Georg Thomas von Asch in St. Petersburg Von Sibirien nach Göttingen - wissenschaft.de
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Georg Thomas von Asch in St. Petersburg

Von Sibirien nach Göttingen

Die Göttinger Universität verdankt ihre herausragende Position innerhalb der deutschen Russlandforschung Ende des 18. Jahrhunderts insbesondere Georg Thomas von Asch: Neben Buch- und Münzsammlungen bereicherte der St. Petersburger Mediziner sie auch mit wertvollen Kulturdokumenten der Völker Sibiriens und Alaskas.

Übrigens ist es anerkennens werth, dass dieser Mann nur für die Academie in Göttingen lebt und dass seine nächsten Verwandten sich über seine Sparsamkeit bey seinem sonst großen Vermögen beschweren“, urteilte der mecklenburgische Kammerherr Gustav Friedrich von Oertzen in einem Brief an Christian Gottlob Heine, den Direktor der Göttinger Universitätsbibliothek und des Academischen Museums, nachdem er 1801 den 72-jährigen russischen Staatsrat Baron Georg Thomas von Asch besucht hatte. Wer war jener edle Stifter, der die Göttinger Universität mit einzigartigen Kulturdokumenten der Völker des Russischen Reiches im 18. Jahrhundert beschenkte?

Georg Thomas Asch kam am 12. April 1729 in St. Petersburg als dritter von sechs Söhnen des in Breslau geborenen Friedrich Georg Asch zur Welt. Zar Peter I. hatte Aschs Vater 1716 in seiner Residenzstadt zum Direktor des Postamts ernannt. Er stieg rasch auf und wurde 1762 in den Stand eines Reichsfreiherrn erhoben. Sein Sohn studierte zunächst in Tübingen Medizin, bis er 1748 in Göttingen von Albrecht von Haller als Doktorand angenommen wurde. Nach St. Petersburg zurückgekehrt, trat Asch 1750 als Arzt in den russischen Staatsdienst ein.

Seine bedeutendste Stellung erreichte Asch, als Zarin Katharina II. 1763 das „Medizinische Kollegium“ als oberste medizinische Verwaltungsbehörde schuf und ihn zum „Ersten Mitglied“ ernannte. Eine zentrale Aufgabe der russischen Ärzte lag in der Erkennung und Bekämpfung von Pestepidemien. Die verheerendste im 18. Jahrhundert wütete 1770 bis 1772 während des fünften russischen „Türkenkriegs“ in Jassy an der Moldau, an dem Asch, inzwischen zum Generalstabsarzt aufgestiegen, teilnahm. Er erkannte einen Pestausbruch im Heer, ergriff entsprechende medizinische Maßnahmen und sandte zugleich sporadisch Kriegsbeute (so arabische Bücher, Münzen und Medaillen) nach Göttingen; sie wurde dort in die Bibliothek und das 1773 gegründete Königliche Academische Museum eingegliedert, das erste deutsche Universitätsmuseum überhaupt.

1777 ernannte die Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften Asch zum Auswärtigen Mitglied. In der Folge organisierte er in großem Stil die Vermittlung russlandkundlicher Sammlungen für die Georgia Augusta und baute mit zahlreichen auswärtigen Korrespondenten der Akademie einen Freundeskreis der Universität Göttingen in Russland auf. Auf diese Weise hatte Asch wesentlichen Anteil an der Vermittlung von Schriften über das und aus dem Russischen Reich. Durch sein Gelehrtennetzwerk erwarb er ausgewählte Objekte, die er dann nach Göttingen schickte, größtenteils aber ohne genauere Angabe von Fundstelle, Datum und Namen der Sammler.

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Unter Katharina II. hatten sich die Arbeitsbedingungen der 1725 eröffneten Russischen Akademie der Wissenschaften grundlegend verbessert, und mit den Kamtschatka-Expeditionen (1725 –1743) unter Vitus Bering erreichten die Forschungsreisen zur Erkundung des Russischen Reiches und seiner Grenzen einen ersten Höhepunkt (siehe Seite 16). An den Expeditionen späterer Jahrzehnte nahmen zahlreiche Bekannte und Freunde Aschs teil, darunter der Mediziner und Naturforscher Peter Simon Pallas, der Naturforscher Johann Gottlieb Georgi und der Arzt und Naturforscher Johann Anton Güldenstädt…

Literatur: Brigitta Hauser-Schäublin/Gundolf Krüger (Hrsg.), Sibirien und Russisch-Amerika: Kultur und Kunst des 18. Jahrhunderts. Die Sammlung von Asch, Göttingen. München u. a. 2007.

Rolf Siemon

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