Botanik der Begierde - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Bücher

Botanik der Begierde

02_03_botanik_der_begierde_klein.jpg
Autor: -xxx- Verlag: Claassen, München 2002-xxx- Seiten: 375-xxx- ISBN: 3546003098-xxx- Buchpreis: 19,00
Als Hobbygärtner kann man nur einverstanden sein, wenn Michael Pollan das „anarchische Durcheinander von ungezügelt ins Kraut geschossenen Pflanzen und reifen Früchten“ beschreibt, das gegen Ende des…

Als Hobbygärtner kann man nur einverstanden sein, wenn Michael Pollan das „anarchische Durcheinander von ungezügelt ins Kraut geschossenen Pflanzen und reifen Früchten“ beschreibt, das gegen Ende des Sommers „die geometrische Ordnung“ der im Frühling angelegten Beete zu sprengen droht.

Man folgt ihm auch gern auf verschlungenen Gedankengängen, etwa zur Rolle von Rauschpflanzen bei der Entstehung religiöser und philosophischer Systeme. Welche Droge hatte Plato wohl genommen, als er die „platonische Idee eines Bechers“ beschwor?

Der amerikanische Umweltjournalist und Gartenbuchautor Michael Pollan erzählt die Geschichte von vier Pflanzen, die der Mensch kultiviert hat, um ein Begehren zu befriedigen: Der Apfel schenkt uns Süße, die Tulpe Schönheit, Cannabis steht für den Rausch, und die Kartoffel stillt unser Bedürfnis nach Kontrolle bei Erzeugung und Konsum.
Doch wer nutzt hier eigentlich wen aus, fragt der Autor: der Mensch die Pflanzen – oder die Pflanzen den Menschen? Verbreiten Nutzpflanzen doch durch die bereitwillige Erfüllung menschlicher Begierden ihre Gene über die ganze Welt!

Der Gedanke ist witzig, aber nicht ganz neu. Seit Richard Dawkins („Das egoistische Gen“) haben Biologen so argumentiert. Und auch die Idee, eine Menschheitsgeschichte aus der Sicht ausgewählter Pflanzen zu erzählen, hatte schon ein anderer: der Brite Henry Hobhouse („Sechs Pflanzen verändern die Welt“).

Anzeige

Originell in Pollans Buch sind die menschlichen Schicksale, die sich mit dem der Pflanzen verknüpfen: Ob es sich um den legendären „Johnny Appleseed“ handelt, der im amerikanischen Wilden Westen den Apfel verbreiten half, um die Spekulanten, die im 17. Jahrhundert in Holland dem „Tulpenfieber“ verfielen, oder um die Gentechnologen von heute, die durch ihre Neuzüchtungen der Idealvorstellung McDonaldsscher Pommes frites zum Sieg verhelfen wollen.

Judith Rauch

Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Kon|zert|meis|ter  〈m. 3; Mus.〉 führender Geiger (unter den ersten Geigen) im Orchester

Quan|ten|com|pu|ter  〈[–pju:–] m. 3; IT; Phys.〉 Computer, der nach den Gesetzen der Quantentheorie nicht mit Stromimpulsen (Zustand an od. Zustand aus), sondern mit Überlagerungszuständen einzelner Atome (sog. verschränkte Atome) arbeitet u. dadurch Rechnungen effektiver u. schneller ausführen kann, anstelle von Bits werden Quantenbits verwendet

Na|sen|spie|ge|lung  〈f. 20; Med.〉 Untersuchung des Naseninnern mit einem Nasenspiegel; Sy Rhinoskopie ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige