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Ilf, Ilja/Petrow, Jewgeni

Das eingeschossige Amerika – Eine Reise mit Fotos. 2 Bände

Die meistgelesenen Schriftsteller der Sowjetunion in den 1920ern und 30ern waren die beiden beliebten russischen Satiriker Ilja Ilf und Jewgeni Petrow, die fast immer gemeinsam schrieben. Während der Großen Depression, zu einer Zeit, als sich die USA und die Sowjetunion vorsichtig annäherten, reisten die beiden Autoren 1935/1936 als Korrespondenten der „Prawda“ dreieinhalb Monate in einem Ford quer durch die USA, um über das Land zu schreiben. Auf ihrer 16 000 Kilometer langen Reise trafen sie auf viele bekannte Persönlichkeiten wie Henry Ford und Ernest Hemingway, „erlebten die Indianer, sprachen mit jungen Arbeitslosen, alten Kapitalisten, radikalen Intellektuellen und revolutionären Arbeitern, mit Dichtern, Schriftstellern und Ingenieuren“, wie die beiden Autoren schrieben. Sie versuchten, das alltägliche, ländliche, eben das „eingeschossige“ Amerika kennenzulernen, das den Großteil der USA ausmacht. Ihr Weg führte sie von New York nach Chicago, dem Grand Canyon und San Francisco, dann ging es über Los Angeles, Mexiko und die Südstaaten zurück. Durch die Erfindung des Ehepaars Adams, das auf ihren tatsächlichen Reisebegleitern, dem Ehepaar Trone, basierte, schufen sich die Autoren stilistisch die Möglichkeit, Amerika vermittelnd zu beschreiben, und den Erklärungen der Adams den Blick der Besucher gegenüberzustellen. Die beiden berichteten unterhaltsam über alles, was ihnen begegnete: Großstädte, Dörfer, Technik, den elektrischen Stuhl, den hervorragenden Service, Football, Armut, die Leute oder auch die Landschaft.

Nach 75 Jahren liegt nun endlich die erste Übersetzung ins Deutsche von Helmut Ettinger vor und wird sicher auf Freude beim Publikum stoßen; die beiden Bände im Schuber sind schön gestaltet, und auch einige der über 1000 Aufnahmen, die von Ilf gemacht wurden, sind eingearbeitet. Es handelt sich bei dem Text um die originale, unzensierte Fassung. Neben Felicitas Hoppe, der vielreisenden deutschen Schriftstellerin, kommt auch Ilfs Tochter Alexandra in einer Vorbemerkung zu Wort. Zusätzlich sind größtenteils unveröffentlichte Briefe der Verfasser aus Amerika an ihre Familien beigefügt: Heimweh nach den Lieben zuhause, aber auch Kommentare zur Reise und Situation in den USA. Da wird die „tierische Zensur (von Kirche und Politik)“ in Hollywood beanstandet oder die zufällige Begegnung im Baseballstadion mit Upton Sinclair, einem sehr bekannten sozialkritischen Schriftsteller, beschrieben.

Die beiden Autoren waren erfrischend unbelastet: zwar wurde oft und gerne mit der Heimat verglichen, aber ideologisch verbissen waren die beiden nicht. Das brachte ihnen zuhause durchaus auch kritische Kommentare ein, nachzulesen in einem weiteren Anhang, der die ersten Reaktionen sowjetischer Leser aus dem Jahre 1937 enthält: „Schade ist, dass … die Verfasser vom Standpunkt des Arbeiters in vielem nicht recht haben“, meinte etwa ein Lokführer. Doch die Mehrheit ihrer Leser war anscheinend begeistert und fand es „spannend, mit scharfer Beobachtungsgabe und viel Humor geschrieben“. Durchaus praktisch war der Kommentar einer Hausfrau: „Das Einzige, worum ich die Amerikaner beneide, das sind die Ehrlichkeit der Leute und der Einsatz der Elektrizität, besonders in der Hauswirtschaft“.

Es ist kein Reiseführer, und keine ausführliche politisch-gesellschaftliche Abhandlung über die amerikanischen Verhältnisse, wie sie etwa 100 Jahre früher Tocqueville lieferte, aber der Reisebericht ist sehr amüsant und unterhaltsam geschrieben und bietet sicherlich nicht nur für Historiker einen neuen Blickwinkel auf die USA.

Rezension: Timo Widmaier

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Ilf, Ilja/Petrow, Jewgeni
Das eingeschossige Amerika – Eine Reise mit Fotos. 2 Bände
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2011, 700 Seiten, Buchpreis € 65,00
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