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Ineichen, Stefan

Cap Arcona 1927-1945 – Märchenschiff und Massengrab

Luxusdampfer, Flüchtlingsschiff, Teil der Kriegsmarine, Massengrab für KZ-Häftlinge: In der Geschichte des deutschen Ozeandampfers „Cap Arcona“ spiegelt sich das Auf und Ab der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider.

Zu seiner Jungfernfahrt brach das damalige Flaggschiff der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschifffahrtsgesellschaft und Symbol eines neuen, modernen Deutschlands am 19. November 1927 auf. Schon bald wurde das „Märchenschiff“ zum beliebten Verkehrsmittel reicher südamerikanischer Familien auf ihren Reisen nach Europa – während in der zweiten und dritten Klasse vor allem südeuropäische Saisonarbeiter mitfuhren. Nach der Weltwirtschaftskrise und den politischen Umbrüchen der darauffolgenden Zeit standen in den 1930er Jahren vermehrt jüdische Flüchtlinge aus Europa auf den Passagierlisten. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs übernahm die deutsche Kriegsmarine den Dampfer, der nach Evakuierungsfahrten am Ende des Krieges in der Neu-städter Bucht vor der holsteinischen Küste ankerte und dort als Gefängnis für Häftlinge aus dem kurz zuvor geräumten Konzentrationslager Neuengamme diente. Unter dem Beschuss britischer Flieger, die den Dampfer für ein Truppentransportschiff hielten, sank die „Cap Arcona“ am 3. Mai 1945 und wurde zum Grab für tausende KZ-Opfer.

Mit der bewegten Vergangenheit der Cap Arcona hat sich der Schweizer Ökologe Stefan Ineichen in seinem neuesten Buch auseinandergesetzt: In sieben Kapiteln, die den verschiedenen Funktionen des Dampfschiffs folgen, erzählt er dessen Geschichte vor dem historischen Hintergrund der Zeit. Die Idee, mit dem Fokus auf das bekannte Schiff zugleich einen neuen Blick auf die damaligen Umstände und Geschehnisse zu werfen, ist dabei durchaus interessant. Allerdings gelingt dem Verfasser trotz umfassender Recherchen, die das Literatur- und Quellenverzeichnis belegen, die Umsetzung nicht vollkommen: Statt klaren Fragestellungen zu folgen, verliert sich Ineichen oft in Einzelheiten, etwa wenn er ausführlich die Geschichte einer südamerikanischen Familie erzählt, die in den 1920er Jahren mit der „Cap Arcona“ fuhr. Bei der Darstellung liegt die Stärke des Autors zudem weniger in der analytischen Schilderung größerer Zusammenhänge, sondern mehr in der Beschreibung von Anekdoten und Details, wie beispielsweise dem dramatischen Untergang des Schiffs. Diese gestaltet der Autor aber insbesondere durch die Verwendung vieler Zitate aus unterschiedlichsten Quellen – von Reiseberichten über Briefe bis hin zu Memoiren – sehr lebendig. Dazu tragen auch die zahlreichen Abbildungen zeitgenössischer Ansichtskarten bei, die die verschiedenen Schauplätze illustrieren. Einige sprachliche Schwächen stören jedoch das Lesevergnügen.

Rezension: Liza Soutschek

Ineichen, Stefan
Cap Arcona 1927-1945 – Märchenschiff und Massengrab
Limmat Verlag, Zürich 2015, 240 Seiten, Buchpreis € 34,80
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