Volker Leppin Charismatisch, arm und spontan - wissenschaft.de
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Volker Leppin

Charismatisch, arm und spontan

Schlägt man die Biographie zu Franziskus von Assisi auf, so wird man gleich zu Beginn mit der Tatsache konfrontiert, wie schwierig die Quellenlage zu Franz ist. Das macht es oft unmöglich, etwas mit Sicherheit über sein Leben aussagen zu können. Da mag man sich für einen Moment fragen, warum man trotzdem ein nicht ganz dünnes Buch in den Händen hält. Die Antwort darauf liegt wohl in der Sorgfalt, mit der der Historiker und Theologe Volker Leppin die verschiedenen Lebensbereiche des Heiliggesprochenen beleuchtet.

Nachdem er die Quellen, die Aufschluss über Franz‘ Leben geben, und ihre Glaubwürdigkeit analysiert hat, nimmt Volker Leppin den Leser auf eine Reise durch das Leben des „Bettelmönches“ mit, die (sofern es möglich ist) einer chronologischen Linie folgt, aber auch nach verschiedenen Aspekten seines Lebens und des entstehenden Franziskanerordens schaut.

Geboren wurde Franz Ende des 12. Jahrhunderts als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns in Assisi. Doch als junger Mann war er zunehmend unzufrieden mit seiner Lebensführungen, was schließlich zu einem radikalen Bruch mit seiner Familie führte. Er schien daraufhin zunächst orientierungslos, wie er nun sein Leben in selbstgewählter Armut gestalten wollte. Doch nach einem Bekehrungserlebnis war für ihn das Vorbild Christi wegweisend, und er trat als charismatischer Prediger auf, was ihm bald Aufmerksamkeit einbrachte. Sein Verhalten und seine Predigttätigkeit waren aus Sicht der Kirche nicht unproblematisch, doch im Gegensatz zu anderen Armutsbewegungen gelang es ihm, die Billigung des Papstes zu erlangen. Immer mehr Männer (und auch Frauen – die späteren Klarissinnen) schlossen sich ihm an. Schließlich wurde durch den großen Zulauf eine bessere Organisation nötig, und der Franziskanerorder entstand. Franz von Assisi starb im Jahre 1226.

Wenn es in den Quellen verschiedene Varianten zu Ereignissen im Leben des Franz von Assisi gibt hat, stellt Volker Leppin diese nebeneinander, beleuchtet ihre Plausibilität und bewertet sie auch, ohne dem Leser letztlich eine einzig wahre Geschichte zu suggerieren.

Zwar müssen am Ende immer noch einige Fragen über Franz offen bleiben, doch Volker Leppin schafft es, dem Leser aus dem 21. Jahrhundert eine Brücke ins 13. Jahrhundert zu schlagen. Damit lernt man einen Mensch kennen, dessen Leben oft durch Spontanität geprägt war, der selbst auch ein Suchender und sicherlich nicht immer nur ein angenehmer Zeitgenosse war, der aber nicht nur für sein Umfeld, sondern auch über seinen Tod hinaus prägend wurde. Ein großer Gewinn ist auch die Möglichkeit, einen Einblick in das Handeln und Denken seiner Zeit zu bekommen. Wie reagierte die doch recht wohlhabende Kirche auf dieses neue Armutsideal? Welche ganz anderen Reaktionen riefen Wundererzählungen zu seiner Zeit hervor? Volker Leppin schreibt verständlich, und zum Teil auch humorvoll. Somit verschafft die Biographie einen sehr umfassenden Einblick in das, was man aus heutigem Forschungstand über Franziskus von Assisi wissen – und auch nicht wissen – kann.

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Rezension: Dorothea Gösele

Volker Leppin
Franziskus von Assisi
wbg THEISS Verlag, Darmstadt 2018, 456 Seiten, € 29,95

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