Brown, Peter Der Schatz im Himmel – Der Aufstieg des Christentums und der Untergang des römischen Weltreichs - wissenschaft.de
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Brown, Peter

Der Schatz im Himmel – Der Aufstieg des Christentums und der Untergang des römischen Weltreichs

Durch alle christlichen Jahrhunderte hallt der Ausruf Jesu, leichter gehe ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in die Herrlichkeit des Himmels ein. Damit ist der emeritierte Althistoriker Peter Brown, der zuletzt an der Universität Princeton lehrte, beim Thema. Er konzentriert sich geographisch auf den lateinischen Westen, chronologisch auf die Zeit 350 bis 600 n. Chr. und thematisch auf den Umgang mit dem Reichtum: Was dachten die Wohlhabenden, wenn sie auf ihre Besitztümer blickten, was dachte die mächtig gewordene Kirche? Was spornte Reiche und Kirchenleute an, den Armen spendable Hände entgegenzustrecken?

Schon früh verschlossen die Christen ihre Ohren vor den radikalen Sprüchen Jesu und verwandelten das Nadelöhr in ein Scheunentor. Der Starke, las man bereits um 90, soll den Armen geben, der Arme aber soll Gott dafür danken, dass er den Reichen die Möglichkeit gab, ihm zu helfen. Der Gedanke fiel nicht vom Himmel. Schon immer gehörte es zu den Pflichten der Eliten, den Mitbürgern zu helfen, wo immer es nottat. Wer so handelte, hatte Anspruch auf Ruhm und Ehre. Beides zählte jedoch für die Christen nur in dieser Welt, nichts aber im Himmel. Wer dort huldvoll empfangen werden wollte, hatte zu Lebzeiten mit den Armen geteilt, was er besaß.

Wer so dachte, gehörte in den ersten drei Jahrhunderten nicht zu den Großen dieser Welt. Sie begehrten in wachsender Zahl erst im letzten Drittel des 4. Jahrhunderts die Taufe. Dies veränderte alles, beanspruchten die Neuankömmlinge doch die Führerschaft als Bischöfe, Literaten und Theologen. Dies, so die Kernthese Browns, und nicht die Bekehrung Konstantins markiere „den wirklichen Wendepunkt in der Christianisierung Europas“.

Weitere 200 Jahre später habe der traditionelle Adel seine Macht an die Bischöfe abgegeben. Von ihnen geleitet, hätten die Begüterten ihren Besitz hingegeben. Sie taten es in der Hoffnung, dass jedes gegebene Scherflein die Last der Sünden leichter machte und dem Seelenheil diente. „Der Reichtum der Kirche, die Fürsorge für die Armen und das Schicksal der Seele“ waren für lange Zeit miteinander verbunden worden.

Brown führt seine Leser zu einem alten Christentum. Wer sich ihm anvertrauen will, hat fast 900 Seiten zu bewältigen. Jede lohnt das Studium. Denn sie sind geschrieben von einem Meister des Wissens und der Sprache. Sie erhellen, wie schwer es den Christen noch rund 400 Jahre nach Jesu Tod fiel, ihren Schatz im Himmel zu finden. Und sie decken auf, wie viele unserer heutigen Ansichten von dem spätantiken Ringen um das richtige Verhältnis von Armut und Reichtum geprägt sind. „Nimm und lies“, befahl einst eine himmlische Stimme dem heiligen Augustinus und wies auf die Briefe des Paulus. „Nimm und lies“, empfiehlt der Rezensent und zeigt auf das Buch Peter Browns.

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Rezension: Prof. Dr. Werner Dahlheim

Brown, Peter
Der Schatz im Himmel – Der Aufstieg des Christentums und der Untergang des römischen Weltreichs
Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2017, 957 Seiten, Buchpreis € 42,00
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