Wehrgeschichtliches Museum Rastatt Zeitgemäße Militärgeschichte - wissenschaft.de
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Wehrgeschichtliches Museum Rastatt

Zeitgemäße Militärgeschichte

Ein modernes Mititärmuseum ist kein Kriegsmuseum; es soll das Verhältnis von Staat, Gesellschaft und bewaffneter Macht im Frieden und im Krieg verständlich darstellen. Das gelingt dem Wehrgeschichtlichen Museum mit seiner Ausstellung im Rastatter Residenzschloß.

Ein Militärmuseum in einem Barockschloß? Ist das der angemessene Ort für die Präsentation von Waffen, Uniformen, Orden und Fahnen? Der „Türkenlouis“, Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655–1707), ein erfolgreicher kaiserlicher Heerführer im ausgehenden 17. Jahrhundert und Bezwinger der osmanischen Heere im Jahr 1691 – daher auch sein Spitzname –, ließ das Rastatter Residenzschloß 1698 bis 1705 erbauen. Dieses Schloß stand dreimal im Brennpunkt der europäischen Geschichte: 1714 schloß hier Prinz Eugen von Savoyen mit dem französischen Marschall Louis Hector von Villars den Frieden von Rastatt, der den Spanischen Erbfolgekrieg beendete; 1797–99 tagte in seinen Mauern der Rastatter Kongreß, der die Streitfragen zwischen dem revolutionären Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation lösen sollte, – und im Rastatter Schloßhof begann am 11. Mai 1849 die Meuterei der badischen Armee, die sich der Revolution in Deutschland anschloß, jedoch am 23. Juli – wiederum in Rastatt – die Waffen strecken mußte.

Der Blick in die Historie zeigt, daß dieses Schloß – auch auf Grund seiner geographischen Nähe zu Frankreich – sehr wohl geeignet ist, ein modernes Militärmuseum zu beherbergen, in dem die deutsche Militärgeschichte von 1500 bis 1918 unter besonderer Berücksichtigung der bewaffneten Macht Badens und Württembergs vermittelt wird. Die Ausstellungskonzeption des Wehrgeschichtlichen Museums (WGM) verdeutlicht die Wechselbeziehungen zwischen Armee, Staat und Gesellschaft sowie den Stellenwert des Militärs bei der Formierung des neuzeitlichen Staates. Die Militärgeschichte ist nicht nur eine Kriegs- und Institutionengeschichte, sondern sie ist Faktor der Sozial-, Wirtschafts-, Technik und Kulturgeschichte. Die WGM-Ausstellung auf zur Zeit 1600 Quadratmetern ist daher auch keine waffenstarrende Schau. Dem Besucher werden in zentralen Inszenierungen, mit ausgewählten Exponaten, mit Dokumentationswänden und einer Wandzeitung unter anderem der Alltag des Soldaten, die militärtechnischen Entwicklungen, aber auch die Erfahrungen des industrialisierten Massenkrieges vor Augen geführt. Höhepunkte der Ausstellung sind ein Großdiorama der für den „Türkenlouis“ siegreichen Schlacht von Slankamen 1691 mit über 6000 Zinnfiguren, ein fast 15 Quadratmeter großes Modell der Bundesfestung Rastatt sowie die Darstellung des Ersten Weltkrieges – in einem schwarzen, abgedunkelten Stahlkasten.

Einer breiten Öffentlichkeit sollen zukünftig auch die großen militärgeschichtlichen Museumsbestände, die derzeit noch in Waffenkammern und Depots eingelagert sind, mit neuer Konzeption – in sogenannten Studiensammlungen – zugänglich gemacht werden.

Die Geschichte des WGM beginnt 1934 mit der Errichtung des „Badischen Armeemuseums“, wiedererrichtet 1946 als „Badisches Historisches Museum“ und neu eröffnet 1956 als „Historisches Museum Schloß Rastatt“. Den heutigen Namen erhielt das Museum 1969, als das Bundesverteidigungsministerium die Leitung übernahm. Nach der Vereinigung Deutschlands verlor Rastatt die Funktion des Leitmuseums der Bundeswehr; seit 1996 ist das WGM eine GmbH, getragen durch das Land Baden-Württemberg, die Stadt Rastatt und einen Förderverein. Über den Förderverein beteiligt sich das Verteidigungsministerium weiterhin am Unterhalt des Museums.

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Das WGM versteht sich als Bildungseinrichtung, als Zentrum der deutschen Heereskunde und als Stätte der Forschung. Eine etwa 50000 Bände umfassende Präsenzbibliothek, fast 120000 Photos, der Richard Knötel-Nachlaß und eine nahezu vollständige Sammlung der deutschen Regimentsgeschichten, Vorschriften und Règlements stehen der historischen Forschung zur Verfügung. Sonderausstellungen des Wehrgeschichtlichen Museums, zwei- bis dreimal jährlich, sollen zudem Interessierte in das Schloß Rastatt führen, dessen barocke Prunkräume ebenfalls zu besichtigen sind. Zudem befindet sich im Rastatter Schloß eine Ausstellung zur Geschichte der deutschen Freiheitsbewegungen.

Wehrgeschichtliches Museum Rastatt Postfach 1633, 76406 Rastatt Internet: http://www.wgm-rastatt.de Email: hermes@wgm-rastatt.de Telefon: 07222/34244 Telefax: 07222/30712

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 9.30 – 17 Uhr

Dr. Martin Krämer

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