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François-Xavier Fauvelle

Das goldene Rhinozeros – Afrika im Mittelalter

Noch immer ist das Bild Afrikas in Deutschland von dem Diktum Hegels geprägt, Afrika sei in die „schwarze Farbe der Nacht gehüllt“ gewesen, habe keine Entwicklung aufzuweisen. Damit propagierte der preußische Philosoph zum einen seine Vorstellung vom modernen – also preußischen – Staat, den er zur globalen Messlatte erhob, und stellte zum anderen seine Unkenntnis über afrikanischer Geschichte unter Beweis (womit er keineswegs allein war). Dass er das alte Ägypten, die phönizische Geschichte oder Teile des Römischen Imperiums ebenso wenig als „afrikanische“ Geschichte ansah, mag zeittypischer „weißer“ Sichtweise geschuldet sein, welche sich die Antike als vor allem europäisch und die Protagonisten und Protagonistinnen als „weiß“ vorstellte. Dass er aber die arabischen bzw. muslimischen Reiche, Handelswege oder Wissenschaftszentren – man denke nur an Timbuktu oder an die westafrikanischen Großreiche Mali oder Benin – nicht erwähnte, zeugt von erheblicher Ignoranz.

Leider hält sich diese Unwissenheit bei einigen bis heute. Afrika wird oft nur als Katastrophen- und Chaoskontinent wahrgenommen, als Herkunftsort von Rohstoffen und Geflüchteten, nicht aber als Hort der Hochkultur. Dies zu ändern ist der französische Historiker François-Xavier Fauvelle angetreten, dessen beeindruckende Reise durch das afrikanische „Mittelalter“ nun auf Deutsch vorliegt. Das Mittelalter siedelt er als Epoche zwischen dem ersten Bericht des chinesischen Reisenden Du Huan im 8. Jahrhundert und den „Entdeckungen“ der Portugiesen im 15. Jahrhundert an.

Wie er selbst eingesteht, hat Afrika zwar eine reiche Geschichte aufzuweisen, aber an überlieferten Quellen mangelt es, auch wenn die arabischen und selbst chinesischen Berichte, die er benutzt, zum Teil diesen Mangel ausgleichen. Deshalb bezieht er auch archäologische Funde ein, darunter das titelgebende „goldene Rhinozeros“ aus Südafrika. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Mapungubwe gefunden, teilte es das Schicksal vieler afrikanischer Kunstwerke: Es wurde von Weißen vereinnahmt. Für Fauvelle ist es vor allem ein weiterer Beleg für die intensiven innerregionalen Kontakte im afrikanischen Mittelalter.

Reich bebildert und anschaulich geschrieben, entsteht ein beeindruckendes, wenn auch eher impressionistisches Kaleidoskop unterschiedlichster Facetten afrikanischer Geschichte. Wer sich also nach der Lektüre noch immer an Hegel und Konsorten hält, der tut dies absichtlich und will afrikanische Geschichte in ihrer langen Dauer und ihrer Vielfalt nicht wahrnehmen.

Rezension: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer

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François-Xavier Fauvelle
Das goldene Rhinozeros – Afrika im Mittelalter
Verlag C. H. Beck, München 2017, 320 Seiten, Buchpreis € 29,95
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