Rosenfeld, Gavriel D. Architektur und Gedächtnis – München und Nationalsozialismus – Strategien des Vergessens - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Rosenfeld, Gavriel D.

Architektur und Gedächtnis – München und Nationalsozialismus – Strategien des Vergessens

Wie viele deutsche Städte wurde auch München im Zweiten Weltkrieg durch mehrere Luftangriffe der Alliierten schwer beschädigt. Die glanzvolle Stadt, bei deren Anblick Thomas Mann 1905 ausrief: „München leuchtet!“, war mit dem „Dritten Reich“ untergegangen. Zurück blieben etwa fünf Millionen Kubikmeter Schutt und eine Bevölkerung, die sich nun mit ihrer wenig ruhmreichen Vergangenheit auseinandersetzen mußte. Die Frage, wie die Stadt wiederaufgebaut werden sollte, bewegte die Gemüter. Das Ergebnis sehen wir heute: München wurde schließlich, so weit es möglich war, originalgetreu wiederaufgebaut und präsentiert sich wie vor hundert Jahren – obwohl 60 Prozent der Altstadt im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Ein beschädigtes, nicht restauriertes Gebäude, wie zum Beispiel die Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche in Berlin wäre in München undenkbar. Selbst Inschriften, die auf den Wiederaufbau nach 1945 verweisen, fehlen an den Häusern. So wurde der Turm des Alten Rathauses von Bomben zerstört und 1975 wiederaufgebaut. Die Inschrift läßt nicht darauf schließen, sie lautet: „Erbaut 1740 von Jörg Ganghofer“. Der amerikanische Historiker Gavriel D. Rosenfeld hat in seinem Buch „Architektur und Gedächtnis. München und Nationalsozialismus – Strategien des Vergessens“ das städtische Erscheinungsbild als Repräsentation der Erinnerung an die Vergangenheit der Stadt interpretiert. Er analysiert 225 Gebäude und Denkmäler, die entweder den Krieg unbeschadet überstanden hatten oder die wiederaufgebaut, beziehungsweise nach 1945 neu gebaut wurden. Fast alle Denkmäler, die die Nationalsozialisten aufstellen ließen, wurden abgerissen. Hin und wieder hatten Bürger der Stadt selbst zum Hammer gegriffen, um sie aus dem Stadtbild zu entfernen. Man hatte den Wunsch sich so gründlich wie möglich von dieser Zeit zu distanzieren. Diese Haltung hat sich im Lauf der Zeit nicht viel geändert. Gavriel D. Rosenfeld kommt durch seine Analyse zu dem Ergebnis, daß München lange seine Vergangenheit im Stadtbild „ausgeklammert“ hatte. Die einstige „Hauptstadt der Bewegung“, wie München nach 1935 genannt wurde, ignorierte damit ihre historische Verantwortung für das „Dritte Reich“.

Rezension: Marohn, Mariel

Rosenfeld, Gavriel D.
Architektur und Gedächtnis – München und Nationalsozialismus – Strategien des Vergessens
Dölling und Galitz Verlag, München/Hamburg 2005, 672 Seiten, Buchpreis € 29,80
Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Wissenschaftslexikon

Kamm  〈m. 1u〉 1 Gerät zum Ordnen, Reinigen od. Halten des Haares, oft als Schmuck (Zier~, Staub~) 2 Gerät zum Entfernen kurzer Woll–, Flachs– od. Baumwollfasern aus der Rohfaser (Weber~) ... mehr

Him|mels|lei|ter  〈f. 21〉 1 = Jakobsleiter (1) 2 〈Bot.〉 Angehörige einer Gattung der Sperrkrautgewächse: Polemonium ... mehr

Tul|pen|baum  〈m. 1u; Bot.〉 zu den Magnoliengewächsen gehörender Parkbaum mit tulpenähnl. Blüten: Liriodendron tulipifera

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige