Stahl, Michael Botschaften des Schönen – Kulturgeschichte der Antike - wissenschaft.de
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Stahl, Michael

Botschaften des Schönen – Kulturgeschichte der Antike

Der Titel „Botschaften des Schönen“ bringt die Provokation auf den Punkt. Michael Stahl, der an der TU Darmstadt lehrt, versteht Kulturgeschichte weder als enzyklopädisches Panoptikum von falschen Freunden („Damals war das so ähnlich wie heute“) noch als Entlarvung einer dekadenten Freizeitgesellschaft mit Gladiatoren und Tafelluxus. Die Antike, die er vorstellt, ist vielmehr ein Kosmos gelungenen Lebens.

Griechen und Römer entwickelten in der Tat ihre Städte zu Räumen, in denen die Bürger zugleich bei sich und zusammen sein konnten. In der staatlichen Organisation hinterließen sie Europa die beiden bis nahe an die Gegenwart zentralen Ordnungsmodelle: den Bürgerstaat mit breiter Teilhabe am Politischen und die von einem Ethos der Verantwortung getragene Monarchie.

Die politische Ordnung aber ruhte auf einer sozialen, in der die unaufhebbaren Ungleichheiten immer wieder ausbalanciert wurden und die Eliten ihre Prominenz aus ihren Leistungen für die Schwächeren und das Gemeinwesen insgesamt gewannen. Mit Bedacht wählt Stahl mit Stadt, Staat, Gesellschaft, Wohnung und Körper für seine jeweils paarweise komponierten Fallskizzen solche Lebensbereiche, die uns noch heute bewegen.

Doch dem Autor geht es nicht um eine klinisch-kühle, funktionale Erklärung für die Stabilität politischer und sozialer Strukturen, und die hier vorgestellte Kultur ist auch nicht bloß Fassade oder Gegengewicht für „harte“ Ge‧gebenheiten. Was die antike Welt im Innersten zusammenhielt, ihren eigentlichen Kern ausmachte, war vielmehr eine sinngebende schöne Form, in der jedes Glied seinen Platz hatte: die Säule im Tempel, die Villa in der Landschaft, der Klient im Gefolge seines fürsorglichen Patrons, das Lächeln im Antlitz einer archaischen Statue, der Angehörige des Imperium Romanum, der Segenswünsche für Augustus ausspricht, weil dieser die Welt gerettet hatte, aber auch das bohrende Wort des Sokrates, der nicht müde wurde, seine Athener Mitbürger zu besseren Menschen machen zu wollen.

Dieses Erbe der Antike zu klären und von allen Schlacken des Gewöhnlichen und Unwichtigen zu befreien sieht Stahl als genuine Aufgabe des Historikers an. Um dies klarzustellen, stehen prägnante Miniaturen zu Herodots Werk über die staunenswerten Leistungen der Menschen, gipfelnd im großen Perserkrieg, am Anfang des eindringlich geschriebenen Buches. Hinzu treten Ausführungen zur monumentalen Vergegenwärtigung der Vergangenheit Roms im Augustus-Forum. Den programmatischen Rahmen bilden freilich Kapitel über zwei maßgebliche Vertreter des ästhetischen Blicks auf die Antike in neuerer Zeit: Johann Joachim Winckelmann und Karl Friedrich Schinkel. In ihren Schriften und Bauten findet Stahl „die Vision einer neuen und besseren Welt, die durch eine Revolution der gesellschaftlichen Moral herbeigeführt werden sollte. Deren Grundwerte hießen Schönheit, Natur und Freiheit.“

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Diese Vision erscheint in der Tat aktueller denn je, sind wir doch vom Ziel aller Bemühungen der Klassik um 1800, eine humane Moderne zu schaffen, offenkundig weit entfernt. Deshalb, als Provokation, reicht dieses bedeutende Buch über eine Sammlung dessen, was an der Antike erinnernswert ist, weit hinaus.

Rezension: Walter, Uwe

Stahl, Michael
Botschaften des Schönen – Kulturgeschichte der Antike
Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2008, 304 Seiten, Buchpreis € 29,90
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Wissenschaftslexikon

Wom|bat  〈m. 6; Zool.〉 Angehöriger einer in Australien u. Tasmanien verbreiteten Familie der Beuteltiere, der mit seinen starken Krallen unterirdische Baue anlegt, plump gebaut, bis zu 1 m groß, mit rückgebildetem Schwanz: Phascolomys [<engl. <austral. Eingeborenenspr.]

Gold|stern  〈m. 1; Bot.〉 Angehöriger einer Gattung der Liliengewächse mit gelben, in Scheindolden stehenden Blüten: Gagea; Sy Gelbstern ... mehr

ähn|lich  〈Adj.〉 1 in vielen od./u. wichtigen Merkmalen, Eigenschaften übereinstimmend, erinnernd an 2 〈Math.; Zeichen: ~〉 in entsprechenden Winkeln übereinstimmend ... mehr

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