Der Hochmeister Hermann von Salza Zwischen den Stühlen der Macht - wissenschaft.de
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Der Hochmeister Hermann von Salza

Zwischen den Stühlen der Macht

Politisch begabt und die Umstände seiner Zeit nutzend, kam Hermann von Salza eine herausragende Rolle beim Aufstieg des Deutschen Ordens zu. Die Bemühungen des Hochmeisters um einen Ausgleich zwischen Kaiser und Papst waren am Ende jedoch vergebens.

Von einem der bedeutendsten Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann von Salza, wissen wir weder das Jahr seiner Geburt noch das seines Eintritts in den Orden. Er entstammte einem Ministerialengeschlecht aus der Gegend von Langensalza in Thüringen, das zur ursprünglich unfreien Dienstmannschaft der Landgrafen von Thüringen zählte. Hermann wird 1209 oder 1210 erstmals als Ordensmeister erwähnt, am 14. Februar 1211 ist durch eine Urkunde sein Aufenthalt in Akkon nachgewiesen. Er mag demnach 1209 oder 1210 an die Spitze des damals noch unbedeutenden Ritterordens gewählt worden sein.

1211/12 reiste Hermann mit dem Hildesheimer Domherrn Wilbrand von Oldenburg durch Palästina, Syrien, Armenien und Zypern und inspizierte die dortigen Besitzungen seines Ordens. Während der Reise schenkte ihm König Leo von Armenien die Burg Amudain. Im armenischen Königreich in Kilikien, im Südosten der heutigen Türkei, hatte der Orden schon 1209 Besitzungen erhalten. Spätestens unter Hermann vertrauten die Könige dem neuen Orden zumindest die Verteidigung eines Teils der Grenze an. Die Übertragungen sind um so erstaunlicher, als der junge Orden in Palästina selbst noch wenig Güter erworben und sich auch militärisch kaum hervorgetan hatte. Allerdings hatte König Andreas von Ungarn den Orden im Jahr 1211 zur Verteidigung der Grenze gegen die Kumanen in das Burzenland (Siebenbürgen) gerufen.

Der neue Orden hatte einen Vorteil gegenüber den beiden älteren Ritterorden, den Johannitern und den Templern: seine Nähe zum staufischen Kaiserhaus. Seit 1214 häuften sich Schenkungen Friedrichs II. und seiner Anhänger an den Deutschen Orden. Schließlich wurden die Päpste auf den Orden aufmerksam und sahen in ihm ein Mittel zur Durchsetzung ihrer Kreuzzugspolitik. Im Dezember 1216 trafen Hermann von Salza, der junge Hochmeister, und Friedrich II., der ebenfalls junge König, erstmals in Nürnberg persönlich zusammen. Wie es scheint, verstanden sich beide auf Anhieb. Jedenfalls trafen sie miteinander Abkommen. Im Lauf der Zeit wurde Hermann von Salza zu einem der wichtigsten Ratgeber Friedrichs II.

Der junge Hochmeister verstand es, aus der engen Bindung an das Stauferhaus für seinen Orden Kapital zu schlagen. Das beruhte wiederum auf beiderseitigem Interesse. Der Deutsche Orden, als der jüngere der Ritterorden, noch dazu weitgehend auf die Rekrutierung deutschsprachiger Brüder angewiesen, mußte sich in einer fremden Umwelt wie Süditalien, Sizilien und dem Heiligen Land auf eine hilfsbereite Macht wie die Staufer und besonders Friedrich II. stützen. Andererseits sahen die Staufer in dem jungen Orden einen Parteigänger, der auf sie angewiesen war und auf den sie sich bis zu einem gewissen Grad verlassen konnten.

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Kaum daß Hermann erste Kontakte zu dem jungen Friedrich II. hatte knüpfen können, mußte er ihn schon wieder verlassen, weil im Heiligen Land ein Kreuzzug gegen Ägypten geplant wurde. 1218 brach das Heer mit einer Abteilung des Deutschen Ordens unter der Leitung Hermanns von Salza in das Nildelta auf und eroberte im November 1219 Damiette. Während der König von Jerusalem, syro-fränkische Adlige und französische Teilnehmer auf Friedensangebote des ägyptischen Sultans al-Kamil eingehen wollten, lehnten Templer, Johanniter, Italiener, die meisten kirchlichen Würdenträger und der päpstliche Legat jegliche Verhandlungen ab.

Hermann von Salza schlug sich auf die Seite des Königs von Jerusalem und ließ sich seine Parteinahme vergüten, indem er mit dem König den Kauf der Seigneurie de Joscelin vereinbarte. Damit erlangte der Orden einen Anspruch auf das Gebiet nordöstlich von Akkon, wo er in der Folgezeit die Burg Montfort errichten ließ. 1220 zog Hermann zusammen mit dem König nach Palästina und reiste von dort nach Italien, um die Kaiser- krönung Friedrichs II. vorzubereiten. Zugleich ließ er sich vom Papst den Anspruch auf die Seigneurie de Joscelin bestätigen. In dieser Zeit stellten Papst und Kaiser dem Orden Privilegien aus, die ihn den beiden älteren Ritterorden gleichstellten…

Prof. Dr. Klaus Militzer

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