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Hellfeld, Matthias von

Das lange 19. Jahrhundert. – Zwischen Revolution und Krieg 1776 bis 1914.

Viel vorgenommen hat sich Matthias von Hellfeld in seiner neuen Überblicksdarstellung über das sogenannte „lange“ 19. Jahrhundert. Darin spannt der Rundfunkjournalist und Autor zahlreicher historischer Bücher einen Bogen von der Vorgeschichte der Französischen Revolution bis zur Julikrise von 1914, die den Ersten Weltkrieg auslöste.

Im Wesentlichen folgt von Hellfeld in seiner Darstellung einem ereignisgeschichtlichen Narrativ. Wirtschafts- und Sozialgeschichte beschränken sich größtenteils auf einzelne Kapitel, die sich mit den sozialen Verwerfungen der Industrialisierung und der Parteien- und Verbandsgeschichte befassen, sowie auf Unterabschnitte etwa zur Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland. Andere Bereiche wie die Kunstgeschichte sind bei von Hellfeld auf einzelne Epochen wie Biedermeier und Romantik begrenzt oder werden wie die Wissenschaftsgeschichte nur in wenigen Sätzen kurz angerissen. Als irreführend erweist sich die Ankündigung des Klappentextes, der eine Erzählung des Beginns der Moderne in Europa und Nordamerika verspricht. Zwar liegt der Fokus bei den Napoleonischen Kriegen naturgemäß auf ganz Europa, doch ist es letztendlich eine eindeutig deutschlandzentrierte Darstellung, die von Hellfeld hier liefert. Entwicklungen im Ausland wie die italienische Nationalstaatswerdung werden zwar auch in die Erzählung eingeflochten, doch geschieht dies meistens dann, wenn sie einen Bezug zur deutschen Geschichte aufweisen. Dies gilt etwa für die Darstellung des Konflikts um die spanische Thronfolge 1870, der in den Deutsch-Französischen Krieg mündete. Mehr wäre aber auf 288 Seiten auch kaum zu erwarten gewesen.

Der große Wurf ist dem Autor mit seiner Überblicksdarstellung sicher nicht gelungen, die sich allzu sehr am klassischen Schema vieler Schulbücher orientiert und zudem an manchen Stellen eher oberflächlich bleibt. So wird die Kolonialgeschichte, immerhin einer der zentralen Aspekte europäischer Außenpolitik im späten 19. Jahrhundert, auf wenigen Seiten abgehandelt. Hinzu kommen fehlende Differenzierungen: Immer wieder liest man, was „die Deutschen“ oder „die Menschen in Deutschland“ gedacht oder gewollt hätten. Die These, dass die Französische Revolution eine „Entgottung“ der Welt propagiert hätte, übersieht die damals starke deistische Strömung unter den Revolutionären. Immerhin, trotz einiger sprachlicher Schwächen, erweist sich von Hellfeld als guter Erzähler, der seinen Stoff kurzweilig und interessant aufbereitet. Damit bietet er eine schnelle Einführung in die wichtigsten Entwicklungen des langen 19. Jahrhunderts, mehr aber auch nicht.

Rezension: Alexander Dappa

Hellfeld, Matthias von
Das lange 19. Jahrhundert. – Zwischen Revolution und Krieg 1776 bis 1914.
Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 2015, 288 Seiten, Buchpreis € 22,00
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