Claudia Weber Der unheilvolle Pakt - wissenschaft.de
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Claudia Weber

Der unheilvolle Pakt

dam0120bue08.jpgParadoxerweise ist er heute vor allem bekannt, weil sein Anhang nicht bekanntwerden sollte: der Hitler-Stalin-Pakt mit seinem geheimen Zusatzprotokoll vom 24. August 1939. Vor 80 Jahren unterzeichneten der Außenminister des Deutschen Reichs Joachim von Ribbentrop und der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow in Moskau diesen Nichtangriffspakt.

„Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung“ einigten sich die beiden Diktatoren zudem heimlich auf Interessensphären. Ostpolen, Finnland, Estland und Lettland sollten der Sowjetunion, Westpolen und Litauen dem Deutschen Reich zugeschlagen werden. Mit dem Überfall auf Polen zunächst durch die Wehrmacht, dann, zwei Wochen später, durch die Rote Armee begann der Zweite Weltkrieg in Europa.

Während die offizielle russische Version den Pakt mit Hitler bis heute damit rechtfertigt, dass er der UdSSR die notwendigen zwei Jahre zur Vorbereitung auf die faschistische Aggression gegeben habe, bietet Claudia Weber eine kritische Lesart. Danach entschied sich Stalin für Hitler als Koalitionspartner, weil dieser ihm freie Hand für die Annexion des Baltikums gab. Vor allem aber erweitert, ja korrigiert der gut lesbare Band die deutsche Perspektive und lässt die Verflechtung von nationalsozialistischer und stalinistischer Kriegs- und Besatzungspolitik in den Blick geraten. Das ist neu. Weber stellt auch den weniger bekannten deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vor, der für die Umsetzung des Paktes so wichtig war.

Sie beleuchtet die auf dem Miteinander, nicht Nebeneinander der Diktatoren beruhende Besatzungsgewalt, die Deportationen und Vernichtungsaktionen wie die Massenerschießung von Katyn, die Umsiedlung der „Volksdeutschen“ und den antisemitischen Terror. Welch bittere Ironie, dass die weit in die UdSSR hinein deportierten Juden eine bessere Überlebenschance besaßen als die vom Stalinismus Enttäuschten, die versuchten, ins Generalgouvernement zurückzukehren! Beide Verträge und Protokolle finden sich wortwörtlich im Anhang.

Der Band trägt so nicht nur zu einer europäischen Militär- und Gewaltgeschichte bei, die seit dem Ende des Kalten Kriegs überfällig ist. Nach der Annexion der Krim und dem Krieg in der Ukraine bietet er auch eine historische Erklärung für die aktuelle Sorge der baltischen Staaten um ihre Unabhängigkeit. Eine erschöpfende Geschichte des Hitler-Stalin-Paktes kann es freilich erst geben, wenn das Archiv des russischen Außenministeriums seine Tore öffnet.

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Rezension: Prof. Dr. Jörg Echternkamp

Claudia Weber
Der Pakt
Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz 1939 –1941
Verlag C. H. Beck, München 2019, 279 Seiten, € 26,95

 

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