Pedro Olalla Ein Athen-Reiseführer der etwas anderen Art - wissenschaft.de
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Pedro Olalla

Ein Athen-Reiseführer der etwas anderen Art

Der Filmemacher und Autor Pedro Olalla nimmt den Leser, wie im Untertitel des Buches angekündigt, mit auf einen politischen Spaziergang durch Athen. Die Bezeichnung politisch ist hierbei durchaus angebracht. So zeigt Olalla anhand verschiedener Orte in Athen nicht nur die Entwicklung und Bedeutung der antiken athenischen Demokratie auf, sondern berichtet auch ausgiebig über die Folgen der Krisenjahre von 2010 bis 2014 und die einschneidenden Veränderungen für die Bürger Athens und ganz Griechenlands, die diese mit sich gebracht haben.

Das Buch führt anhand meist kurzer, aber gut lesbarer Kapitel durch Athen. Wendet sich der Autor den antiken Stätten zu, so berichtet er nicht nur über ihr heutiges Erscheinungsbild, sondern auch über die antiken Vorgänge und deren Zusammenhang zur Demokratie. So erläutert Olalla etwa im Kontext der Pnyx die Bedeutung der Redefreiheit für die Entwicklung der Demokratie in Athen. In den Kapiteln zu modernen Plätzen und Straßen der Stadt räsoniert der in Athen lebende Autor über die Entwicklungen des Staates Griechenland seit den Befreiungskriegen bis in die letzten Jahre. Dabei wird er nicht müde zu beklagen, dass die griechische Regierung sich seit langem dem Volk durch Misswirtschaft und Korruption entfremdet habe. Auch kritisiert er scharf das Vorgehen der EU im Zuge der Griechenland-Krise.

Für Pedro Olalla steht fest, dass das aktuelle globalisierte politische System der Grund für Unfreiheit und Unglück eines großen Teils der Weltbevölkerung ist. So wünscht er sich nicht nur einen Wandel, in dessen Folge sich die Bürger politisch stärker beteiligen könnten, sondern auch eine aktivere Forderung der Bürger nach wirklicher Beteiligung und direkter Demokratie (nach altgriechischem Vorbild).

Das Buch ist meistens in einem angenehm lesbaren Stil geschrieben. Da es sich in erster Linie nicht als archäologische bzw. althistorische Arbeit zum antiken Athen versteht, ist die eine oder andere wissenschaftliche Unschärfe zu verzeihen. Mitunter lässt sich der Autor allerdings von seiner Begeisterung für die Sache davontragen, sodass es dann doch zu Unklarheiten kommt. So scheint Olalla die wissenschaftliche Ansicht, dass sich die athenische Demokratie in der Folge der Perserkriege entwickelte, zuerst abzulehnen und setzt dagegen: „Wie einfältig! (…) Die Demokratie entsprang der Seele der Griechen, die seit Homer und Hesiod begriffen hatten, dass das Leben eines jeden Menschen einzigartig ist (…).“ Im Folgenden nimmt der Autor allerdings genau auf die zuvor kritisierte Forschungsansicht wieder Bezug.

Auch wirken manche seiner Äußerungen geradezu verschwörungstheoretisch. So sieht Olalla etwa die von IWF, Weltbank und Welthandelsorganisation gelobte, der Suche nach Arbeit geschuldete Emigration als bewusst eingesetztes Instrument „(…) um den Zusammenhalt und das Selbstbewusstsein der traditionellen Arbeiterklasse zu unterminieren und sie ihrer politischen Macht zu berauben (…).“

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Fazit: Pedro Olalla legt mit diesem Buch eine Aufforderung zu mehr direkter Demokratie und zu einem Überdenken der globalen Marktwirtschaft vor. Diese Gedanken verbindet er immer wieder mit Orten Athens, zu denen er sowohl eine kurze populärwissenschaftliche Einführung als auch Einordnung bietet. Ob man sich seinen politischen Schlussfolgerungen anschließen mag, muss der Leser selbst entscheiden.

Rezension: Raphael Szeider

Pedro Olalla
Die ausgegrabene Demokratie
Ein politischer Spaziergang durch Athen
Berenberg, Berlin 2018, 184 S., 22,00€

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