Der Deutsche Orden - von der Gründung bis 1525 Von Akkon ins Preußenland - wissenschaft.de
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Der Deutsche Orden - von der Gründung bis 1525

Von Akkon ins Preußenland

Eine vergleichsweise moderne Organisation, fähige Anführer und beachtliche territoriale Zuwächse ließen den Deutschen Orden schnell zu einer mächtigen Institution werden. Im 15. Jahrhundert büßte der Orden seine unabhängige Machtstellung jedoch weitgehend ein und wurde zum Spielball territorialer Machtkämpfe.

Während der Belagerung Akkons im dritten Kreuzzug stifteten die Hansestädte Bremen und Lübeck 1189 ein Koggensegel, um Kranke und Verwundete vor der Sonne zu schützen. Im September 1190 übernahm eine Gruppe um einen Meister die Pflege der Bedürftigen vor den Mauern der belagerten Stadt. Damit beginnt die Geschichte des Deutschen Ordens. Nach der Eroberung der Stadt im Juli 1191 erhielt der Orden ein Grundstück, auf dem er das „Haus der Deutschen“, ein Spital, errichten ließ. 1198 erhoben deutsche Kreuzfahrer den Spitalorden zu einem Ritterorden und folgten damit wahrscheinlich einem Auftrag des kurz zuvor verstorbenen Stauferkaisers Heinrich VI. Der neue Ritterorden sollte seinen Spitaldienst, den er beibehielt, nach der Regel der Johanniter gestalten, im übrigen aber die Templerregel befolgen. Insgesamt waren die Anfänge bescheiden.

In den neuen Orden wurden Ritterbrüder als Kämpfer zu Pferd, Priesterbrüder für die geistliche Versorgung und Sarjantbrüder oder Graumäntler, wie sie später nach ihren grauen Umhängen genannt wurden, als Kämpfer zu Fuß aufgenommen. Alle drei Gruppen waren vollwertige Ordensmitglieder und hatten die Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams abzulegen. Da sie wegen des Keuschheitsgelübdes keine legitimen Nachkommen haben konnten, mußten sie, anders als weltliche Ritter, nicht für ihre Erben sorgen. Wegen des Armutsgelübdes sollten sie kein privates Vermögen anhäufen, sondern alles dem Orden übereignen. Nach dem Gehorsamsgebot konnten die Oberen bzw. der Ordensmeister erwarten, daß ihren Befehlen Folge geleistet wurde. Allerdings war die Befehlsgewalt der Oberen stets an den Rat und die Zustimmung der wichtigsten Mitbrüder gebunden.

Infolge der drei Gelübde konnte der Orden eine vergleichsweise modern anmutende Verwaltung aufbauen. An der Spitze stand der auf Lebenszeit gewählte Meister oder Hochmeister, dem ein Großkomtur als Stellvertreter, ein Marschall als Befehlshaber der Ordenstruppen, ein Spitalmeister als Verwalter des Hauptspitals, ein Trappier für die Kleiderkammer und ein Treßler als Verwalter der Finanzen unterstanden. Sie sollten den Meister im Haupthaus unterstützen. Außerhalb des Heiligen Landes standen Landkomture an der Spitze von Ordensprovinzen, den sogenannten Balleien.

Die Balleien im Deutschen Reich unterstanden dem Deutschmeister, einem der drei Landmei‧ster. Daneben gab es noch die Landmeister von Preußen und Livland. Unter den Landmeistern und -komturen rangierten die Komture als Vorsteher der Ordenshäuser oder Kommenden. Der Verwaltungsaufbau wurde in wesentlichen Teilen von den älteren Ritterorden übernommen, aber nach den eigenen Bedürfnissen umgestaltet. Die Balleien im Westen Europas dienten in erster Linie der Unterstützung der Ordensunternehmungen in Palästina, Preußen und Livland. Sie bildeten die Etappe, die Mittel für die Kämpfe im Orient wie in Nordosteuropa erwirtschaftete, jedenfalls im 13. Jahrhundert und auch noch darüber hinaus. Zudem konnten dort Brüder rekrutiert werden.

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Der neue Ritterorden wäre wohl über seine bescheidenen Anfänge kaum hinausgekommen, wenn er sich nicht an das staufische Herrscherhaus angeschlossen hätte und der vierte Hochmeister Hermann von Salza kein so überaus erfolgreicher Politiker gewesen wäre, der zur rechten Zeit am rechten Ort war. Ein weiteres Ereignis ließ den Orden bekannt werden, nämlich die Belagerung und Eroberung von Damiette im Nildelta. Damals lernten westeuropäische Adlige die Tapferkeit und aufopferungsvolle Hingabe an Kranke und Verwundete kennen und schätzen und vermachten dem Orden zahlreiche Schenkungen. Selbst der König von England übertrug ihm eine jährliche Rente.

Die Anlehnung an die Staufer und die Privilegien der Kaiser und Päpste führten nicht nur zu vermehrten Schenkungen, sondern veranlaßten auch zahlreiche Adlige zum Eintritt in den Deutschen Orden. Dabei mag das Vorbild Hermanns von Salza viele animiert haben. Denn der vierte Hochmeister stammte aus einer kleinen Ministerialenfamilie, also einem ursprünglich unfreien Geschlecht, stieg zum Hochmeister und bedeutenden Politiker auf und verkehrte mit den höchsten Repräsentanten der Gesellschaft wie mit seinesgleichen.

Nirgendwo sonst in der abendländischen Gesellschaft eröffneten sich Ministerialen solche Aufstiegsmöglichkeiten wie in den Ritterorden. Sie haben diese gesellschaftliche Dynamik zwar nicht ausgelöst, aber wesentlich beschleunigt. Dies ist auch die Ursache dafür, daß der Deutsche Orden vor allem von Ministerialensöhnen und später von Söhnen des niederen Adels getragen wurde. Selten traten Edelfreie oder Dynastensöhne wie Landgraf Konrad von Thüringen, der Nachfolger Hermanns von Salza als Hochmeister, in den Orden ein. Wenn sie es taten, hatten sie im 13. Jahrhundert und darüber hinaus meist bessere Aufstiegschancen als andere. Söhne aus bürgerlichen Geschlechtern konnten nur selten höhere Ämter erringen. Der Orden bot also dem niederen Adel sonst nicht übliche Aufstiegschancen, hatte sich aber von den gesellschaftlichen Verhältnissen seiner Zeit nicht gänzlich gelöst…

Prof. Dr. Klaus Militzer

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