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Thomas O. Höllmann

China und die Seidenstraße

damals Buch [Seidenstraße]Bücher zur Geschichte der Seidenstraße gibt es viele. Doch das Werk des Sinologen Thomas O. Höllmann ist anders. Es verzichtet auf eine durchgehende Erzählung von den Anfängen bis heute, sondern geht den Grundfragen nach, die sich mit dem Warenverkehr zwischen Ost- und Westeurasien verbanden und verbinden.

Diese aber haben jeweils einen zeitlichen Schwerpunkt, so dass sich eine lose chronologische Folge ergibt: die Verbreitung von Religionen im 2. bis 9. Jahrhundert, Tribut und Handel im 6. bis 10. Jahrhundert sowie Transfer und Transformation vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Das „Nachspiel“ schließlich reicht von den archäologischen Entdeckungen seit dem späten 19. Jahrhundert bis an die Gegenwart heran. Denn die „Neue Seidenstraße“, Präsident Xi Jinpings Offensive zur wirtschaftlichen Durchdringung Asiens und darüber hinaus, soll Chinas Rückkehr auf die Weltbühne krönen.

Der Begriff „Seidenstraße“ geht – durchaus überraschend – auf deutsche Geographen zurück: Carl Ritter hat ihn wahrscheinlich erfunden, Ferdinand von Richthofen machte ihn populär. Beide wussten, dass es sich um ein Netzwerk von Land- und Seerouten handelte, die einen Austausch nicht nur von Waren, sondern auch von Nachrichten, Ideen und Techniken ermöglichten. Doch der Singular bürgerte sich ein. Das Wort erhielt eine symbolische Bedeutung: Wann immer das Reich der Mitte sich öffnete und den Kontakt mit der Außenwelt suchte, kam die Seidenstraße ins Spiel. Sie steht für Neugier, Aufgeschlossenheit, Kommunikation. Wenn China sich dagegen abschottete, man sich lieber auf die überkommenen, die eigenen Werte besann, wurde die Erinnerung an die
Große Mauer wieder lebendig.

Das „Kernland“ der Seidenstraße lag in Zentralasien, im heutigen Usbekistan, Tadschikistan und in der chinesischen Provinz Xinjiang. Immer aber ging es um die Verbindung zum Reich der Mitte, um die Teilhabe an dessen Reichtümern, um Anerkennung oder Abwehr seiner hoheitlichen Ansprüche. Davon handelt das Buch.

Es liest sich wie eine chinesische Kulturgeschichte im globalen Zusammenhang, erlesen illustriert und mit überraschenden Details aufwartend. Sie veranschaulichen die Aufnahmefähigkeit der chinesischen Kultur und zeigen, auf welchen Gebieten sie der europäischen lange voraus war. Das gilt für den Buchdruck so gut wie für Schwarzpulver und Kompass. Beim Gebrauch von Toilettenpapier hatte China sogar einen Vorsprung von knapp 1000 Jahren. Immerhin wurden Feuerwaffen und Kompass in Europa verbessert und dann als Neuerungen ins Reich der Mitte reimportiert.

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Lange Zeit galt in China: im Westen nichts Neues. Im 19. Jahrhundert jedoch, dem „Jahrhundert der Schande“, mussten die Chinesen die Überlegenheit der europäischen Mächte demütig ertragen. Dass russische, englische, deutsche, französische und amerikanische Forscher an den Fundstätten entlang der Seidenstraße, in Dunhuang, Bezeklik oder Karakhoto, kostbare Fresken ab- und wertvolle Handschriften mitnahmen, hatte traumatische Folgen für das kollektive Bewusstsein – bis heute. Auch davon erzählt dieses beeindruckende Buch.

Rezension: Prof. Dr. Folker Reichert

Thomas O. Höllmann
China und die Seidenstraße
Kultur und Geschichte von der frühen Kaiserzeit bis zur Gegenwart
Verlag C. H. Beck, München 2022, 454 Seiten, € 34,–

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