Weickmann, Dorion Der dressierte Leib – Kulturgeschichte des Balletts (1580–1870) - wissenschaft.de
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Weickmann, Dorion

Der dressierte Leib – Kulturgeschichte des Balletts (1580–1870)

Der Tanz und seine kultur- und sozialgeschichtlichen Aspekte sind in den letzten Jahren verstärkt ins Rampenlicht der Forschung getreten. Zwischen den Polen von „Körperlust und Disziplin“ betrachtete etwa Vera Jung die Fest- und Tanzkultur des 16. und 17. Jahrhunderts (vgl. DAMALS 1-2002, S. 55). Das höfische Ballett hatte hier seinen Platz in der barocken Inszenierung von Maskenbällen, gegen deren sexuelle Libertinage die Kirche disziplinierend vorzugehen suchte. Auch Dorion Weickmann sieht in seinem Buch „Der dressierte Leib“ das Ballett im Spannungsfeld von Körperausdruck und Disziplinierung, doch betont er stärker den disziplierenden Effekt der Körpersprache des Balletts selbst. Deren zunehmende Kodifizierung analysiert er anhand von italienischen und französischenTanztraktaten und spannt dabei den Bogen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert – wohl wissend, daß die Quellenbasis wohl die theoretische Entwicklung des Tanzes, aber nicht dessen Prozeßhaftigkeit abbilden kann. Doch ist dies nur ein Aspekt der lesenswerten Studie. In einem weiteren Schritt beschreibt Weickmann die zunehmende Spezialisierung und Professionalisierung des Berufsstandes der Tänzer und Tänzerinnen, deren harter Alltag am Beispiel der Pariser Oper plastisch geschildert wird. Den immensen Anforderungen waren die meisten höchstens zehn bis 20 Jahre gewachsen. Nicht nur die Körpersprache und die Berufswelt änderte sich, auch die Inhalte und die soziale Einbildung des Tanztheaters. Im Laufe des 18. Jahrhunderts löste sich das Ballett von seinen höfischen Wurzeln und wurde immer stärker auf den bürgerlichen Publikumsgeschmack hin konzipiert – bis hin zum ökonomisch überaus erfolgreichen „Romantischen Ballett“ des beginnenden 19. Jahrhunderts. Der dritte Teil des Buchs schließlich widmet sich den „Geschlechtern im Tanz“. Untersucht werden sowohl die Inszenierung der Geschlechterrollen im Ballett als auch die konkrete Bedeutung dieser Rollenklischees in der Praxis, die durch ein deutliches Machtgefälle zwischen den Tänzerinnen und den männlichen Teilnehmern am Opernbetrieb – Ballettmeistern, Choreographen, Dramaturegn – gekennzeichnet war. Zwei Exkurse über die bedeutenden Primaballerinen Marie Taglioni und Fanny Elssler runden die Ausführungen ab. Ein empfehlenswertes Buch für alle diejenigen, die sich nicht nur von der Schönheit des klassischen Balletts bezaubern lassen, sondern die hinter die Kulissen schauen und dessen historische Entwicklung verstehen wollen.

Rezension: Talkenberger, Heike

Weickmann, Dorion
Der dressierte Leib – Kulturgeschichte des Balletts (1580–1870)
Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York 2002, 398 Seiten, Buchpreis € 39,90
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