Der Kampf für Naturrechte - wissenschaft.de
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Der Kampf für Naturrechte

Zugvögel fliegen weite Strecken Richtung Süden – und finden ihren Überwinterungsplatz ohne Kompass, Karte oder Navigationsgerät. Kraken sind Meister der Tarnung, können Kindersicherungen öffnen und sich aus Becken befreien. Elefanten trauern um verstorbene Familienmitglieder. Tiere fühlen, denken und kommunizieren. Es ist erstaunlich, welche Erkenntnisse die kognitive Ethnologie über sie zu Tage bringt. Noch erstaunlicher – und erschreckend – ist, wie der Mensch mit diesen Tieren trotz des Wissens über ihr Wesen und ihre Fähigkeiten umgeht.

In seinem Buch „Die Natur und ihr Recht“ plädiert David Boyd dafür, endlich Konsequenzen aus diesem Wissen zu ziehen. Er ist Juraprofessor an der Universität von British Columbia und berät Regierungen in Umweltfragen. Zuerst skizziert der Autor die rechtliche Stellung von Tieren und Ökosystemen weltweit. Tiere, Flüsse und Wälder sind fast ausnahmslos im Besitz des Menschen. Dieses anthropozentrische Weltbild muss sich laut Boyd hin zu einem ökozentrischen wandeln: Der Mensch ist ein Teil der Natur und von ihr abhängig. Indigene Völker haben das längst erkannt. Die Maori etwa leben in Neuseeland im Einklang mit der Natur (Bild). 2014 wurden ihre Vorstellungen dort erstmals Teil der Gesetzgebung: Der Nationalpark Te Urewera erhielt den Status ­einer juristischen Person. Seit 2017 hat auch der Fluss Whanganui seine alleinigen Besitzrechte inne.

Was auf den ersten Blick verwunderlich scheint, ist es eigentlich gar nicht. Rechtssysteme weltweit schreiben Unternehmen schon seit Langem die gleichen Rechte zu wie Menschen. Man stelle sich nun vor, Ökosysteme könnten Einspruch einlegen, wenn Firmen sie für Kohle und Erdöl ausbeuten wollen …

Boyd erläutert unzählige Beispiele vom Kampf zur Anerkennung von Natur- und Tierrechten vor Gericht. Es sind meist David-gegen-Goliath-Kämpfe, die viel Mut erfordern: Kleine Gemeinden und einzelne Personen im Namen der Natur gegen große Unternehmen mit einer guten rechtlichen Stellung. Der Autor gibt dem Recht ein Gesicht, indem er handelnde Charaktere, etwa Anwälte, porträtiert. Ihm gelingt es, juristische Feinheiten und Fallstricke mit Witz zu erzählen, verpackt in Anekdoten und anschauliche Geschichten. Diese zeigen: Öffentlicher Druck und rechtliche Änderungen haben Erfolg. Zumindest, wenn auch die Umsetzung der Gesetze gewährleistet ist. Das stellt etwa die Regierungen von Bolivien und Ecuador vor Herausforderungen. Dort stehen die in der Verfassung verankerten Natur­rechte im Konflikt mit sozioökonomischen Interessen. Die Menschen sind arm und ihre Länder angewiesen auf die Bodenschätze als Einnahmequelle.

Boyd hat akribisch recherchiert und belegt seine Aussagen mit Literaturquellen, die dazu anregen, sich weiterführend mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das Buch richtet sich nicht ausschließlich an juristisch interessierte Leser, sondern an alle Menschen, die sich für die Natur und ihr Recht einsetzen wollen.

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David Boyd
Die Natur und ihr Recht
Sie ist klug, sensibel, ­erfinderisch und genügt sich selbst
Ecowin. 272 Seiten, 24 €

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