei Ordensgelübden Armut, Keuschheit und Gehorsam (gegenüber den Ordensoberen) haben sie ein weiteres hinzugefügt: den absoluten Gehorsam gegenüber dem Papst. Ausgenommen von diesen für die Jesuiten zentralen Gehorsamsgeboten sind nur Befehle, bei denen es sich um eine „offensichtliche Sünde“ handelt. Die Jesuiten sind ortsungebunden, das heißt sie können überall auf der Welt eingesetzt werden, an denen die Ordensoberen es für geboten halten. Berühmt sind sie für ihre geistlichen Übungen (Exerzitien), mit denen sie sich auch an breite Bevölkerungsgruppen wenden. Die Jesuitenuniversitäten waren Zentren der Gelehrsamkeit. Gegründet wurde die Gesellschaft Jesu 1534 von dem baskischen Adligen Ignatius von Loyola, der seinem Orden eine zentralistisch-hierarchische Struktur gab. Mit 21000 Mitgliedern sind die Jesuiten der größte katholische Orden. Es gibt keinen weiblichen Zweig des Jesuitenordens. Nach dessen Vorbild organisiert sind jedoch die Englischen Fräulein, die von der Engländerin Mary Ward gegründet wurden und sich vor allem um Erziehung und schulische Ausbildung von Mädchen kümmern. Seit 1978 richten sich die Englischen Fräulein, die rund 2200 Mitglieder haben, offiziell nach den Satzungen des Ignatius von Loyola. Neben den Jesuiten gibt es noch eine Reihe weitere Orden von Regularklerikern. Darunter versteht man Geistliche, die zwar in Gemeinschaft zusammenleben und sich einem gemeinsamen Lebensstil und –ziel verpflichtet fühlen, darüber hinaus aber keinen schematischen, klösterlichen Tagesablauf kennen. Zu ihnen gehören beispielsweise die Piaristen, die sich vor allem um die Jugendarbeit kümmern, oder die Kamillianer, deren Arbeitsschwerpunkt die Krankenpflege ist.

Kongregationen Auch die Mitglieder religiöser Kongregationen tragen in der Regel kein Ordenskleid, es gibt kein Chorgebet und auch keine Klausur im klösterlichen Sinn. Die ersten Kongregationen entstanden bereits im 16. Jahrhundert, ihre Blütezeit war aber das 19. Jahrhundert, in dem sich – nach der als Katastrophe empfundenen Säkularisation – neues religiöses Gemeinschaftsleben entwickelte, das nicht durch Kontemplation, sondern durch aktiven Dienst am Nächsten gekennzeichnet war, etwa in Seelsorge, Mission, Krankenpflege, Erziehung. Unter den missionarisch tätigen Kongregationen seien die Weißen Väter und die Steyler Missionare genannt, in der Jugendarbeit kommt etwa den Salesianern Don Boscos große Bedeutung zu, die „Volksmission“ haben sich die Redemptoristen zur Aufgabe gemacht. Zu den bekanntesten Gemeinschaften von Frauen, die außerhalb von Klostermauern tätig sind, zählen die vor allem in Krankenhäusern tätigen Vinzentinerinnen (offiziell „Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe“), die die Heiligen Vinzenz von Paul und Luise Marillac 1633 gegründet haben.

Uwe A. Oster

Literatur: Georg Schwaiger (Hrsg.): Mönchtum, Orden, Kloster, München 1993. Hans Urs von Balthasar: Die großen Ordensregeln, Einsiedeln 1974.

Internet: Die großen Orden verfügen alle über zum Teil hervorragend gestaltete (siehe auch http://www.orden.de) und sehr informative Homepages. Auch einzelne Klöster sind im Internet mittlerweile häufig mit eigenen Seiten vertreten.

Uwe A. Oster

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