DER KRIEG UM DAS SCHWARZE LOCH - wissenschaft.de
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DER KRIEG UM DAS SCHWARZE LOCH

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Autor: Leonard Susskind-xxx- Verlag: Suhrkamp, Frankfurt am Main 2010-xxx- Seiten: 541 S.-xxx- ISBN: 978–3–518–42205–2-xxx- Buchpreis: € 29,90
Wie ich mit Stephen Hawking um die Rettung der Quantenmechanik rang

Im Jahr 1980 fand in der Villa des reichen Exzentrikers Werner Erhard in San Francisco eine denkwürdige Zusammenkunft statt. Stephen Hawking – bereits im Rollstuhl, aber dem breiten Publikum noch unbekannt – trug eine gewagte These vor: Schwarze Löcher, die alles verschlucken und dann verdampfen, würden Informationen aus dem Universum für immer vernichten. Damit rüttelte Hawking an dem ehernen Grundsatz der Physik: Information bleibt erhalten!

Der Einzige im Raum, der verstand, welche Ketzerei Hawking begangen hatte, war Leonard Susskind – Physiker, Althippie und wie Hawking ein aufstei gender Stern der Wissenschaft. Susskind widersprach Hawking. Ein Streit um Schwarze Löcher und Information entbrannte, der drei Jahrzehnte tobte, die Fundamente der Physik erschütterte und das Verständnis des Kosmos enorm vo ran brachte. Am Ende musste Hawking sich geschlagen geben.

Der Sieger Susskind erzählt in seinem Buch von diesem faszinierenden Stück Wissenschaftsge schichte. Geschichte ist immer die Geschichte der Sieger, sagt ein Sprichwort, und so könnte man befürchten, dass Susskind seinen Triumph nutzt, um seine Version durchzusetzen. Die Befürchtung ist unbegründet. Susskind erzählt die Ereignisse ausgewogen und mit einem kräftigen Schuss Selbstironie. Das gilt auch für das martialische Wort „Krieg“ im Titel – ein Bild, mit dem Susskind immer wieder spielt. Von Scharmützeln und Schlachten spricht er, von Gegenangriffen und „Massendeduktionswaffen“. Es war ein erbitterter Streit, aber ein rein intellektueller. Die Kontrahenten blieben stets Freunde.

Herausgekommen ist ein in mehrfacher Hinsicht spannendes Buch: spannende Wissenschaft, spannende Wissenschaftsgeschichte, spannend geschrieben. Susskind gibt ein Bild von der Struktur und Dynamik der Theoretischen Physik, wie es so aktuell und lebendig selten zu finden ist. Er holt den Leser auf dem Niveau der elementaren Schulphysik ab und führt ihn an die Front der Forschung – bis zur Stringtheorie, deren Mitbegründer Susskind ist, und bis zum Holographischen Prinzip, seiner Hauptwaffe gegen Hawking, und nach seinen Worten eine der „unintuitivsten Abstraktionen der gesamten Physik“. Wer ihm bis dahin folgen kann, erhält einen Eindruck von der begeisternden, aber schwer zugänglichen Ästhetik der Theoretischen Physik von heute. Es lohnt sich.

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Tobias Hürter

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