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Rödder, Andreas

21.0 – Eine kurze Geschichte der Gegenwart

Viele Menschen in Deutschland und Europa sind verunsichert. Nichts scheint mehr so zu sein, wie es noch vor 30 Jahren war. Die Welt ist ungeheuer in Bewegung geraten. Digitalisierung und Globalisierung, Gentechnologie und Telekommunikationsrevolution, das Ende der europäischen, wenn nicht gar westlichen Dominanz, das sind nur einige Stichworte einer neuen Unübersichtlichkeit, die vielen Menschen Angst macht und dazu beiträgt, dass sich ein Gefühl der Hilf- und Orientierungslosigkeit verbreitet.

Jahrhundertelang hat die Religion, die Geschichte oder der Glaube an Fortschritt und Technik den Menschen Führung und Richtung gewiesen. All das scheint nicht mehr zu gelten, im wahrsten Sinne des Wortes überholt zu sein, von der sich immer rasanter vollziehenden historischen Entwicklung. Die Erwartung des „Endes der Geschichte“ (Francis Fukuyama), das 1992 so vollmundig wie optimistisch angekündigt wurde, gilt nur noch in seiner apokalyptischen Variante: Finanzcrash, Eurokrise, das Anwachsen der (nun auch in Europa wahrgenommenen) Flüchtlingszahlen und nicht zuletzt der Klimawandel scheinen Vorboten zu sein für das „Ende der Welt, wie wir sie kannten“ (Claus Leggewie, Harald Welzer). Kann Geschichte da noch etwas zum Verständnis beitragen, die Welt erklären helfen? Viele würden das wohl verneinen, in einer Welt radikaler Gegenwartshaftigkeit und vir‧tueller Realitäten.

Zu Unrecht, wie man bei der Lektüre des brillanten Buches von Andreas Rödder feststellt. Der Mainzer Historiker zeigt in beeindruckender Weise, wie wichtig gerade in Zeiten radikaler Veränderungen die historische Erklärung sein kann. Er schildert so unterschiedliche Entwicklungen und Phänomene wie den Atomausstieg oder den Siegeszug des Computers, die Umwelt- und Finanzkrisen, Konsumgesellschaft und Gender- wie auch Integrationspolitiken. So wird klar, wie die Welt wurde, wie sie ist, zumindest die deutsche, die „westliche“. Das Buch ist zweifellos verstörend, zeigt es zum einen doch das Ausmaß der bereits geschehenen oder noch zu erwartenden Veränderungen, und zum anderen, wie vernetzt die vielen verschiedenen „Revolutionen“ eigentlich sind.

Es bietet keinen Kompass, in dem die Kenntnis der Geschichte genau den Weg in die Zukunft weist. Es vermittelt jedoch die Einsicht, dass auch die Gegenwart historisch geworden und menschengemacht ist, trotz aller Umbrüche und Beschleunigungen. Und das erlaubt die leise Hoffnung, dass die Krisen der Gegenwart wie die Krisen der Vergangenheit nicht das Ende der Geschichte bedeuten, sondern zu etwas Neuem führen. Das Buch ist ein Meisterwerk, das zeigt, was die Geschichte als Wissenschaft zu leisten mag, gerade auch für das Verständnis der Gegenwart und der Zukunft.

Rezension: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer

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Rödder, Andreas
21.0 – Eine kurze Geschichte der Gegenwart
Verlag C. H. Beck, München 2015, 494 Seiten, Buchpreis € 24,95
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