Pötzl, Norbert F./Traub, Rainer (Hrsg.) Der Kalte Krieg – Wie die Welt den Wahnsinn des Wettrüstens überlebte - wissenschaft.de
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Pötzl, Norbert F./Traub, Rainer (Hrsg.)

Der Kalte Krieg – Wie die Welt den Wahnsinn des Wettrüstens überlebte

Während der Zweite Weltkrieg noch immer erstaunlich gegenwärtig ist, erscheint der Kalte Krieg von 1945 bis 1989/90 vielen fern wie die Antike. Mancher erinnert sich gar an das „goldene“ Zeitalter einer von den heutigen Sorgen der Globalisierung freien Mittelstandsgesellschaft. Tatsächlich lebten namentlich die Deutschen jedoch ein halbes Jahrhundert im Epizentrum eines möglichen totalen Atomkriegs.

Wir sind noch einmal davongekommen! Das Motto der Überlebenden des Zweiten Weltkriegs gilt auch für die des atomaren Wettrüstens der USA und der einstigen Sowjetunion, so die zentrale Botschaft des von Norbert F. Pötzl  und Rainer Traub herausgegebenen Bandes zum Kalten Krieg. Er vereint die Beiträge von 25 Journalisten des „Spiegel“, Zeithistorikern und Zeitzeugen (Helmut Schmidt und Erhard Eppler). Durch die schlüssige Gliederung in vier Epochen – die Teilung der Welt 1945 bis 1950, die Konfrontation 1950 bis 1962, die Entspannung 1963 bis 1979 sowie der Triumph des Westens 1980 bis 1991 – und eine hilfreiche Chronologie wird ein Sammelsurium beliebiger Beiträge vermieden.

Einführend skizzieren Georg Bönisch und Klaus Wiegrefe anschaulich den Stand der zeithistorischen Forschung. Dass diese sich lange vorwiegend mit der Entwicklung im Westen beschäftigte, spiegelt freilich auch dieser Band wider. Nur im Ausnahmefall halten die Autoren nicht die Waage zwischen „Histotainment“ und seriöser Informa‧tion: So frönt Hans Halter (in schlechtem „Spiegel“-Stil) der Lust am hämischen Bonmot zu Lasten neuester Erkennt‧nisse über die Geschichte des Bundesnachrichtendienstes.

Wir wissen heute, dass der im Kern politisch-ideologische Konflikt zwischen zwei Gesellschaftsmodellen die Epoche kennzeichnete und die politische Kultur nahezu aller Nationen prägte. Die kapitalistische Demokratie als Erbin der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 und der Französischen Revolution von 1789 beanspruchte ebenso weltweite Geltung wie der bürokratische Kommunismus als totalitäre Fortsetzung der europäischen Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts. Unter der Fahne des jeweiligen Modells errichteten die Führungsmächte Staatenblöcke; dadurch entfaltete der Gegensatz seinen bedrohlichen machtpolitisch-militärischen Charakter.

Rezension: Dr. Dieter Krüger

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Pötzl, Norbert F./Traub, Rainer (Hrsg.)
Der Kalte Krieg – Wie die Welt den Wahnsinn des Wettrüstens überlebte
Deutsche Verlags-Anstalt, München 2009, 318 Seiten, Buchpreis € 19,95
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