Brauburger, Stefan Die Nervenprobe – Schauplatz Kuba: Als die Welt am Abgrund stand - wissenschaft.de
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Brauburger, Stefan

Die Nervenprobe – Schauplatz Kuba: Als die Welt am Abgrund stand

Die Kubakrise beschäftigt die Historiker nun schon seit 40 Jahren. Warum entsandte der sowjetische Ministerpräsident Nikita Chruschtschow 1962 atomare Mittelstreckenraketen nach Kuba und wem verdankt die Welt, daß es damals nicht zum befürchteten Schlagabtausch der Großmächte gekommen ist? Auf diese Fragen gibt Stefan Brauburger in seiner gelungenen Darstellung zur Kuba-Krise fundierte Antworten. Das Ende des Kalten Krieges hatte auch für die Geschichtsschreibung über die Kubakrise Folgen. Zum einen stehen heute neue Quellen zur Verfügung, die über die sowjetischen Intentionen der Jahre 1945 bis 1990 Aufschluss geben. Zum anderen erlaubt das Ende des Ost-West-Konflikts jüngeren Historikern (zu denen auch Brauburger zählt), unbefangener an die Konfrontationen jener Jahre heranzugehen. So steht für den Verfasser außer Frage, daß der Grund für die Aufstellung von sowjetischen Raketen auf Kuba ein defensiver war, um eine befürchtete Invasion der Insel durch die USA zu verhindern. Chruschtschow hatte mit der Entscheidung zu einer geheimen Aufstellung der Raketen hoch gepokert und wie es Mitte Oktober 1962 den Anschein hatte, verloren. Brauburger zeichnet den Meinungsbildungsprozeß in den USA bezüglich der Frage nach, wie auf die neue sowjetische Bedrohung zu reagieren sei. Er betont den Druck, den die US-Militärs auf den Präsidenten ausübten, die sowjetischen Raketenstellungen mit Gewalt zu entfernen. Daß es dazu nicht gekommen ist, lag nicht zuletzt an der Bereitschaft Kennedys und Chruschtschows, aufeinander zuzugehen und Kompromisse auszuhandeln. Als Gegenleistung für den Abzug der Raketen aus Kuba garantierte Washington einen Abzug der amerikanischen „Jupiter“-Raketen aus der Türkei und gab Moskau gegenüber sogar ein Versprechen ab, Kuba nicht anzugreifen. Einen solchen außenpolitischen Erfolg konnte Chruschtschow bei der Entsendung der Raketen kaum erwartet haben. Brauburgers Buch ist Beispiel für eine Zeitgeschichtsschreibung, die sich gleichermaßen um Dramatik in der Darstellung und wissenschaftliche Genauigkeit bemüht. Daß sich das Buch dennoch vornehmlich an den interessierten Laien und nicht an den Fachhistoriker wendet, geht daraus hervor, daß es auf einen wissenschaftlichen Apparat verzichtet, der eine intensivere Auseinandersetzung mit den benutzten Quellen ermöglicht hätte.

Rezension: Schild, Georg

Brauburger, Stefan
Die Nervenprobe – Schauplatz Kuba: Als die Welt am Abgrund stand
Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York 2002, 328 Seiten, Buchpreis € 25,50
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