Lehn, Patrick Deutschlandbilder – Historische Schulatlanten zwischen 1871 und 1990 - wissenschaft.de
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Lehn, Patrick

Deutschlandbilder – Historische Schulatlanten zwischen 1871 und 1990

Darstellungen der Geschichte der Kartographie haben Konjunktur, gibt es doch auf alten Raumbildern noch viel zu entdecken. Mit dem spatial turn in den Geschichtswissenschaften hat sich auf diesem Feld die Erkenntnis durchgesetzt, dass mit Karten Geschichte nachgezeichnet, wenn nicht gar manipuliert, Politik gemacht und beeinflusst werden kann.

Wie weit die Auswirkungen in die Gesellschaft hineinreichen, kann Patrick Lehn mit seiner Heidelberger Dissertation deutlich machen. Das Material, das er sich vornimmt, sind Geschichtsatlanten, die für den Unterricht in deutschen Schulen zwischen 1870/71 (Deutsch-Französischer Krieg und Reichsgründung) und 1990 (politische Wende und deutsche Wiedervereinigung) entwickelt und eingesetzt wurden. Der Verfasser konnte dazu auf die reichen Bestände der Berliner Staatsbibliothek und vor allem des Georg-Eckert-Instituts für Internationale Schulbuchforschung in Braunschweig zurückgreifen.

Für fünf Zeitabschnitte, die der gängigen Periodisierung folgen und durch das Ende des Ersten Weltkriegs 1918, Hitlers Machtergreifung 1933, das Ende des Nationalsozialismus 1945 und die Gründung der beiden deutschen Staaten 1949 strukturiert sind, wird das erreichbare Material, das heißt 58 Atlanten in teilweise sehr zahlreichen Auflagen, minutiös analysiert. Vorgaben der Schulpolitik, unternehmerische Erwägungen der Verlage, Aufbau und Inhalte, Details einzelner Karten, kartographische Codes wie die Farbgebung sind wichtige Kategorien der systematischen Analyse. Dass zudem umfangreiche Sekundärliteratur aus Geschichte, Kartographie und Geographie herangezogen und verarbeitet wurde, ist nicht minder verdienstvoll.

Man mag darüber streiten, ob es eine glückliche Entscheidung war, in der Darstellung die Veröffentlichungen im Osten und Westen Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zu trennen, doch sicher trägt diese Entscheidung dazu bei, die verlegerischen Probleme und Entwicklungen in der deutschen Geschichtswissenschaft schärfer zu fassen, als es bei einer Aufteilung in zwei Kapitel möglich gewesen wäre. Besonders wertvoll ist der Anhang mit 185 aussagekräftigen Karten und Kartenausschnitten, deren Druck zwar nicht Faksimile-Qualität erreicht, aber meist die entscheidenden Merkmale erkennen lässt.

Welche Kritik gibt es? Vielleicht ist der an Details überreiche und bisweilen buchhalterisch wirkende Text etwas zu ausführlich geworden, auch nicht ganz frei von Wiederholungen. Zumindest die hilfreichen Zusammenfassungen zum jeweiligen Kapitelende hätten ein höheres Maß an Abstraktion verdient. Einige störende, von keiner Rechtschreibreform unterstützte, bisweilen abenteuerliche Silbentrennungen hätte ein sorgfältiges Lektorat vermeiden können. Dies sind aber Kleinigkeiten gegenüber der höchst beachtenswerten wissenschaftlichen und auch darstellerischen Leistung.

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Man wünscht dem Buch viele Leser vor allem unter denen, die sich noch an ihren Geschichtsunterricht und die dort verwendeten Materialien erinnern und die bei der Lektüre nachdenklich über die zeitspezifische Einbindung von Geschichtsunterricht reflektieren können.

Rezension: Stadelbauer, Jörg

Lehn, Patrick
Deutschlandbilder – Historische Schulatlanten zwischen 1871 und 1990
Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2008, 608 Seiten, Buchpreis € 99,90
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