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Lehmann, Gustav Adolf

Demosthenes von Athen – Ein Leben für die Freiheit

Das Buch beginnt mit dem Ende, dem Ende der Autonomie Athens nach dem Lamischen Krieg (323/322 v. Chr.) und dem Ende des Mannes, der Jahrzehnte als begnadeter Redner versucht hatte, den Athenern die Freiheit zu erhalten. Mitte Oktober 322, gestellt von den Häschern des makedonischen Siegers, konnte er nur noch über seinen Tod bestimmen: Demosthenes von Athen (384–322).

In der Biographie dieses Mannes zeichnet Gustav Adolf Lehmann, einer der besten Kenner der Geschichte des 4. Jahrhunderts v. Chr., mit meisterhafter Kenntnis der reich fließenden literarischen und inschriftlichen Quellen nicht nur das Leben seines Helden nach, sondern auch die Geschichte Athens dieser Zeit. In diesem „Zeitalter des Demos?thenes“ verknüpfte sich der Streit zwischen Athen, Sparta und Theben um die Hegemonie in Griechenland mit dem Kampf gegen Makedonien unter Philipp II., dessen expansive Macht sich als drohende Wolke über die zerstrittene griechische Staatenwelt schob. Die allmähliche Konsolidierung der Position Athens im Spiel der Mächte seit der Begründung des zweiten Attischen Seebunds (377) diente als Hintergrund für den Patriotismus des jungen Demosthenes, der sich sein Erbe in langwierigen Prozessen erstreiten mußte, dabei aber juristische und politische Erfahrungen sammelte. Härtestes Sprachtrainung und intensivste sachliche Vorbereitung begründeten seinen Ruf als „der Redner“, als der er dann nach dem Bundesgenossenkrieg (377–355) die Chance nutzte, an der Neuorientierung der Politik Athens mitzuwirken.

Sein Rat, das Gleichgewicht der Staaten Griechenlands zu fördern und zugleich energisch gegen das expandierende Makedonien vorzugehen, fand vorerst wenig Gehör. Philipp konnte schließlich Athen im sogenannten Philokrates-Frieden (346) zu außenpolitischer Untätigkeit verurteilen. Der in wuchtigen Redeschlachten geführte innenpolitische Kampf gegen diesen Frieden brachte Demosthenes an die Spitze der Politik; sein Einsatz führte zu einer hoffnungsvollen Allianz gegen Makedonien, der sich sogar das gegenüber Athen recht reservierte Theben anschloß. Doch Philipp setzte mit dem Sieg über das griechische Heer bei Chaironeia 338 auch dem von Demosthenes formierten Hellenenbund ein Ende.

Danach wurde es still um den Redner, der sich gleichwohl weiter für athenische Interessen engagierte. Auf seinen Rat hin hielt sich Athen 335 vom Aufstand der The?baner ebenso fern wie 331 vom Kampf des spartanischen Königs Agis III. gegen den Makedonen Antipater. Im „Kranzprozeß“ bestätigten die Athener die Stellung des Demosthenes als „erster Rhetor-Politiker“ triumphal – und dieser behielt sogar genug patriotischen Kredit, um den Athenern die göttliche Verehrung Alexanders schmackhaft zu machen. Erst der drohende Verlust von Samos und eine Bestechungsaffäre gaben den Gegnern des Demosthenes 323 die Chance, ihn aus Athen zu entfernen und sich nach dem Tod Alexanders des Großen (323) vergeblich gegen Makedonien zu wenden. Der Untergang der athenischen Seemacht war auch der Untergang einer Generation von Politikern. Damit sind wir wieder am Anfang eines Buches, das den (neben Cicero) größten Redner der Antike gegen alle Kritik antiker und moderner Autoren auch als größten Staatsmann erweisen will. Der Autor vertritt die Sicht der Athener – sicher eine legitime Perspek?tive. Aber trifft es auch das Bild des Griechen Demosthenes? Athen ist nicht Griechenland. Sicher war der große Rhetor ein Patriot, aber ging es ihm um Griechenland oder eher um die Stellung Athens in der griechischen Welt? Waren vielleicht die Pläne des Patrioten aus Athen denen des „Schurken aus Makedonien“ gar nicht so unähnlich, wenn es um das Schicksal der griechischen Nachbarn ging? Bereitete der Redner sein geliebtes Athen in der Windstille nach Chaironeia etwa darauf vor, nach einer Katastrophe der makedonischen Macht an die Stelle eines Philipp oder Antipater zu treten und wie im glorreichen 5. Jahrhundert die Griechen das Fürchten zu lehren, zumal Theben und Sparta von der politischen Bühne verschwunden waren? Keine dieser Fragen wird sich in Zukunft diskutieren lassen, ohne den sorgfältig begründeten Standpunkt dieses neuen Buchs zu berücksichtigen.

Rezension: Eder, Walter

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Lehmann, Gustav Adolf
Demosthenes von Athen – Ein Leben für die Freiheit
Verlag C. H. Beck, München 2004, 284 Seiten, Buchpreis € 24,90
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