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Eisner, Jack

Die Happy-Boys – Eine jüdische Band in Deutschland 1945–1949

„Ein Leben läßt sich nicht zwischen zwei Buchdeckel pressen“, so resümiert Jack Eisner, Gründer der international tätigen „Warsaw Ghetto Resistance Organization“, seine Erinnerungen an den Holocaust. Durch Glück überlebte er den „Todesmarsch“ der Häftlinge nach Dachau, die zuvor im Lager Flossenbürg auf das grausamste gequält und gedemütigt worden waren.

Was diese Erinnerungen aus der Fülle der Holocaust-Literatur heraushebt, ist ein ungewöhnlicher Entschluß des damals 19jährigen Eisner, der gleichzeitig ein bezeichnendes Licht auf die Situation und den Lebenswillen derjenigen Menschen wirft, die nur ihr nacktes Leben retten konnten und nach der Befreiung durch die Amerikaner einen Neuanfang versuchten: Eisner gründete nämlich mit seinen Freunden eine Musikgruppe, die „Happy Boys“, die dem Buch auch den Titel gab. Die Band, allesamt polnische Musiker, die den Holocaust überlebt hatten, tingelte direkt nach Kriegsende durch die Flüchtlingslager und versuchte, den Menschen mit einer Mischung aus Big-Band-Nummern, jiddischer Musik und Kabaretteinlagen wieder Lebensmut zu vermitteln.

Gleichzeitig hielt man Ausschau nach überlebenden Angehörigen, aber auch nach früheren Peinigern. Hier geraten Eisners Erinnerungen zu einem Abenteuerroman, bei dem am Ende das Gute siegen und der Bösewicht zur Rechenschaft gezogen werden soll. So hoffen er und seine Freunde, nach dem Krieg mit Hilfe einer Detektei den SS-Sturmbannführer Reinhart Feix, den Menschenschinder im KZ Flossenbürg, aufzuspüren, und treffen schließlich dessen Witwe an.

Während die Gründungsgeschichte der Gruppe in allen Details erzählt wird – darunter die abenteuerliche Beschaffung der Instrumente, die in Polen versteckt waren –, erfahren wir leider kaum etwas über das Programm oder über die Reaktion des Publikums, außer daß die Musiker überall, wo sie auftraten, mit Begeisterung aufgenommen wurden. Mehr Aufmerksamkeit widmet der Erzähler dem Schwarzhandel, den er zusammen mit seinen Band-Mitgliedern betrieb. Auf diese Weise beschaffte sich Eisner auch das Startkapital für einen Neuanfang in den Vereinigten Staaten, wohin er 1949 zusammen mit seiner Mutter, die ebenfalls den Holocaust überlebt hatte, auswanderte.

Die durchaus spannend erzählte Lebensgeschichte, deren Übersetzung ins Deutsche der Verfasser nicht mehr erlebte, endet mit einem Plädoyer, den Holocaust nicht zu vergessen und als Überlebender Zeugnis für die kommenden Generationen abzulegen.

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Rezension: Feinberg, Anat

Eisner, Jack
Die Happy-Boys – Eine jüdische Band in Deutschland 1945–1949
Aufbau-Verlag, Berlin 2004, 218 Seiten, Buchpreis € 21,90
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