Ette, Ottmar Alexander von Humboldt und die Globalisierung – Das Mobile des Wissens - wissenschaft.de
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Ette, Ottmar

Alexander von Humboldt und die Globalisierung – Das Mobile des Wissens

Genau 150 Jahre nach dem Tod Alexander von Humboldts versteht es Ottmar Ette, Lehrstuhlinhaber für Romanistik an der Universität Potsdam und mit geographischem Denken gut vertraut, die Moder‧nität in Humboldts Werk aufzudecken.

Er findet sie in der Kombi‧nation von Reisen und Wissen: Wie das Reisen der Horizonterweiterung und dem vergleichenden Erkennen dient, so gründet sich Wissen auf die räumliche Vernetzung derjenigen, die Wissenschaft betreiben. Nicht nur das Reisen ist Ausdruck von Mobilität, auch die Wissenschaft muss mobil und letztlich global sein. Humboldt lebte diese Vernetzung von Wissenschaft in seinen Werken vor. Diese bereiten seine Amerika-Reise auf, beziehen zahlreiche Einzelstudien ein, umfassen die Russland- und Zentralasien-Reise als zweites Großunternehmen – ganz unter dem Aspekt des Vergleichs – und nehmen schließlich im „Kosmos“ eine Gesamtschau vor.

Ette versteht es, in 58 Unterkapiteln Humboldt zu entstauben (wenn das denn nötig wäre) und ihn äußerst subtil und mit profunder Kenntnis sowohl der Texte als auch der historischen und wissenschaftlichen Kontexte in unser Zeitalter der Globalisierung zu stellen. Die Kapitel kreisen an zwei Denkachsen um acht Hauptkategorien und beziehen schließlich auch das Unvollendet-Bleiben des Werks mit ein. Der Autor möchte nicht den Ahnherrn der modernen Geowissenschaft oder Ökologie feiern, wie es einer Biographie anstände, sondern den Vordenker von sachlichem Vergleich und persönlicher Vernetzung herausarbeiten.

So wichtig die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sind, die Humboldt auf der Grundlage exakter Beobachtungen, Messungen und Berechnungen erzielte, so bedeutend war seine Einbeziehung des Menschen: Das eigene Leben in den so unterschiedlichen Städten Berlin und Paris, die persönlichen Begegnungen während der Reisen in Amerika und Russland, die Konfrontation mit anderen Kulturen gewinnen vor dem Hintergrund der Geistesströmungen der Zeit, der eigenen gesellschaftlichen Stellung und der ständigen Spannung zwischen geistiger Mobilität und individueller Verankerung ein beachtenswertes Profil.

Die Komposition der Darstellung erlaubt unterschiedliche Zugänge, was einige sachliche Wiederholungen erklärt: Man kann die Unterkapitel nacheinander lesen, jeweils eine Denkfigur mit ihren Facetten als Lektüreeinheit sehen oder auch einen eigenen Parcours gestalten, der durch die 58 Stationen führt. Ettes Buch regt in hohem Maße dazu an, neu über Humboldt und die Entwicklung von Wissenschaft nachzudenken, das Drängende und immer Unfertige von Wissensgewinnung und -darstellung zu sehen.

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Rezension: Prof. Dr. Jörg Stadelbauer

Ette, Ottmar
Alexander von Humboldt und die Globalisierung – Das Mobile des Wissens
Insel Verlag, Frankfurt am Main/Leipzig 2009, 476 Seiten, Buchpreis € 24,80
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