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Eberhard König/Dieter Röschel/Gabriele Bartz

Abenteuer einer Reise

dam0722bue05.jpgEs ist ein Klassiker der Reiseberichte – wenn auch der ganz besonderen Art. Man könnte das Buch de Mandevilles auch einen Abenteuerroman nennen, denn die „Wunder der Welt“, wie der Bericht meist genannt wird, meinen die Begegnungen eines mittelalterlichen Ritters mit Orten und Geschehnissen, die eigentlich kaum zu glauben waren.

Jean de Mandeville – wer sich hinter dem Namen verbirgt, ist bis heute umstritten – soll am Michaelstag 1322 zu seiner großen Fahrt aufgebrochen und von den Stätten des Heiligen Landes bis zu den fernsten Ländern in Asien gereist sein. Seine Erlebnisse habe er dann von 1356 an aufgeschrieben, dabei zuerst das Lateinische, dann aber das „françois“ gewählt. Hat man das Werk, von dem mehr als 300 Handschriften in unterschiedlichen Sprachen und Überlieferungszusammenhängen gesichert sind, vielleicht auch vorgelesen? Jedenfalls dienten in manchen Handschriften auch die Illustrationen dazu, das Wunderbare sinnlich fassbar zu machen.

Die Prachthandschrift „Fr. 2810“ aus der Pariser Nationalbibliothek enthält nicht nur den Reisebericht des Jean de Mandeville, sondern weitere „Klassiker“ des Genres wie Marco Polos „Divisement du monde“, Ordericus de Pordenones „Itinerarium“, Wilhelm von Boldenseles „Itinerar“, Bruder Haytons „Fleur des estoires de la terre d’Orient“ oder Riccoldo da Montecroces „Itinerar“.

Die jeweiligen Wappen und Bemerkungen zeigen, dass die Handschrift vom Erstbesitzer Johann Ohnefurcht anderen Adligen, etwa dem Herzog von Berry, übergeben wurde. Es war ein wahrhaft fürstliches Geschenk, denn die Miniaturen der Handschrift sind vom Feinsten. Text, Bilder und Kodex werden in der Publikation von Eberhard König, Dieter Röschel und Gabriele Bartz umsichtig beschrieben und als epochal eingeordnet.

Den Hauptteil bildet der „Gang durch das Buch“, in dem die Miniaturen im Textzusammenhang erläutert werden. Ohne den Umweg über den vollständigen Text wird in die Welt des Werks eingeführt; das „Wunderbare“ der Reise wird zugleich anschaulich gemacht. Wir werden zu den Stätten des Heiligen Landes geführt. Der Sinai, das muslimische Paradies, die Heimat des Antichristen in Galiläa und andere Dinge sind zu sehen. Dann geht die Reise weiter ins Land, wo der Pfeffer wächst; unterwegs werden wir Zeuge eines Kindsopfers für eine Gottheit. Sodann lernen wir Wundervölker kennen – Hermaphroditen etwa – und reisen bis in das Reich des Priesterkönigs Johannes, diesen Sehnsuchtsort, der viele Menschen im späten Mittelalter beschäftigte.

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Das Werk des Jean de Mandeville nutzte vor allem die Berichte des Wilhelm von Bodensele im ersten und des Ordericus von Pordenone im zweiten Teil. Wunderbares Wissen konnte so weitergegeben und -entwickelt werden. Solche Wissensbestände – ob fiktiv oder real – haben die spätmittelalterliche Gesellschaft Europas beflügelt, um immer weiter über die eigenen Grenzen zu schauen. Die hohe Wertschätzung dieses und anderer Berichte machen die Miniaturen im vorliegenden Band deutlich. Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft hat die Texte dem Kommentarband zum Faksimile der Pariser Handschrift entnommen. Die hervorragende Qualität der Bilder regt an, auch das Faksimile in die Hand zu nehmen.

Rezension: Prof. Dr. Klaus Herbers

Eberhard König/Dieter Röschel/Gabriele Bartz
Die Wunder der Erde
Die Reisen des Ritters Jean de Mandeville
Verlag wbg Edition, Darmstadt 2022, 200 Seiten, € 75,–

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