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Bernd Roeck

Der Morgen der Welt – Geschichte der Renaissance

Wer wollte sich ein solches Schnäppchen entgehen lassen? Für 44 Euro zwei Bände mit insgesamt über 1000 Seiten, die mit zahlreichen, auch farbigen Abbildungen ausgestattet sind. Geschrieben hat sie der Historiker Bernd Roeck von der Universität Zürich. Dank des großzügigen Fonds der Gerda Henkel Stiftung werden darin „seine grundlegenden Erkenntnisse“ über die europäische Renaissance „einer interessierten Öffentlichkeit“ zugeführt.

Um was geht es? Der Untertitel verspricht eine Geschichte der Renaissance. Im Anhang gesteht der Autor allerdings, dass sich ihm bei der Ausarbeitung „keine wirklich neuen Einsichten“ erschlossen hätten und er daher die Renaissance in eine vergleichende Perspektive gebracht habe, „um auf diese Weise ihre welthistorische Bedeutung sichtbar zu machen“. Der Haupttitel ist treffender: „Der Morgen der Welt“, wobei „Welt“ sowohl den Globus als auch den Gegenpart zum Himmel, zum Sakralen, meint und das Wort „Morgen“ auf die Anfänge einer besonderen Entwicklung hinweist, in der sich Lateineuropa vom „Rest“ der Welt ablöste, eine Entwicklung, die in unserer Moderne gipfelte.

Statt sich auf Diskussionen über die Datierung der Renaissance und ihre unterschiedlichen Ausformungen in den einzelnen europäischen Ländern einzulassen, lotet Roeck die „Tiefenstrukturen des Historischen“ aus. Bei der Renaissance, die ihren Namen Jules Michelet verdankt, liege das schon darum umso näher, als es sich um eine Kultur handle, deren Essenz im Rückgriff auf antike Ideen und Formen liege. Roeck blättert daher auf den ersten 344 Seiten rasch einmal die Weltgeschichte von Athen über Rom bis zum Mittelalter auf. Was durch die Rezeption der arabischen Hochkulturen im 12. Jahrhundert in Westeuropa dann entsteht, sei lediglich ein „Möglichkeitsraum“, der sich bis 1400 formiert und sich in den folgenden zwei Jahrhunderten verwirklicht.

Die Renaissance hat viele Facetten, wie an zahllosen Beispielen zu erkennen ist. Vor allem aber besteht sie für Roeck in einer „Diskursrevolution“, also einer Kultur des kritischen Streit-gesprächs, die in der griechischen Philosophie aufkam und in der Renaissance wiederbelebt und weitergetrieben wurde. Im Vergleich mit den asiatischen Hochkulturen sticht, so Roeck, der kritische Umgang mit der Religion oder den Glaubensgewissheiten als Besonderheit ins Auge. „Der ‚Aufstieg des Westens‘ hatte nicht zuletzt damit zu tun gehabt, dass er das Feuer religiösen Streits hatte durchleiden müssen“, damit „aus seiner Asche … der betörend schöne und zugleich furchtbar todbringende Phönix ‚Moderne‘“ aufsteigen konnte.

Während die frühen asiatischen Hochkulturen, in denen entweder Religion und Macht zusammenfielen oder die weltliche Macht unangefochten herrschte, in den Genuss langer Friedenszeiten gekommen seien, stritt sich „Lateineuropa“. Aus diesem trotz allen Blutvergießens produktiven Kampf erwuchs seine Vorrangstellung, deren Herkunft Roeck „wertneutral“ uns Lesern näherbringen will, ohne ihre Schattenseiten zu verschweigen, und uns sanft auf eine asiatisch dominierte Zukunft vorzubereiten.

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Rezension: Prof. Dr. Franziska Meier

Bernd Roeck
Der Morgen der Welt – Geschichte der Renaissance
Verlag C. H. Beck, München 2017, 1304 Seiten, Buchpreis € 44,00
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